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Der gigantische Dämon

[10.07.2007] Kapitel 8
Ravana kehrte äußerst verstört nach Lanka zurück. Er fühlte sich gedemütigt, von Rama überwältigt worden zu sein, wie ein Elefant, der von einem Löwen bezwungen wurde. Als er sich an die Kraft Ramas unaufhaltsamer Pfeile erinnerte, fragte er sich, was er als nächstes tun solle. Er rief seine Ratgeber zusammen, die sich daraufhin ins Ratszimmer begaben und Ravana umringten. Der Dämon schaute auf seinem Thron sitzend umher und sprach zu ihnen, immer noch erschüttert von seinem Kampf mit Rama.

"Es scheint, als erweise sich all meine Askese als nutzlos, denn ich bin von einem gewöhnlichen Sterblichen völlig überwältigt worden. Jetzt erinnere ich mich an Brahmas Segnung, die den Schutz vor Menschen ausgeschlossen hatte. Ich glaube, dieser Rama ist von König Anaranya geschickt worden, den ich vor langer Zeit getötet habe. Erneut kommt mir der Fluch von Vedavati in den Sinn. Diese Frau hat zweifellos als Sita Geburt genommen. Die Vorhersagen jener, die eine göttliche Sicht haben, treffen immer zu. Ihr mächtigen Rakshasas bemüht euch trotz allem, was passiert ist, mich zu beschützen. Doch nun steht eine große Gefahr vor unserer Tür."

Dann dachte Ravana an Kumbhakarna. Es war Zeit, ihn wachzurütteln. Wenn sein furchterregender Bruder aufmarschierte, würden die Affen gewiss in alle Richtungen flüchten. In der Schlacht konnte sein Körper eine gewaltige Größe annehmen. Mit jedem seiner Schritte konnte er eine ganze Division von Kriegern zermalmen. Er würde kurzen Prozess mit Ramas Armee machen. Aber wie konnte man ihn aufwecken? Brahmas Segen war eigentlich in Wahrheit ein Fluch. Er verweilte sechs Monate in tiefstem Schlaf, ohne dass man zu ihm durchdringen konnte. Es war erst zehn Tage her, als er sich das letzte Mal schlafen gelegt hatte.

Ravana erteilte den Rakshasas den Befehl, in Kumbhakarnas Gemach zu gehen. Sie sollten einen schrecklichen Lärm machen und versuchen ihn damit aufzuwecken. Die Rakshasas brachen sofort auf und erreichten schnell Kumbhakarnas Wohnort, der sich in einer unterirdischen Höhle befand. Die Rakshasas stießen die gewaltigen Tore auf und betraten die Höhle. Der Klang seines Schnarchens betäubte ihre Ohren und durch den Windstoß seines Atems wurden sie beinahe umgeweht. Dann sahen die Rakshasas den gewaltigen Körper Kumbhakarnas schlummernd in seiner riesigen Höhle liegen, die von zahllosen himmlischen Edelsteinen erleuchtet wurde. Sie stapelten große Fleischhügel und andere Nahrungsmittel an seiner Seite auf. Haufenweise Antilopen, Büffel und Eber wurden neben ihn gestellt, zusammen mit gewaltigen Kübeln voll Blut. Sie schmierten ihn mit himmlischen Düften ein und bestrichen ihn mit feinster Sandelholzpaste. Kostbarer Weihrauch wurde angezündet und eine große Anzahl von Yutadhanas begannen Kumbhakarna mit poetischen Wendungen zu rühmen. Andere Rakshasas grollten wie Wolken und bliesen mit voller Kraft in ihre großen Muschelhörner. Die Dämonen klatschen in die Hände, schlugen Trommeln und brüllten wie Löwen, wobei sie einen gewaltigen Aufruhr verursachten. Durch den Lärm, der aus der Höhle kam, flüchteten die Tiere außerhalb in alle Richtungen und Vögel fielen durch den Lärm betäubt von ihren Bäumen nieder.

Doch Kumbhakarna rührte sich nicht. Dann griffen die Rakshasas zu Streitkolben, Schlägern und Flachschwertern. Sie schlugen auf die Glieder des Giganten ein. Hunderte von Dämonen stiegen auf Kumbhakarnas Brust und hämmerten mit ihren Fäusten auf ihn ein, doch sie wurden jedesmal vom Wind seines Atems wieder abgeworfen. Zehntausend Rakshasas umgaben ihn, brüllten alle gleichzeitig und schlugen mit ihren harten Fäusten auf seinen Körper ein. Doch er wachte nicht auf.

Da die Rakshasas offenbar unfähig waren, Kumbhakarna wachzurütteln, wurden sie immer zorniger. Sie machten noch mehr Lärm, schlugen riesige Trommeln mit all ihrer Kraft und bliesen in ihre Muschelhörner, die vom Grund des Ozeans stammten. Einige von ihnen rissen ihm die Haare aus, während andere ihn in seine Ohren bissen. Man schüttete Hunderte von Wassereimern auf Kumbhakarnas Gesicht.

Als das nichts half, ließen die Rakshasas Tausende von Elefanten auf seinem monströsen Körper auf und ab rennen, während sie ihn zur gleichen Zeit mit voll ausgewachsenen Sal-Bäumen schlugen. Schließlich rührte er sich langsam. Kumbhakarna spürte einen leichte Berührung auf seinem Körper, öffnete seine Augen und streckte sich. Er warf die Rakshasas und Elefanten zu Boden und verstreute sie überall, als er sich aufsetzte und gähnte. Sein Mund sah aus wie eine weitere große Höhle und seine leuchtenden Augen wie zwei brennende Planeten.

Kumbhakarna streckte seine Hand aus und griff zu dem Essen, das um ihn herum lag. Er verzehrte es alles und stürzte die Eimer voll Blut und Wein hinunter. Als er satt war, kamen die anderen Dämonen und verneigten sich respektvoll vor ihm. Kumbhakarna schaute sie mit immer noch verschlafenen Augen an und fragte: "Weshalb bin ich aus meinem Schlummer wachgerüttelt worden? Ich hoffe mit Ravana und Lanka ist alles in Ordnung. Oder steht vielleicht eine große Gefahr bevor? Wenn dem so ist, dann werde ich sofort aufbrechen und die Ursache eurer Furcht ohne Zögern beseitigen. Sagt mir, Rakshasas, was ich tun soll?"

Einer von Ravanas Minister namens Yupaksha antwortete: "Eine ungeheure Gefahr bedrängt uns seit kurzer Zeit. Affen, so groß wie Berge, haben die Stadt belagert. Jeder von ihnen sieht aus wie der Affe, der Prinz Aksha getötet hat und Lanka in Brand gesetzt hat. An ihrer Spitze steht Rama, der wegen Sitas Entführung sehr bekümmert und verärgert ist. Selbst unser Herr Ravana wurde von ihm in einem Gefecht überwältigt und dann wieder freigelassen."


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Zugehörige Artikel:
 Blutbad unter den Rakshasas

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