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Panik in Lanka


Prahasta erhob sich sofort und erteilte seinen wichtigsten Rakshasas Befehle. Nach kurzer Zeit kehrte er zu Ravana zurück und sagte: "Ist erledigt."

Dann richtete sich Ravana an die gesamte Versammlungshalle: "Alle von euch kennen ihre Pflicht. Was ich durch euch ausgeführt habe, hat sich noch nie als vergebens herausgestellt. Ich möchte ewig das königliche Glück genießen und mit Gerechtigkeit und Nachsicht über Lanka regieren. Wir werden nun jedoch aufgrund von Sita, die ich entführt habe, von Rama und seiner Armee bedroht. Ich kann mich nicht von dieser bezaubernden Dame trennen, da ich vom Pfeil des Liebesgottes getroffen wurde. Obwohl sie meinem Vorschlag noch nicht zugestimmt hat, hat sie mir versprochen, nach einem Jahr mein zu sein. Deshalb muss ich unter allen Umständen Ramas Angriff abschlagen. Liebe Rakshasas, sagt mir, ob ihr dem zustimmen könnt oder nicht."

Ravana log, was Sita anbetraf. Sie hatte niemals angedeutet, dass sie ihn irgendwann annehmen würde. Er suchte Zustimmung und schaute mit seinen zehn Köpfen durch die Versammlung. Außer vielleicht von Vibhishana erwartete er keine Einwände. Doch plötzlich stand sein mächtiger Bruder Kumbhakarna zornig auf.

"O Rakshasa, jetzt sucht du unseren Rat, doch wen hast du um Rat gefragt, als du Sita von Rama entführt hast?", wetterte er. "Zu handeln ohne angemessen über die Rechtschaffenheit einer Handlung nachzudenken und ohne sich auf richtigen Rat zu stützen, führt lediglich zu Kummer. Aus einer Laune heraus hast du Sita Rama geraubt und jetzt stehst du den ernsthaften Folgen gegenüber. Glücklicherweise hast du mich jedoch zum Gönner. Ich werde deine törichte Verhaltensweise wieder gutmachen, indem ich auf dem Schlachtfeld gegen Rama und Lakshmana antrete. Gib deine Angst auf und habe Mut. Die beiden menschlichen Brüder werden nicht lebend zurückkehren, wenn sie mir erst einmal gegenübertreten."

Kumbhakarna war so mächtig wie Ravana, doch durch eine List der Halbgötter hatte er einst von Brahma die Segnung erhalten, dass er sechs Monate am Stück würde schlafen können. Daraufhin sagte Brahma, er würde alle sechs Monate nur für einen Tag wach sein. Der Tag der Versammlung war zufällig gerade sein wacher Tag. Am nächsten Tag würde er erneut in einen tiefen Schlaf versinken. Er war seinem Bruder dennoch ergeben und war bereit, alles ihm mögliche zu tun, um seinem Bruder zu helfen. Kumbhkarna war weise und wusste, dass Rama ein ernst zu nehmender Gegner war. Er wollte gegen ihn kämpfen und entweder einen glorreichen Sieg erringen oder, was wahrscheinlicher sei, auf ruhmreiche Weise durch Ramas Hand sterben. Doch müsste man ihn zuerst einmal aufwecken.

Obwohl ihn die Ermahnung seines Bruders schmerzte, dankte Ravana Kumbhakarna für seine Unterstützung. Dann erhob sich Mahaparsva, ein Anführer einiger Truppen Ravanas, und stellte ihm eine Frage: "Mein Herr, da du die wunderschöne Sita schon erlangt hast, weshalb nimmst du sie dir denn nicht einfach mit Gewalt? Wer kann dich davon abhalten oder irgendetwas dagegen tun?"

Ravana erzählte ihnen daraufhin den lang vergangenen Vorfall mit Rambha. "Dies ist ein Geheimnis, über das ich niemals gesprochen habe", sagte er. "Der Fluch Nalakuveras wurde durch die persönlichen Worte Brahmas bekräftigt. Der mächtige Schöpfer, auf dem meine eigene Stärke beruht, sagte, dass wenn ich jemals wieder eine Frau vergewaltigen würde, mein Leben sofort zu Ende sei."

Ravana schaute durch die Versammlung. Die Rakshasas waren ihm ergeben und bereit, in seinem Namen mit jedem Feind zu kämpfen. Sie saßen dort und warteten auf seinen Befehl. Der Dämonenkönig prahlte mit seiner Macht: "Rama hat mich zweifellos noch nicht in der Schlacht erlebt, tobend wie der gewaltige Ozean und schnell wie der Wind. Ansonsten wäre er nicht so unklug, in Lanka einzumarschieren. Er hat noch nie Pfeile gesehen, die wie lodernde Schlangen mit gegabelten Zungen zu Millionen von meinem Bogen abgeschossen werden. Rama möchte dem zornigen Tod persönlich auf dem Schlachtfeld gegenübertreten. Ich werde Rama im Nu vernichten. Ich werde seine Armee zerstreuen, wie die Sonne den Morgennebel."

Ravana wetterte noch einige Zeit weiter. Als er schließlich still wurde, erhob sich Vibhishana, um zu sprechen. Er wusste, dass es mehr oder weniger hoffnungslos war - Ravana drängte bereits zur Schlacht - doch er musste einen letzten Versuch unternehmen, um seinen Bruder zur Vernunft zu bringen. Alle hörten seinen Worten zu, als seine Stimme in der Stille der Versammlungshalle widerhallte: "Wer hat dir die gewaltige und äußerst giftige Schlange namens Sita um den Hals gelegt? Die scharfen Giftzähne dieser Schlange ist das süße Lächeln dieser Dame. Ihre Brust ist die Windung, ihre fünf Finger die fünf Köpfe und ihre Gedanken an Rama das tödliche Gift. O Ravana, vernichte nicht deine eigene Rasse. Bevor wir Affen, so groß wie Berge, auf Lanka zuspringen und Pfeile wie Donnerkeile auf die Köpfe unserer Krieger nieder regnen sehen, musst du Sita Rama zurückgeben."

Vibhishana versuchte ausführlich Ravana von seiner Torheit zu überzeugen. Obwohl er von zahlreichen Rakshasas scharf getadelt wurde, beharrte er auf seiner Ansicht, dass die einzige Möglichkeit Lanka zu retten darin bestand, Sita zurückzugeben. Er machte klar, dass es als Berater seine Pflicht war, Ratschläge zu erteilen, die dem Interesse seines Meisters dienten. Er würde diese Pflicht weder aus Schwäche oder Angst vernachlässigen, noch aus der allgemeinen Erwartung heraus, etwas Erfreuliches zu sagen. Selbst wenn ein Rat unangenehm war, sollte ein Berater, der seiner Pflicht richtig nachkam, diesen dennoch erteilen. Und ein weiser Anführer sei derjenige, der fähig sei sowohl angenehmen, als auch unangenehmen Rat zu vernehmen und über beides ausgewogen nachzudenken.

Indrajit erzürnte und wurde ungeduldig als er Vibhishana sprechen hörte. Er entgegnete: "Wie kannst du dich selbst einen Rakshasa nennen, schwacher Onkel? Dir mangelt es an Mut, Männlichkeit, Kühnheit, Heldentum und Elan. Diese beiden Menschen können von jedem Rakshasa getötet werden, selbst den unbedeutendsten unter uns. Weshalb zitterst du also vor Angst?"

Indrajit prahlte über seine eigene Stärke. Er hatte Scharen von Halbgöttern bezwungen, die von Indra auf seinem himmlischen Elefanten Airavata angeführt wurden. Er erklärte feierlich, er werde Rama und Lakshmana persönlich töten. Vibhishana wies ihn mit scharfen Worten zurecht: "Du bist fast noch ein Knabe und deine Intelligenz ist noch nicht ausgereift. Du verstehst nicht, was richtig und falsch ist, liebes Kind. Obwohl dein Vater dich als seinen Sohn bezeichnet, bist du eigentlich sein Feind. Du hast üble Absichten und verdienst den Tod, denn dein Rat wird lediglich zum Tod all jener führen, die dir zuhören. Du bist unkritisch, schwer von Begriff, gottlos und unwissend. Du kennst Ramas Macht nicht. Keiner unter den Halbgöttern, Daityas, Danavas oder Rakshasas kann den glühenden Pfeilen, die Rama im Gefecht abschießt, standhalten."

Ravana hatte genug gehört. Er würde Vibhishanas Rat nicht annehmen. Alles was er wollte, war sich auf den bevorstehenden Kampf vorzubereiten. Er sprach aufbrausend: "Es ist besser mit einer giftigen Schlange zusammenzuleben, als mit jemandem, der vorgibt ein Freund zu sein und in Wahrheit mit dem Feind unter einer Decke steckt. Es ist eine Tatsache, dass Blutsverwandte für gewöhnlich ihren Anführer verachten, selbst wenn er all seine Pflichten erfüllt. Die größte Gefahr liegt bei den eigenen Verwandten, du Schande unserer Rasse, denn sie können sich jederzeit gegen einen richten. Obwohl du mein Bruder bist, verdienst du meine Zuneigung nicht. Jemand der unwürdigen Personen zugeneigt ist, erhält in der Tat nur Kummer."

Ravana machte seinem Zorn Platz und schmähte Vibhishana auf verschiede Weise. Er sagte ihm, dass er ihn für seine Worte zweifellos getötet hätte, wenn er nicht sein Bruder wäre.

Vibhishana verstand, dass er nichts tun konnte, um dem stolzen Dämonenkönig zu helfen. Zusammen mit seinen vier Ministern, seinen Begleitern und Freunden, erhob er sich in die Luft. Aus der Luft sprach er mit dem Streitkolben in der Hand zu Ravana: "O König, du hast harte Worte an mich gerichtet und bist irregeführt. Du kannst sagen, was du willst, doch deine Intelligenz ist dir abhanden gekommen. Jene, die erfreuliche Worte sprechen, sind einfach zu finden, lieber Ravana, doch jemand, der die unangenehme Wahrheit spricht, ist selten. Jemand, der im Banne des Todes ist, beachtet die weisen Worte eines Gönners nicht. Ich habe mein Bestes versucht und wollte dich vor der sicheren Vernichtung retten. Jetzt kannst du dich meiner Abwesenheit erfreuen. Ich kann deine beleidigenden Worte nicht länger ertragen, obwohl du eine Respektsperson für mich bist. Leb wohl! Ich werde jetzt aufbrechen."

Vibhishana flog in Begleitung seiner vier Freunde aus der Versammlungshalle. Ravana unternahm keinen Versuch ihn aufzuhalten und war froh zu sehen, dass er ging. Jetzt gab es niemanden mehr, der sich seinen Wünschen widersetzen würde. Er erteilte Befehle zur Vorbereitung der Schlacht.

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