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Die Braupfanne auf dem Mühlberg bei Krossen

[25.04.2007] In Tauchlitz brannte eines Tages das Brauhaus nieder, dabei zerschmolz die kupferne Braupfanne. In der kleinen Gemeinde konnte nun nicht mehr gebraut werden. Wollten die Tauchlitzer Bier trinken, so mussten sie sich’s vom benachbarten Krossen holen. Doch das gefiel ihnen nicht, und sie sannen darüber nach, wie sie wohl wieder eine Braupfanne bekommen könnten. Geld, eine neue zu kaufen, hatten sie leider nicht. Da stieg der Gemeindeschulze in einer hellen Mondscheinnacht den steilen Weg zum Mühlberg hinaus. Am Rande des Guckloches (ehemaliges Burgverlies) sah er ein wunderliches Männlein hocken.

Das fragte den Schulzen sogleich, was er hier oben auf dem Berge wolle. Der Schulze brachte anfangs vor Schrecken kein Wort heraus, aber da das Männchen ihn freundlich anblickte, beruhigte er sich schnell und klagte dem kleinen Berggeist den Verlust der Braupfanne. Das Männlein sagte darauf: „Ich will dir und deinen Leuten helfen; ihr könnt von mir eine Braupfanne bekommen, doch nicht zu eigen, sondern nur geliehen. Legt, wenn ihr brauen wollt, ein Stück Brot hierher, und wenn euer Bier fertig ist, dann bringt mir meine Pfanne gut gereinigt zurück; vergesst aber nicht, einen Gulden hinein zu legen und eine Kanne von eurem Bier daneben zu stellen!“ Nachdem das Männlein so gesprochen, verschwand es plötzlich. Frohen Herzens eilte der Schulze den Mühlberg hinunter. Am anderen Tage rief er seine Dorfgenossen und teilte ihnen mit, was ihm das Männlein angeboten hatte. Einige schüttelten zwar ungläubig den Kopf, aber sie waren auch dafür, dass die es einmal mit dem Berggeist versuchen wollten. Also legten sie eines Abends ein Stück Brot an die Stelle, die das Männlein dem Schulzen bezeichnet hatte. Und siehe da! Am anderen Morgen stand eine glänzende Braupfanne am Guckloch. Die Tauchlitzer schafften sie voll Freude in ihr Dorf hinunter, brauten ihr Bier, und sie wurden noch froher, als sie merkten, dass es vorzüglich geraten war. Nach dem Brauen reinigten sie die Pfanne sorgfältig, trugen sie zum Mühlberg hinauf und gaben dem Berggeist, was er begehrt hatte.

So ging es viele Male. Ja, das Bier wurde immer besser, je blanker sie die Pfanne scheuerten. Bald sprach es sich in der ganzen Gegend herum, dass die Tauchlitzer ein besonders wohlschmeckendes Bier brauten, und viele kamen mit Fässern und Kannen, um sich vor dem Trank zu holen. Da kam Geld und damit Wohlstand in das kleine Dorf.

Aber bald wurde es anders. Eines Tages befahl der Schulze seinem Knechte, die Pfanne, dazu den Gulden und die Kanne Bier für das Männlein auf dem Mühlberg zu schaffen. Der Knecht aber war ein schlechter Kern; er steckte den Gulden in seine Tasche und trank das Bier aus, ja, er verunreinigte die Pfanne noch obendrein. Da wurde das Männlein über die Maßen zornig und beschloss, die Pfanne nicht mehr zu verborgen. Wohl legten die Tauchlitzer wieder ein Stück Brot an den Rand des Guckloches, aber als sie am nächsten Morgen die Pfanne abholen wollten, fanden sie nichts als einen Haufen Unrat.

Was soll uns diese Geschichte aufzeigen?
Alles hat seinen Sinn, auch die ueberlieferten Mythen.


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