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Zurück nach Ayodhya
[10.07.2007] Kapitel 15 Am folgenden Morgen trat Vibhishana zu Rama und
teilte ihm mit, dass alles für sein Bad bereit sei. Der Rakshasa sagte:
“Heiße und kalte Bäder, sowie jede Art der Schönheitspflege, Salben und
Duftstoffe stehen bereit und wir haben himmlische Gewänder und
Girlanden zurecht gemacht. Ausgezeichnete Dienerinnen, die sich in den
Künsten des Schmückens gut auskennen, stehen zu deinen Diensten, lieber
Rama.” Rama erwiderte, er habe keinen Wunsch nach irgendwelchen
Freuden, solange er Bharata nicht gesehen habe. Er sagte zu Vibhishana:
“Dieser Prinz lebt zur Zeit in Entsagung. Er badet in kalten Flüssen
und isst nur im Wald gesammelte Wurzeln und Früchte. Wie kann ich da
irgendwelche Dinge zu meinem Genuss annehmen?”
Rama bat Vibhishana, ein Mittel ausfindig zu machen, durch das er
schnell nach Ayodhya zurückkehren könne. Vibhishana antwortete, der
himmlische Pushpaka-Streitwagen stehe zur Verfügung. “Diesen
Streitwagen, der sich durch Gedankenkraft bewegt, raubte Ravana einst
Kuvera. Er ist immer noch in Lanka und möchte dir Dienste erweisen,
lieber Rama.”
Vibhishana verneigte sich tief vor Rama und ersuchte ihn wiederholt,
eine Zeit lang in Lanka zu bleiben und seine Gastfreundschaft
anzunehmen, doch Rama war begierig aufzubrechen. Er dachte an seine
Mutter und an Bharata - wie sie sich danach sehnen müssen, ihn wieder
zu sehen! Seine Verbannung war nun zu Ende. Er hatte versprochen,
sofort zurückzukehren. Wenn er nicht zurückkehrte, würden sie
sicherlich von Kummer und Sorgen verzehrt werden. Bharata würde
vielleicht sogar sein Leben aufgeben. Rama sagte: “Du hast
mir bereits durch deine vorzüglichen Ratschläge in vollem Ausmaß Ehre
erwiesen. Du hast mir auf dem Schlachtfeld gut gedient und ich stehe
tief in deiner Schuld. Doch jetzt musst du mir erlauben zu gehen,
heldenhafter Rakshasa. Meine Aufgabe ist erledigt und ich muss schnell
nach Ayodhya zurückkehren.” Vibhishana pflichtete ihm bei. Er
rief sofort das Pushpaka an und es erschien am Himmel. Rama betrachtete
verwundert den leuchtenden goldenen Streitwagen, mit seinen
hochragenden mit Juwelen besetzten Wohnhäusern und zahllosen goldenen
Pergolen, die von Girlanden aus himmlischen Blumen umkränzt waren.
Nachdem Vibhishana Rama aufgefordert hatte an Bord des Streitwagens zu
gehen, sagte er: “Gibt es noch einen letzten Dienst, den ich dir
leisten kann, bevor du gehst?” Rama bat den Rakshasa, allen
Affen Reichtümer zu schenken. “Gib ihnen reichlich Gold und Juwelen mit
auf ihren Rückweg. Der König sollte stets seine Armee belohnen. Er
sollte sich gut um sie kümmern und ihnen alles gewähren, was sie sich
wünschen, denn sie müssen ihr Leben zu seinem Wohl aufopfern.”
Vibhishana traf sofort Vorkehrungen, dass freigebig Reichtümer an die
Affen verteilt wurden. Dann half er Rama und Sita den Streitwagen zu
besteigen. Rama dankte Vibhishana erneut für seinen Dienst, während der
Rakshasa traurig zusah, wie er sich zur Abfahrt bereit machte.
Als Rama gerade im Begriff war aufzubrechen, kam Sugriva zu ihm.
“Lieber Rama, bitte nimm uns, die Affen mit dir”, bat er. “Wir wünschen
uns alle zu sehen, wie du als Herrscher eingesetzt wirst. Danach werden
wir in unsere eigenen Ländereien aufbrechen.” Rama lächelte
und stimmte zu. Er forderte alle Affen auf, den himmlischen Streitwagen
zu besteigen, der wie eine goldene Stadt war. Er sah zu Vibhishana und
fügte hinzu: “Auch du solltest mich begleiten, Edelmütiger. Bitte
besteige diesen Streitwagen mit deiner ganzen Verwandtschaft und deinen
Freunden und komm mit nach Ayodhya.” Sobald alle an Bord
waren, erhob sich das Pushpaka in die Luft. Elegant flog es davon, mit
dem Abbild eines großen Schwanes an der Spitze, der den Streitwagen zu
ziehen schien. Während des Fluges wies Rama Sita auf die Aussicht unter
ihnen hin. Er zeigte ihr das Schlachtfeld und erzählte ihr, wie die
wichtigsten Rakshasas getötet worden waren. Während sie das Meer
überquerten, erklärte er, wie Hanuman nach Lanka gesprungen war.
Als der Wagenlenker Kishkindha erreichte, ließ Rama den Streitwagen
anhalten und sagte zu Sugriva: “Geht schnell nach unten und holt eure
Frauen und Verwandten, lieber Affe. Auch sie sollen nach Ayodhya
gebracht werden.” Als alle Affen wieder zurück an Bord waren,
flog der Streitwagen weiter. Bald überquerten sie den Wald, in dem Rama
seine Verbannung verbracht hatte. Als sie Bharadvajas Einsiedelei
erreichten, wollte Rama den Rishi treffen. Er hielt den Streitwagen an,
stieg hinab, sah den Weisen und verneigte sich tief vor ihm. Bharadvaja
gab seine Segnungen und unterrichtete Rama, dass Bharata begierig sei
ihn zu sehen. Der Weise wusste von seinen Schülern über alles in
Ayodhya Bescheid, da sie die Stadt regelmäßig besuchten. Er erzählte
Rama, dass alle jeden Moment seine Rückkehr erwarteten. Rama
erwiderte: “Bitte wende deine Kräfte an und lass alle Ayodhya
umgebenden Bäume sich mit Früchten füllen. All jene, die in die Stadt
reisen, um bei meiner Krönung zugegen zu sein, sollten reichlich zu
Essen haben.” Sofort versank Bharadvaja in Meditation und
durch seine mystische Kraft wurden alle Bäume im Umkreis von zwanzig
Kilometer von Ayodhya schwer mit Früchten beladen. Der Weise sprach zu
Rama: “Du solltest dich Morgen nach Ayodhya begeben, nachdem du einen
Boten vorausgeschickt hast.” Rama stimmte zu und wandte sich
an Hanuman. Er bat den Affen, zur Stadt vorauszugehen und Bharata zu
unterrichten, dass Rama bald kommen würde. Auf dem Weg solle der Affe
in Sringavera anhalten und Guha die Neuigkeiten mitteilen.
Dann sagte Rama zu Hanuman: “Beobachte genau Bharatas Gesichtsausdruck,
wenn du ihm sagst, dass ich zurückkehre. Ich möchte gerne wissen, wie
seine Reaktion ist. Ein Königreich, das reich an Ländereien und
Reichtümern ist, kann den Verstand eines jeden fesseln. Wenn er eine
Anhänglichkeit an das Königreich entwickelt hat, dann werde ich ihn
weiterhin als Herrscher regieren lassen.” Hanuman brach
sofort auf. Er sprang schnell durch das Waldland, erreichte bald Guhas
Reich und erzählte ihm die guten Neuigkeiten. Der König von Nishadha
war überglücklich und machte sich sofort daran, alles für die Reise
nach Ayodhya vorzubereiten. Ohne Verzögerung setzte Hanuman
seinen Weg nach Ayodhya fort, wo er früh am darauf folgenden Morgen
antraf. Zwei Kilometer vor der Stadt fand er Bharatas Wohnhaus. Dort
sah er den in ein schwarzes Rehfell gekleideten Prinzen, vom Fasten
ausgezehrt und mit verfilztem Haar. Er saß neben seiner Holzhütte und
leuchtete vor asketischem Glanz. Seine Minister und Priester, die in
ähnliche asketische Gewänder gekleidet waren, umringten ihn.

Zugehörige Artikel:• Epilog
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