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Die Schlacht beginnt


Als die Nacht hereinbrach, spürten die Rakshasas, wie ihre Stärke und Begeisterung zunahm. Der Kampf hielt bis in die Nacht hinein an, obgleich die Kämpfer sich kaum noch gegenseitig erkennen konnten. Man hörte Stimmen rufen: "Bist du ein Affe oder ein Rakshasa?" Schreie von "Steh auf und kämpfe!" und "Weshalb fliehst du?" vermischten sich mit den Schreien verwundeter und sterbender Soldaten. Die Affen konnten die goldene Rüstung der Rakshasas im Mondlicht schimmern sehen, sprangen auf sie, zerrissen sie mit ihren scharfen Zähnen und hämmerten mit ihren Fäusten auf sie ein. Mächtige Affen zermürbten die Elefanten und Pferde, welche die Dämonen bestiegen hatten. Affenhelden hoben Rakshasas empor, zerdrückten sie in einer Umarmung und ließen sie dann leblos zu Boden fallen, wo sie von Schakalen verschlungen wurden.

Rama und Lakshmana standen beisammen wie zwei leuchtende Götter. Sie töteten zahlreiche Rakshasas mit schnellen Pfeilen, einschließlich derer, die unsichtbar durch die Luft zogen. Nicht einmal die größten Helden unter den Rakshasas konnten sich den beiden Prinzen nähern, als diese in der Mitte der Schlacht kämpften.

Ein schrecklicher Klang entstand, als die Rakshasas zahllose Kesselpauken und große hölzerne Trommeln schlugen und Tausende von Muschelhörnern und Trompeten bliesen. Dieser Klang, vermischt mit Schmerzgebrüll und dem Klirren der Waffen, erzeugte einen furchterregenden Lärm. Aufgrund der zahllosen Leichen war es kaum möglich über den Boden zu gehen. Affen und Rakshasas lagen auf dem Schlachtfeld; Lanzen und Pfeile steckten in ihren leblosen Körpern. Diese erste Kriegsnacht war wie die Nacht der universalen Vernichtung. Millionen von Kriegern wurden getötet. Geister und nächtliche Teufel streiften über das Schlachtfeld und ergötzten sich an diesem Schauplatz des Gemetzels und des Todes.

Die Rakshasas sammelten sich und stürzten geschlossen, angeführt von sechs ihrer mächtigsten in einer Linie reitenden Befehlshabern, auf Rama und Lakshmana los. Rama schoss Tausende von brennenden Pfeilen ab, die den Boden wie Leuchtkugeln erhellten. Beinahe gleichzeitig erlegte er die sechs besten Rakshasas mit sechs geradlinig fliegenden Pfeilen. Mit andern Goldfederpfeilen schnitt er Hunderte anderer Rakshasas, die in seine Nähe kamen, in Stücke. Lakshmana stand hinter ihm und wehrte die heimtückischen Dämonen, die Rama von hinten angreifen wollten, ab. Die Dämonen, die sich den Prinzen näherten, starben wie Motten, die in ein Feuer fliegen.

Angada hatte einen wilden Kampf mit Indrajit. Mit einem Felsblock, der wie eine Bergspitze aussah, zertrümmerte er den Streitwagen des Dämons. Indrajit stieg in die Luft auf und machte sich unsichtbar. Ermüdet vom Kampf zog er sich zurück.

Als die Halbgötter und Rishis sahen, dass Angada Indrajit an Stärke übertraf, rühmten sie ihn. Rama und Lakshmana priesen ebenfalls die Tapferkeit des Affenprinzen. Sie riefen aus: "Gut gemacht! Bravo!"

Als Indrajit hörte, dass man seinen Feind rühmte, wurde er schrecklich zornig. Der Dämon blieb unsichtbar und schoss scharfe, wie Blitze leuchtende Pfeile ab. Es schien als kämen sie von nirgendwo. Sie flitzten auf Rama und Lakshmana zu und durchbohrten sie überall. Der Rakshasa benutzte seine übernatürliche Kraft und schoss Pfeile ab, die wie giftige Schlangen waren. Sie fingen Rama und Lakshmana ein und legten sie in Fesseln. In einem engen Netz aus sich windenden Schlangen mit leuchtenden ätherischen Körpern stürzten die beiden Prinzen zu Boden.

Rama befahl sofort zehn Affen nach Indrajit zu suchen. Hanuman, Angada und acht andere Vanara-Generäle sprangen in die Luft und rasten umher. Sie wirbelten Bäume und Streitkolben, konnten jedoch den Dämon nicht ausmachen, der ununterbrochen seine schnellen, mit Bussardfedern gesäumten Pfeile auf sie abschoss. Ununterbrochen lachend und weiterhin unsichtbar schoss Indrajit Hunderte von Pfeilen in Ramas und Lakshmanas Körper. Kein Teil ihrer Körper blieb sichtbar. Blut floss in Strömen aus ihren Wunden und sie waren wie Bäume, aus denen im Frühling rote Blüten sprießen. Indrajit rief ihnen zu: "Selbst Indra, der Herrscher der Halbgötter, konnte mich nicht wahrnehmen, als ich unsichtbar kämpfte. Wie also solltet ihr zwei Menschen es können? Ich werde euch jetzt mit meinen scharfen Pfeilen in Yamarajas Reich schicken."

Der Dämon schoss weitere Pfeile auf die beiden gebundenen Brüder ab. Sie lagen auf dem Boden, ihre Bogen waren aus ihren Händen gefallen. Pfeile mit Axtspitzen, Rasierklingen und Spitzen, die wie die Zähne von Kälbern geformt waren, zischten vom Himmel auf sie zu. Als die Affen Rama und Lakshmana in Blut gebadet auf dem Schlachtfeld liegen sahen, kreischten sie vor Schmerz und Furcht. Sie umgaben die gefallenen Prinzen, vergossen Tränen und sorgten sich sehr.

Indrajit betrachtete seinen Feind als besiegt. Voll Freude verließ er das Schlachtfeld und ging nach Lanka, um seinem Vater die fröhliche Neuigkeit zu überbringen.

Die Affen waren hilflos. Sie schlugen sich auf die Brust und heulten gequält. Sie schauten in den Himmel, da sie weitere Angriffe des unsichtbaren Indrajits befürchteten und sahen daraufhin Vibhishana auf sie zukommen. Einige der Affen verwechselten den Rakshasa mit Indrajit und flüchteten hierhin und dorthin, doch Vibhishana beruhigte sie. Er blickte mit seiner übersinnlichen Sicht umher und erkannte, dass Indrajit gegangen war. Er sagte den Affen, sie sollen sich keine Sorgen machen und kniete an Ramas Seite nieder.

Vibhishana sprach mit von Schmerz durchtränkter Stimme zu Sugriva: "Diese beiden Brüder, die sich stets auf Tugendhaftigkeit verlassen, sind durch Indrajits Tücke niedergestreckt worden. Der verruchte Dämon kann ihnen nicht in einem fairen Kampf gegenübertreten. Deshalb macht er Gebrauch von feiger Hexerei."

Vibhishana sagte den Affen, dass Rama und Lakshmana von einer mystischen Waffe gefangen genommen worden waren, die Indrajit als Segnung von Brahma erhalten hatte. Selbst die Halbgötter würden nicht in der Lage sein, sie zu befreien. Dies schmerzte die Affen nur noch mehr. Sugriva klagte lauthals: "Ramas Hoffnungen sind heute zerschmettert worden. Unser Bemühen ist umsonst und alles ist verloren. Was sollen wir jetzt tun?"

Vibhishana ergriff Sugrivas Arm und beruhigte ihn: "Hab Mut, lieber Affenkönig. Auseinandersetzungen sind immer von dieser Art. Der Sieg ist niemals gewiss. Helden klagen nicht, wenn sie Rückschläge erleiden, sondern strengen sich um so mehr an. Ich habe das Gefühl, dass diese beiden Prinzen sich wieder erholen werden. Irgendwie werden sie diese Fesseln abschütteln, da bin ich mir sicher. Seid stark, denn die Angst vor dem Tod sollte niemals jene befallen, die der Wahrheit und der Frömmigkeit ergeben sind."

Vibhishana tunkte seine Hand in kühles Wasser und wischte über Sugrivas Augen. Er sagte ihm, er solle Rama und Lakshmana einmal genau anschauen. Sie atmeten immer noch und ihre Körper strahlten. Es war offensichtlich, dass sie sich nur in einer zeitweiligen Ohnmacht befanden. Vibhishana war sich sicher, dass sie bald zu Bewusstsein zurückkehren und einen Weg aus ihrer misslichen Lage herausfinden würden. Er ging mit Jambavana los, um den Rest der Armee zu beruhigen und zu vereinigen, da sich die Neuigkeit, dass Rama gefallen sei, schnell verbreitet hatte. Sugriva stand zusammen mit Hanuman und den anderen führenden Affen an Ramas Seite und wartete auf sein Erwachen.

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