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Über die Wichtelmännchen - Zwerge im Werrathale[05.08.2006] Wichtlein im untern Werrathale In dem ganzen Thalgebiete der Werra, da wo die Hörsel in dieselbe einmündet, kommt die mythische Trias, der Hulda, der Wichtlein und der wilden Jagd abermals zu mannichfaltiger sagenhafter Erscheinung. Schon in Mitten der Wegstrecke zwischen Tiefenort und Berka an der Werra liegen die Hulden-Berge. In den sogenannten Göhringer Steinen läßt die örtliche Sage eine Hulda als Wasserfeine in einer Krystallgrotte wohnen, und mit Wichtlein bevölkert sie das Werrathal/ schon von Gerstungen an, über Berka herab, dann über Sallmannshausen und Hörschel bis Spichra. Der wilde Jäger heißt in dieser Gegend nicht Wode, obschon der
Namensklang des nicht allzufern im Hörselthale liegenden Dorfes Wutha,
das 1170 noch Wutensberc hieß, lebhaft an ihn erinnert, sondern er
heißt Elbel, ein so rein mythischer Name, daß er keiner erklärenden
Deutung bedarf. Nur der anderorts hervortretende Zug, daß der wilde
Jäger die Wichtlein jagt und verfolgt, scheint in dieser Gegend zu
fehlen, kann aber auch unversehens noch aufgefunden werden. In
Gerstungen im Schlosse ist ein schöner Pferdestall, allein es hält
darinnen kein Pferd aus, sie werden wüthend, schlagen aus, schäumen,
bäumen sich, zerreißen Ketten und Halftern. Es wohnen Wichteln unterm
Stalle, das ist die Ursache, denn zwischen Pferden und diesen Geistern
besteht Feindschaft. Reitet doch der Wode, der die Wichtelmännlein und
Wichtelweiblein jagt und ist doch Rache der Grundzug im Charakter der
ganzen dämonischen Welt. Einem Bauer im obenerwähnten Dorfe
Dankmarshausen fiel ein Pferd nach dem andern, und dem Manne drohte die
Gefahr, an den Bettelstab zu gelangen. Als er eines Abends über die
Hausflur ging, hörte er ein Flüstern unter einer umgestülpten Wanne.
Als er darunter sah, gewahrte er vier Wichtlein, welche aus einem in
der Flur stehenden Backtroge Teig genommen hatten, und Brot daraus
kneteten. Knete zu, knete zu! sprach einer zum andern, und der Bauer
sah verwundert zu und schwieg. Ein anderer hätte vielleicht gescholten.
Weißt Du auch, Mann, warum Deine Pferde fallen? fragte das älteste
Wichtelmännchen. Ich will Dir's sagen, daß Du es weißt. Weil wir unter
dem Stalle wohnen, und weil/ wir die Pferde hassen. Bringe Deine Pferde
in einen andern Stall, so werden sie vor uns Ruhe haben. Freudig
befolgte der Bauer diesen Rath und die Wichtlein blieben bei ihm, waren
ihm im Haushalt förderlich und hülfreich, und er wurde durch sie der
reichste Mann in Dankmarshausen.
Der Wichtlein Ueberfahrt Im Spatenberge ohnweit und unterhalb Spichra, am rechten Ufer der Werra, öffnet sich eine kleine Höhle, die Wichtelkutte geheißen, in welcher schon vor undenklichen Zeiten Wichtlein hausten. Es war ein zahlreiches Völklein, das da sein Wesen trieb, und war, obgleich stets neckelustig gesinnt, den Menschen doch gut und hülfreich. Nun war oder ist dort noch eine Fähre vom rechten Ufer zum linken, und der Fährmann hieß Beck, zu dem kamen eines Abends zwei kleine Männlein, und verlangten übergefahren zu werden. Alle drei gingen zum Flusse und bestiegen die Fähre, als sie jedoch darinnen waren, baten die Männlein den Fergen, noch ein wenig zu warten, es komme noch jemand. Es kam indeß niemand, gleichwohl senkte sich die Fähre tiefer und tiefer in das Wasser, als ob sie schwerer und schwerer werde. Da niemand kam, stieß der Ferge endlich vom Ufer ab, aber es wollte ihm bedünken, noch nie sei die Fähre so schwer gewesen. Als man nun am andern Ufer anlangte, fragte einer von den Uebergefahrenen den Fährmann: Sage, welchen Lohn begehrst Du? Willst Du das Fährgeld nach der Kopfzahl, oder ist/ ein Scheffel Würz (Salz) Dir lieber? Da besann sich der Ferge nicht lange, sondern sagte: Ein Scheffel Würz wäre mir absonderlich lieber, als die paar Pfennige für eure zwei kleinen Köpfe. – Sollst die Würze haben, da Du den Witz nicht hast – entgegnete das Wichtelmännlein, doch wärest Du besser gefahren, wenn Du nach der Kopfzahl den Fährlohn begehrt hättest. Siehe mir einmal über die Schulter! – Der Ferge that, wie das Männlein ihm gesagt, da sahe er ein wimmelnd Volk, das von der Fähre herab an das Ufer sprang, ganz unzählbar, und das Land gewann und erklimmte. Nun stiegen auch die beiden Männlein aus, und plötzlich verschwand alles vor den Blicken des Fährmanns, aber auf der Fähre stand ein gehäufter Scheffel weißen Salzes, und dieses selbige Salz offenbarte später die angenehme Eigenschaft, sich immer wieder im Scheffel zu ergänzen, und kein Ende zu nehmen, so viel dessen auch davon hinweggenommen wurde. Damals sind die Wichtlein aus der Gegend hinweggezogen, weil es ihnen nicht mehr gefiel unter den Menschen zu wohnen, weil das Glockengeläute, Hammerwerk und auch die Pferdezucht sich so sehr mehrten. In den Höhlen um Spichra, besonders aber in dem großen Erdfalle am Spatenberge, findet man noch fein geränderte, zarte, platte, zirkelrunde Steinchen, eins so groß wie das andere, die nennen die Leute Wichtelpfennige. Diese Sage wiederholt sich in und außer Deutschland an mehreren Orten; es ist ein gemeinsamer Zug der Wichtlein und Zwergensage überhaupt, und giebt viel zu denken 173 Seitenaufrufe Weitere Artikeln zu diesen Thema 06.05.2011 Die Alpen werden nicht umsonst als „Hochburg der Zwerge“ bezeichnet – Oder über das Stollensystem der Erde 24.07.2009 Die Abfahrt der Zwerge aus den Hüttemer Bergen - Die wußten schon warum! 24.07.2007 DIE KLEINEN LEUTE VON SWABEDOO 25.04.2007 Die Braupfanne auf dem Mühlberg bei Krossen 25.04.2007 Die König Laurin Saga und der "Rosengarten" 25.04.2007 Das das Leben der Zwerge und wo sie heute aufhalten. 25.04.2007 Die Zwerge im Schlosse zu Hoya 25.04.2007 Der Auszug der Zwerge 25.04.2007 Das Futtermännchen in Thiemendorf 06.08.2006 Die Bölersmännchen |
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