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H2 Report -Interview des Monats:[02.09.2002] Diesmal mit Rex Luzader, Vice President, Business Development for Transportation and Hydrogen-Fuel Infrastructure, Millennium Cell Inc.
H2 Report: Was macht Millennium Cell?
Luzader: Wir sind ein Entwicklungsunternehmen mit einer proprietären Technologie, die reinen Wasserstoff sicher speichern, generieren und zur Verfügung stellen kann. Herzstück unserer Technologie ist die H2-Speicherung in Form eines chemischen Hydrids. Die Kernelemente sind die Speicherung in Natriumborhydrid und ein neues Verfahren zur kostengünstigen Produktion von Natriumborhydrid, die einen breiten Einsatz von kleinen portablen Brennstoffzellen oder H2- Verbrennungsmotoren bis hin zu Anwendungen im Strassenverkehr ermöglicht. H2 Report: Was ist das Besondere bei Ihrer Technologie? Luzader: Die besondere Eigenschaft und ein wesentlicher Teil unseres geistigen Eigentums ist was wir unser "Hydrogen on Demand"(tm) Kraftstoffsystem nennen. Wir nehmen das Natriumborhydrid, mischen es mit Wasser und erhalten so einen nicht-entflammbaren Kraftstoff auf Wasserbasis. Der Kraftstoff wird durch unsere Katalysatorkammer geleitet. Das ermöglicht die Freisetzung des Wasserstoffs aus der chemischen Verbindung auf sehr schnelle und einfache Weise in einer kontrollierten Reaktion. Mit unserer Technologie kann der flüssige Kraftstoff unter Umgebungsbedingungen gespeichert werden. Unser Vorteil ist, dass wir die Flüssigkeit in normalen Tanks aus Plastik oder anderen Materialien, die mit der Mixtur kompatibel sind, speichern können. An Bord des Fahrzeugs geht durch das Speichersystem keinerlei Stau- oder Sitzraum verloren. Ein weitere Vorteil werden niedrigere Kosten sein. Im letzten Jahr haben wir eine Studie zur Bewertung der Technologie in Auftrag gegeben, und eine der Kernaussagen war, dass unser Kraftstoffsystem in einem Fahrzeug weniger kostet als jedes andere alternative Speichersystem, also gasförmig, verflüssigt oder mit Reformertechnologie. H2 Report: An welchen Projekten sind Sie derzeit beteiligt? Luzader: Eine Vielzahl von Projekten. Mein Verantwortungsbereich umfasst den Verkehrssektor. Da ist unser wichtigstes Demonstrationsvorhaben die Kraftstoffversorgung für den Natrium Minivan von DaimlerChrylser. Diese Zusammenarbeit haben wir im Mai 2000 begonnen und konnten unser Kraftstoffsystem erfolgreich unter Beweis stellen. Ein anderes Projekt ist die Kooperation mit Peugeot in Frankreich. Hierbei wird ein Elektro-Taxi von einer reinen Batterie-Versorgung zu einem Hybrid-Antrieb umgebaut, bei dem eine kleine Brennstoffzelle und unser Kraftstoffsystem einige der Batterien ersetzen und so die Reichweite des Fahrzeugs erhöhen. Hier in den USA arbeiten wir mit Seaworthy Systems an der Demonstration der Technologien im maritimen Einsatz. Kürzlich haben wir ausserdem bekanntgegeben, dass wir mit dem National Automotive Center in Michigan den Einsatz des Hydrogen on Demand-Systems für eine breite Palette von militärischen Anwendungen untersuchen. H2 Report: Ihre Technology kann also für portable, mobile und stationäre Anwendungen eingesetzt werden? Luzader: Wir teilen den Markt in zwei Segmente, den Verkehrssektor und die dezentrale Stromerzeugung. Aus unserer Sicht beinhaltet die dezentrale Erzeugung alle portablen oder stationären Standby-Einrichtungen an festen Standorten. Unser wichtigster Kooperationspartner in diesem Bereich ist Ballard. Ende 2000 haben wir eine Vereinbarung mit Ballard für die Entwicklung eines portablen Kraftstoffsystems unterzeichnet, das zu der 2kW Nexa-Brennstoffzelle passt. Das haben wir im letzten Jahr auf der Wasserstoff Expo gezeigt. Dies hat auch dazu geführt, dass wir mit einigen der grössten Ballard-Kunden zusammenarbeiten und Prototypen für diese Partner entwickeln. Wir stehen kurz davor, eine Ankündigung über ein kommerziell verfügbares portables Kraftstoffsystem für eine dieser Anwendungen machen zu können. Darüber hinaus haben wir gerade eine gemeinsame Entwicklungs- und Lizenzvereinbarung mit Aperion, einem Geschäftsbereich von ABB, bekanntgegeben. Aperion ist der Systemintegrator und wird unser Hydrogen-on-Demand-System vermarkten. Wir liefern unsere Katalysatorkammer, die ein integraler Bestandteil der Technologie sein wird. Damit kann Aperion jeden BZ-Hersteller ausstatten, der portable or Standby-Anwendungen entwickelt und eine H2-Quelle benötigt. H2 Report: Sicherheit ist eines der Hauptthemen bei der H2-Speicherung. Was kann schlimmstensfalls bei einem Verkehrsunfall mit Ihrem System im Fahrzeug passieren? Luzader: Aus unserer Sicht dreht es sich bei einer solchen Betrachtung ausschliesslich um das Auslaufen der Flüssigkeit. Wir reden hier über "hydrogen on demand", es ist also nur begrenzt gasförmiger Wasserstoff im freien Umlauf, nur soviel wie gerade durch den Katalysator geleitet wird. Ausgelaufene Flüssigkeit erfordert einige ganz einfache Massnahmen, sie kann auf zwei Arten behandelt werden. Die Flüssigkeit ist nicht-entflammbar, es besteht also keine Feuergefahr. Sie kann mit Wasser verdünnt werden um die Konzentration zu verringern. Oder sie kann mit Sand oder einem anderen Absorber aufgenommen und entsorgt werden. Es besteht keine Explosionsgefahr für den Tank. Eine der wichtigsten Aussagen hier ist die Tatsache, dass sich der Tank bei dem Natrium-Fahrzeug unmittelbar vor der hinteren Stosstange befindet, also in einer Crash-Zone. Das ist eine eher ungewöhnliche Position für einen Tank. Mit einem Benzin-Tank würde der Hersteller das nicht machen. H2 Report: Wo steht Deutschland Ihrer Meinung nach im internationalen Vergleich mit seinen H2- und BZ-Aktivitäten? Luzader: Meiner Meinung nach hat Deutschland sich als führend positioniert, vielleicht etwas mehr im Verkehrssektor. Wenn Sie DaimlerChrylser und BMW nehmen, diese beiden Unternehmen engagieren sich sehr bei der Entwicklung von BZ- Fahrzeugen bzw. Fahrzeugen mit H2-Verbrennungsmotor. Das sind zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen, aber beide sind hier seit langem aktiv. Zusätzlich gibt es all die anderen Bemühungen in Deutschland für den Aufbau der Infrastruktur, der Einführung von Wasserstoff und anderen Anwendungen und im Einsatz erneuerbarer Energien für die H2- Produktion. Ich sehe Deutschland hier als eine der weltweit führenden Nationen. H2 Report: Würden Sie das auch auf die Unterstützung der Regierung in Deutschland gegenüber den Vereinigten Staaten beziehen? Luzader: Es hat hier schon einiges an staatlicher Förderung gegeben, und ich glaube, die USA holen auf. Präsident Bush hat kürzlich die Reorganisation des Department of Energy und die Gründung des Hydrogen Office bekanntgegeben, sowie die Einrichtung des FreedomCAR-Programms. Deutschland ist in dieser Hinsicht sicherlich stark und führend, aber anhand der Aktivitäten unserer eigenen Regierung sehe ich ein entschiedenes Bedürfnis aufzuholen. H2 Report: Wenn Sie die gleiche Frage jemandem in Deutschland stellen, könnte es sein, dass die Antwort genau umgekehrt ausfällt, nämlich, dass die USA in dieser Hinsicht viel mehr tun. Luzader: Ich denke, dass das eine Frage der Wahrnehmung ist, und manchmal ist es auch schwer zu beurteilen. Finanzielle Förderung, wann und wie sie vorgenommen wird, ist nicht immer sichtbar. Es wird auch nicht unbedingt immer gut kommuniziert, dass eine Förderung statt gefunden hat. Aber ein Musterbeispiel für ein entschiedenes deutsches Vorgehen ist das CUTE-Projekt. H2 Report: Was ist Ihre Version der Wasserstoffwirtschaft? Luzader: Das ist bei mir mehr ein Fall von einigen Wünschen. Meine Vision wäre die von schnellen Schritten. Ich glaube zwar, dass sich schon einiges getan hat, aber wir müssen noch schnellere und bessere Schritte in Richtung der Vermarktung tun, der tatsächlichen Einführung von Brennstoffzellen und/oder Wasserstoffmotoren in den Markt. Wir brauchen breite Anwendung und Akzeptanz, damit die Leute erkennen, dass Wasserstoff eine wirtschaftliche, umweltfreundliche und sichere Alternative zu den weltweit benutzten kohlenwasserstoff-basierten Brennstoffen darstellt. Das muss von der Entwicklung einer Produktions- und Belieferungsinfrastruktur für den Kraftstoff H2 unterstützt werden, in welcher Form auch immer. Meine Vision wäre natürlich, dass dies auf der Basis von Natriumborhydrid sein wird, aber es ist wahrscheinlicher, dass wir mehrere Systeme haben. Der Schlüssel hierzu ist Kommerzialisierung und Einsatz, so dass wir verschiedene Formen von Herstellung und Verteilung unter Beweis stellen können. Meiner Meinung ist das CUTE-Programm, wenn auch noch in kleinerem Umfang, ein gutes Beispiel dafür, was auf wesentlich breiterer Ebene geschehen muss. Weil wir uns noch im Anfangsstadium befinden, muss die öffentliche Hand unterstützend eingreifen und dabei helfen, die Nachfrage zu schaffen. Solange der Anwender keine wettbewerbsfähigen Produkte vorfindet, haben wir eine Bruchstelle. Die öffentliche Hand kann eine sehr wichtige Rolle bei der Nachfrageentwicklung spielen. In meiner Vision befinden sich zum Ende dieses Jahrzehnts, also 2010, Millionen von Brennstoffzellen im Einsatz, und dabei spielt es keine Rolle, um welche Anwendungen es sich handelt. 80 Seitenaufrufe Weitere Artikeln zu diesen Thema 02.09.2002 H2 Report -Interview des Monats: 02.09.2002 H2 per Paket-Dienst 02.09.2002 H2-Speicherung in Schlamm 02.09.2002 Wasserstoff-Technologiezentrum für Mecklenburg-Vorpommern 01.08.2002 Dynetek testet 825bar-Speicher für Druckwasserstoff 01.08.2002 Neuseeland: Wasserstoff aus Kohle 24.01.2002 dualbetriebenes Wasserstoff(H)-Solar-Fahrzeug 05.01.2002 100.000 Kilometer mit 200.000 Passagieren: Dynetek Speicher erfolgreich 17.12.2001 Algen als Wasserstoff-Produzenten - Bonner Forscher isolieren Enzym 17.12.2001 Japanische Forscher gewinnen Wasserstoff nach dem Vorbild von Pflanzen |
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