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Ravanas gemeiner Trick


Ravana sah sich die vordersten Affen genau an. Sie schauten alle entschlossen in Richtung Lanka. Sie schwangen dicke Bäume und Felsbrocken, schrien und brüllten und warteten begierig auf den Beginn der Schlacht. Hinter ihnen erstreckte sich die riesige Armee und bedeckte jeden nur sichtbaren Teil der Insel. Ravana sah Rama und Lakshmana, die zusammen wie die Sonne und der Mond leuchteten. In ihrer Nähe stand Vibhishana mit dem Streitkolben in der Hand, umgeben von seinen vier Ministern.

Der Dämonenkönig war aufgebracht und entrüstet. Er sprach rau und zornig zu seinen beiden Spionen, die mit tief verbeugten Häuptern vor ihm standen: "Wie konntet ihr es wagen die feindlichen Streitkräfte in meiner Gegenwart zu rühmen? Keiner von euch besitzt irgendwelche Weisheit oder gesunden Menschenverstand. Ihr beide seid wirklich die Unwissendsten von allen. Es war nur Glück, dass ich fähig war, die Oberherrschaft über Lanka mit solch dummen Ministern wie euch aufrechtzuerhalten. Ich sollte euch beide auf der Stelle töten lassen. Auch der gedanke an all eure vergangenen Dienste mindert meinen Zorn kaum. Raus hier! Ich will eure Gesichter nie wieder sehen."

Ravana befahl, schnell ein paar andere Spione zu bringen. Er sagte ihnen, sie sollen sich unter Ramas Leute begeben und versuchen, ihren genauen Schlachtplan in Erfahrung zu bringen. Sie sollten alles über Rama herausfinden: wo er schlief, wann er aß, was seine Gewohnheiten waren. Mit diesem Wissen war Ravana zuversichtlich, seinen Feind zurückschlagen zu können.

Die Spione gehorchten Ravanas Befehl und eilten los, angeführt von einem Dämon namens Sardula. Als sie die Spitze des Suvala-Berges erreicht hatten, blickten sie auf die Affenarmee. Die Rakshasas waren außer sich vor Angst, als sie die riesigen Streitkräfte Ramas überflogen. Als sie sich in Richtung der Armee bewegten, wurden auch sie von Vibhishana entdeckt, der ständig vor Ravanas Abgesandten auf der Hut war. Die Affen verprügelten die Dämonen heftig und zerrten sie vor Rama, doch der mitleidige Prinz befahl auch sie freizulassen.

Die Spione kehrten hastig nach Lanka zurück. Keuchend und betäubt vor Schrecken stürzten sie vor Ravana. Der Dämonenkönig sagte zu Sardula: "Irgendetwas scheint mit dir nicht ganz in Ordnung zu sein, mein mächtiger Rakshasa. Ich hoffe du bist nicht in die Hände wütender Feinde gestürzt."

Sardula erwiderte mit schwacher Stimme: "Mein Herr, es ist einfach unmöglich in dieser Armee Spionage zu betreiben. Die Kämpfer sind von allen Seiten von Affen bewacht, die Bergen gleichen, und werden von dem unüberwindlichen Rama angeführt. Es besteht nicht einmal die Möglichkeit ihnen eine einzige Frage zu stellen. Kaum war ich in die Armee eingedrungen, da wurde ich schon festgenommen und vor Rama gebracht. Die Affen ließen mich vorbeimarschieren und zwangen mich, in ungewöhnlichen Gangarten vor und zurück zu gehen. Sie griffen mich mit ihren Knien, Fäusten, Handflächen und Zähnen an und warfen mich in einem erbärmlichen Zustand vor Rama."

Sardula beschrieb Ravana die gewaltige Brücke über das Meer und dass sie immer noch mit Affen und Bären gefüllt war, die nach Lanka strömten. Wie die anderen Spione zuvor, empfahl der Rakshasa Ravana, dass er Sita aushändigen solle. Doch der Dämonenkönig blieb entschlossen. Er würde Sita nicht einmal aufgeben, wenn er von allen Welten vereint bedroht werden würde.

Ravana entließ die Spione und ging an Sita denkend in seine Gemächer. Vielleicht gab es jetzt eine Möglichkeit sie für sich zu gewinnen. Es war einen Versuch wert, denn es war immerhin möglich, dass er sie an Rama verlieren würde. Dies konnte seine letzte Chance sein ihre Gunst zu gewinnen. Der Dämon beschloss Sita einen Streich zu spielen. Er ließ einen Rakshasa namens Vidyujiva, einen ausgezeichneten Magier, kommen und befahl ihm, einen Kopf und einen Bogen zu schaffen, die mit denen Ramas identisch waren.

Vidyujiva sagte: "So sei es", schuf im Handumdrehen den Kopf und den Bogen und zeigte sie Ravana. Der Dämonenkönig freute sich und überreichte dem Magier eine Kette aus Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Dann forderte Ravana Vidyujiva auf, ihn zum Ashoka-Hain zu begleiten, um Sita zu sehen.

Er traf Sita unter einem Baum liegend an. Sie seufzte wiederholt und wurde immer noch von zahlreichen Rakshasis bewacht. Mit Vidyujiva dicht hinter ihm ging er vor sie und begann zu sprechen: "Dein Ehemann, aufgrund dessen du mich gerügt hast, ist nun getötet worden. Meine gesegnete Dame, du bist jetzt entwurzelt und deine Eitelkeit ist zerschmettert. Welchen Nutzen bringt dir jetzt dein toter Gemahl? Werde heute noch mein. Ich werde dich besser beschützen als jeder andere. Lass mich dir erzählen wie Rama und seine Armee getötet wurden."

Ravana dachte sich eine ganze Geschichte aus, wie die Affenarmee von den Rakshasas vernichtet worden sei. Er erzählte Sita, dass sie während der Nacht getötet worden sei, als sie alle, von der Reise über das Meer erschöpft, noch schliefen. Alle der wichtigsten Affen, einschließlich Hanuman, seien jetzt tot. Ramas Kopf sei vom Befehlshaber der Rakshasas abgetrennt worden. Ravana veranlasste Vidyujiva ihr den gefälschten Kopf zu zeigen. Der Magier plazierte den Kopf vor Sita auf dem Boden. Er übergab den Bogen, den er geschaffen hatte, Ravana und verschwand dann unverzüglich vom Fleck.

Ravana warf den Bogen neben dem Kopf auf den Boden und sagte: "Sieh dir nun dieses menschliche Wesen an. Hier ist sein berühmter Bogen, den Prahasta hierher brachte, nachdem er deinen Ehemann während der Nacht erledigt hatte."

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