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Das Wunder des Morgentau oder die letzte Ölung

[11.04.2007] Im Vorbild der Natur findet man am Beispiel des Samens, der im Herbst herunterfällt, die Bedeutung der Ölschicht. Die gemäßigte Herbstsonne zieht den Sauerstoff aus dem Korn, woraufhin dann hochwertige ätherische Öle ausfließen. Sie erstarren sofort und umgeben das Korn mit einer äußerst feinen und harten Ölschicht. Der Sauerstoff, der die Verwesung unterstützt, kann nicht eindringen und so ist das Korn vor Fäulnis geschützt.

Die besondere Anlage der Kornschüttböden und bestimmtes Umschaufeln mit Holzschaufeln steht in diesem Zusammenhang. Auf den Hochalmen gingen die alten Förster und Bauern durch das tagsüber verdunstete Tauwasser auf den Wiesen, wodurch sich die Schuhe mit einem glänzenden Fettfilm überzogen, der das Schuhwerk besser vor eindringendem Regenwasser schützt als alles andere. Sie nannten dies "die letzte Ölung", die man jedem Samenkorn angedeihen lassen muß, um es wasserundurchlässig und keimstark zu machen. Selbst auf sehr trockenen Böden konnte so sehr gutes Wachstum erzielt werden. Aus den alten naturreligiösen Traditionen stammt sodann auch der Brauch der letzten Ölung des Leichnams, der schließlich unter einer Wetter- oder Schirmtanne vergraben wurde. Dadurch war der Körper vor Regen geschützt, wodurch kein Luftsauerstoff zu ihm gelangen konnte. Nur unter Luft- und Lichtabschluß kann eine naturrichtige Verrottung stattfinden, die es ermöglicht, daß die im Fett gespeicherte Lebensenergie des toten Lebewesens langsam wieder in den Vegetationskreislauf zurückgeführt wird.

Viktor Schaubergers Wege zu einer naturrichtigen Landwirtschaft


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