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Sitas Feuerprobe

[10.07.2007] Kapitel 14
Nachdem die Halbgötter und Rishis die Vernichtung Ravanas miterlebt hatten, brachen sie in ihre verschiedenen himmlischen Reiche auf. Matali verneigte sich vor Rama und erhielt Erlaubnis mit seinem Streitwagen zu Indra zurückzukehren. Rama sah dem überirdischen Fahrzeug nach, als es sich hoch in die Luft erhob und verschwand. Sein Zorn auf die Rakshasas hatte sich völlig gelegt. Jetzt dachte er an Vibhishanas Einsetzung als neuer König von Lanka. Da die sich Stadt auf der Erde befand, fiel sie unter die Zuständigkeit der Herrscher der Erde, auch wenn sie von Rakshasas bewohnt wurde. Deshalb wollte Rama den frommen Vibhishana als rechtmäßigen Herrscher einsetzen, um schnell in der verwüsteten Stadt wieder Ordnung herzustellen.

Rama bat Lakshmana, die Zeremonie zu Vibhishanas Thronbesteigung auszuführen. Lakshmana ließ die Affen sofort Meerwasser in großen goldenen Gefäßen holen. Mit diesem Wasser weihte er Vibhishana rechtmäßig zum König, wobei er achtsam allen in den vedischen Schriften gegebenen Anweisungen folgte. Vibhishana setzte sich auf den Thron und strahlte einen königlichen Glanz aus. Die Rakshasas freuten sich zu sehen, dass Ravanas Bruder die Herrschaft Lankas übernahm und brachten ihm viele Geschenke und Gaben. Vibhishana brachte sie alle Rama dar, der sie aufgrund seiner Liebe zu dem Rakshasa dankend annahm.

Als die Zeremonie abgeschlossen war, bat Rama Hanuman schnell zu Sita zu gehen. Er sehnte sich danach, sie wieder zu sehen und sagte zu Hanuman: “Bitte benachrichtige die Prinzessin über die guten Neuigkeiten. Ich sehne mich danach, sie wieder zu sehen. Sag ihr, sie möge sich vorbereiten, so dass ich baldmöglichst mit ihr zusammentreffen kann.”

Hanuman brach sofort zu den Gärten auf. Als er durch Lanka schritt und an ihnen vorbeiging, ehrten ihn die Rakshasas und falteten ihre Hände. Schnell erreichte er den Ashoka-Hain und sah Sita immer noch am Fuß des Simshapa-Baumes liegen. Sie wusste nicht über Ramas Sieg Bescheid und machte einen traurigen Eindruck. Als sie Hanuman sah, stand sie jedoch schnell und voller Hoffnung auf. Der Affe musste bestimmt eine gute Nachricht überbringen. Die Prinzessin hörte erwartungsvoll zu, als Hanuman ihr alles erzählte, was geschehen war: “Göttliche Dame, dein Ehemann ist als Sieger aus der Schlacht hervorgegangen. Der Dämon Ravana ist nicht mehr und der tugendhafte Vibhishana ist jetzt Herrschenr von Lanka. Liebe Mutter, dein Leid hat ein Ende. Bitte mach dich bereit, deinen Herrn Rama zu treffen.”

Sie war überwältigt vor Freude. Sie konnte keine Antwort geben und stand einfach da, die Augen für einige Zeit wortlos auf Hanuman gerichtet, während Tränen aus ihren Augen flossen. Schließlich sagte sie mit erstickter Stimme: “Mein gütiger Affe, es kommt mir nichts in den Sinn, was ich dir als Gegenleistung für diese Nachricht geben könnte. Nicht Gold, Silber, Edelsteine oder selbst die Oberherrschaft über alle Welten kommen dem Wert dieser Botschaft gleich.”

Hanuman erwiderte, ihre freudevolle Antwort an sich sei wertvoller, als irgend ein Geschenk. Und nachdem er gesehen habe, wie Rama siegreich und glücklich aus der ganzen Sache hervorgegangen war, habe er keine weiteren Wünsche mehr.

Sita rühmte Hanuman wieder und wieder, während der Affe mit geneigtem Kopf und gefalteten Händen vor ihr stand. Als die Prinzessin ihre Rede beendet hatte, sagte er zu ihr: “Wenn du erlaubst, werde ich diese verruchten Rakshasis bestrafen, die dir das Leben so schwer gemacht haben. Ich würde ihnen gerne einige Schläge verpassen. Sie verdienen zweifellos den Tod für ihr gottloses Verhalten dir gegenüber, göttliche Dame.”

Sita dachte einen Augenblick nach. Sie sah die Rakshasis an, die in einiger Entfernung saßen und jetzt, da Ravana tot war, nicht länger an ihr interessiert waren. Sita wandte sich an Hanuman und antwortete: “Diese Rakshasis haben lediglich Ravanas Befehl ausgeführt. Man sollte ihnen keine Schuld geben. Außerdem war jedes Leid, das ich ertragen musste, zweifellos das Ergebnis meiner eigenen vergangenen Missetaten, denn das ist das universale Gesetz. Ja, es gibt einen alten Grundsatz, der stets als Regel für die Tugendhaften gilt: ‚Ein wahrhaftiger Mensch beachtet die Vergehen anderer gegen ihn nicht. Unter allen Umständen befolgt er immer das Prinzip, niemals Schlechtes mit Schlechtem zu vergelten, denn die Tugendhaften betrachten gutes Benehmen als ihr Schmuckstück.’” Sita sagte, man solle stets Mitleid mit Sündern zeigen, denn noch nie sei jemand ohne Sünde gefunden worden.

Auf diese Weise ermahnt verneigte sich Hanuman vor ihr und brachte keinen Einwand vor. Sita hatte gut gesprochen, genau in Übereinstimmung mit ihrem edlen Charakter. Nachdem der Affe einen Augenblick über ihre Worte nachgedacht hatte, sagte er: “Ich möchte jetzt zu Rama zurückkehren. Bitte erteile mir eine Nachricht für ihn.”

Sita antwortete, ihr einziger Wunsch sei es, ihn wieder zu sehen. Hanuman versicherte ihr, dass sie ihn sehr bald sehen würde. Er verbeugte sich erneut und begab sich zurück zu Vibhishanas Palast, wo Rama wartete.

Als Rama von Sitas Zustand hörte, bat er Vibhishana zu veranlassen, dass man ihr himmlische Kleider und Schmuck geben möge. “König der Rakshasas, bitte veranlasse, dass diese Prinzessin mit himmlischen Salben gebadet und in die feinste Seide gekleidet wird. Dann lass sie bitte hierher bringen. Mein Herz brennt mit dem Wunsch, sie wieder zu sehen.”

Vibhishana trat mit Ramas Anweisung persönlich zu Sita, doch Sita, die begierig darauf war, Rama zu sehen, sagte: “Ich möchte meinen Ehemann sofort sehen, ohne zu baden und mich umzuziehen.”

Sita hatte beinahe ein Jahr lang Qualen erlitten. Sie hatte nie aufgehört, an den Tag zu denken, an dem sie wieder mit Rama vereinigt sein würde. Jetzt war dieser Tag endlich gekommen. Wie konnte sie nur einen Augenblick länger warten?

Vibhishana erwiderte freundlich, es sei Ramas Wunsch, dass sie sich pflege und schmücke. Ramas Wunsch war Sitas Befehl, so willigte sie ein, woraufhin Vibhishana sofort für ihr Bad und ihre Kleidung sorgte. Innerhalb kurzer Zeit war die Prinzessin mit einem kostbaren Gewand und Juwelen, die den Gefährtinnen der Halbgötter würdig waren, geschmückt. Sie stieg auf eine goldene mit himmlischen Juwelen geschmückte Sänfte und wurde in Ramas Gegenwart getragen.

Massen von Rakshasas und Affen erfüllten die Straßen, alle begierig, einen flüchtigen Blick der Prinzessin zu erhaschen. Hinter dem Seidenschleier der Sänfte strahlte Sita wie die von einer Wolke verschleierte Sonne. Rakshasas in dunklen Mänteln und Turbanen, machten mit geschmückten Stäben den Weg für sie frei. Die Zuschauermassen, die wie der Ozean tobten, wichen zur Seite, als die Sänfte sich langsam entlang der Hauptstraße bewegte.

Vibhishana schritt voraus und unterrichtete Rama, dass seine Frau auf dem Weg sei. Als Rama hörte, dass sie sich auf einer Sänfte befand, sagte er zu Vibhishana: “Man möge die Prinzessin bitten, hinunterzusteigen und zu Fuß weiter zu gehen. Die Leute wollen sie sehen und das wird auch von den Schriften nicht verurteilt. Ein Haus, ein Schleier oder ein Kostüm sind nie der Schutz einer keuschen Frau. Allein ihr Charakter ist ihr Schutzschild.”

Lakshmana, Sugriva und Hanuman sahen Rama erstaunt an. Er schien unzufrieden mit Sita zu sein. Sein Gesichtsausdruck war streng und nachdenklich. Als Vibhishana Sita in Ramas Gegenwart geleitete, sah er sie an, ohne zu lächeln.

Sita war überglücklich, Rama wieder zu sehen und ihr Gesicht strahlte wie der Mond, doch sie kam in Verlegenheit, als sie den ernsten Gesichtsausdruck ihres Mannes sah. Ihre Glieder zitterten und sie stellte sich mit geneigtem Kopf und gefalteten Händen vor ihn.

Ramas Herz zeriss. Er wollte im Innersten Sita seine Liebe zeigen und sie sofort zurücknehmen, doch er hatte Angst vor öffentlicher Kritik. Als König wollte er den Leuten das höchste Beispiel geben. Sita war für beinahe ein Jahr im Haus eines anderen Mannes gewesen. Unter welchen Umständen auch immer, dies würde zweifellos von einigen der Leute kritisiert werden. Die Frage über ihre Keuschheit mag aufkommen. Dies würde niemals für die Frau eines Herrschers annehmbar sein.

Rama schaute Sita an, deren Gesicht in Tränen gebadet war und er sagte: “Gesegnete Frau, heute habe ich dich zurückerobert. Indem ich meine Feinde in der Schlacht besiegt habe, habe ich die Beleidigung, die mir durch deine Entführung widerfahren ist, gerächt. Auch du bist völlig gerächt, Prinzessin. Der gottlose Ravana ist nicht mehr.”

Rama unterbrach deine Rede, denn sein Herz sträubte sich vor dem, was er als nächstes sagen musste. Er riss sich zusammen und fuhr fort, sich an die zitternde Sita zu wenden: “Jetzt nachdem ich den Schandfleck, der über mein edles Haus kam, weggewischt habe und meine Wahrhaftigkeit und meinen Vorsatz wieder errichtet habe, gibt es keine weiteren Absichten in dieser Angelegenheit. Liebenswürdige Dame, ich habe diese Anstrengung nicht unternommen, aus dem Wunsch, dich als meine Frau zurückzunehmen. Du hast lange Zeit im Haus eines anderen verbracht. Wie kann ich dich da in mein Haus einladen? Dein guter Charakter ist fragwürdig geworden. Ravana umklammerte dich mit seinen Armen und schaute dich mit lüsternen Augen an. Deshalb hat meine Zuneigung zu dir ein Ende genommen. Bitte gehe wohin auch immer du magst. Vielleicht findest zu jetzt bei Lakshmana, Bharata, Shatrughna oder sogar Vibhishana Zuflucht. So wunderschön wie du bist, liebe Sita, wie hätte Ravana dich da in Ruhe lassen können?”

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