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Rama erreicht den Ozean


Sugriva sandte die Nachricht, dass Ravana nicht entkommen würde, selbst wenn er im entferntesten Teil des Universums Zuflucht suchen würde. Er würde zweifellos zusammen mit seiner gesamten Dämonenstreitmacht getötet werden. Der Rakshasa war Rama und seiner Armee nicht gewachsen. Es mangelte Ravana offensichtlich an Tapferkeit, denn er entführte Sita, als Rama abwesend war. Jetzt stand er einem schrecklichen Unheil in Form von Sugriva und seiner Armee gegenüber.

Nachdem Suka aufgebrochen war, setzte sich Rama wieder ans Meeresufer und konzentierte sich. Er meditierte über Samudra, den Halbgott des Meeres und wartete geduldig auf dessen Erscheinen. Drei Tage und Nächte vergingen und Rama saß bewegungslos am Strand, doch die Gottheit des Ozeans kam immer noch nicht. Rama erzürnte und sprach zu Lakshmana: "Sieh nur die Eitelkeit dieses Halbgottes. Obwohl ich hier sitze und demütig seine Audienz ersuche, erscheint er nicht. Ach je, Nachsicht, Güte und eine höfliche Ausdrucksweise werden von den Gottlosen als Schwäche aufgefasst. Die Welt erweist nur jenen Respekt, die strenge Bestrafungen zumessen, die arrogant und rau sind. O Lakshmana, weder Ruhm noch Sieg oder selbst Beliebtheit können durch eine schlichtende Art erreicht werden. Deshalb werde ich mich mit meinem Bogen und glühenden Pfeilen aufstellen. Ich werde noch am heutigen Tag den Ozean austrocknen. Die Affen können zu Fuß nach Lanka gehen. Sieh nun meine Kühnheit!"

Rama war zornig auf Samudra. Er fühlte sich beleidigt, stand entschlossen am Strand und spannte mit großer Gewalt seinen Bogen. Seine Augen waren rot und er loderte wie das Feuer der universalen Vernichtung. Er schoss unverzüglich Hunderte schneller Pfeile aufs Meer ab. Der Ozean grollte und erhob sich in gewaltigen Wogen. Dampfwolken bedeckten seine Oberfläche, als die brennenden Pfeile ins Wasser eintraten. Lange, sich windende Meerschlangen und große dunkle Wale wurden umher geschleudert. Wellen, groß wie der Mandara-Berg, erhoben sich, eine nach der anderen. Selbst weit unterhalb des Ozeans schrien die Danavas und Nagas und leiderfüllt auf, da ihre Ruhe gestört wurde.

Lakshmana eilte zu Rama und hielt seinen Bogen zurück: "Es besteht keine Notwendigkeit zu dieser Zurschaustellung, lieber Bruder!", rief er aus. "Männer von deinem Format werden niemals vom Zorn überwältigt. Dein Ziel wird zweifellos auch ohne solche Gewalt erreicht werden."

Am Himmel riefen unsichtbare Rishis: "Rama, halt inne! Sei friedlich!" Doch Ramas Zorn mäßigte sich nicht. Er legte einen großen goldenen Pfeil auf seinen Bogen und versuchte die Mantras zur Entfachung der Brahmastra in seinen Geist zu rufen. Leidenschaftlich spannte er seinen Bogen und fixierte zornig das tobende Meer. Plötzlich hüllte sich der Himmel in Dunkelheit und heftige Winde fingen zu blasen an. Man sah große Blitzstrahlen und die Erde bebte. Der Ozean wallte zehn Meilen zurück und brandete in enorme Höhe. Rama stand bewegungslos da und hielt seinen Bogen fest auf das Wasser gerichtet.

Dann erschien plötzlich - für alle sichtbar - Samudra. Er erhob sich über dem Ozean wie die strahlende Sonne bei Sonnenaufgang. Er erschien wie ein glänzender schwarzen Edelstein und war mit funkelnden Goldornamenten geschmückt. Er war in rote Gewänder gekleidet, trug eine rote Blumengirlande und hatte Augen wie große Lotosblumen. Ein Kranz aus himmlischen Blüten ruhte auf seinem Kopf. Auf seiner Brust befand sich ein hervorstehendes Juwel, das überall einen hellen Glanz verbreitete. Umgeben von vielen Flussgöttinnen trat er vor Rama und plazierte einen großen Haufen leuchtender Edelsteine aus den tiefen des Ozeans vor ihm. Er sprach mit klangvoller Stimme: "Jedes Element hat seinen natürlichen Zustand, lieber Rama. Meine Natur ist die Unergründlichkeit und die Tiefe. Ich wollte nicht von meiner wesensgemäßen Stellung abweichen, weder aus Zuneigung noch aus Angst. Trotzdem werde ich dir sagen, auf welche Weise ich von deiner Armee überquert werden kann. Der Affe namens Nala ist ein Sohn Vishvakarmas, des himmlischen Baumeisters. Er soll eine Brücke über mich bauen, die ich tragen werde."

Samudra versicherte Rama, dass ihn furchtlos überqueren könne. Die Gottheit würde sicherstellen, dass die wilden Geschöpfe, die in den Tiefen des Meeres lebten, nicht angreifen würden. Rama stand immer noch mit zum Abschuss bereitem Bogen dort. Er war jetzt jedoch durch den Halbgott des Meeres erfreut worden und sagte: "Dieser unfehlbare Pfeil muss abgeschossen werden. Sag mir, Aufenthaltsort Varunas, wohin ich diesen Pfeil schicken soll?"

Samudra bat Rama den Pfeil in einen nördlichen Teil seiner Gewässer zu schießen. Dort wohnten zahlreiche sündhafte Dämonen und Samudra hatte es nicht gern, dass seine Gewässer durch deren Berührung verunreinigt wurden. Rama stimmte zu und schoss seinen glühenden Pfeil nach Norden, wo er einen ganzen Teil des Ozeans austrocknete. Dann entschwand Samudra ihrer Sicht.

Nala fühlte sich durch die ihm bevorstehende Aufgabe mit neuem Leben erfüllt. Er teilte Rama mit, ihm sei von Vishvakarma, dem Baumeister der Halbgötter, die Segnung gewährt worden, dass Nalas Fähigkeiten seinen eigenen gleichkommen würden. Nala war zuversichtlich, dass er die Brücke bauen könne. Er wies die Affen an, die nötigen Materialien zu holen. Die Affen sprangen vor Freude umher und machten sich voller Tatendrang an die Arbeit.

Bald waren Tausende von Bäumen und Haufen wuchtiger Felsbrocken am Strand aufgestapelt. Nala ließ sie ins Meer schmeißen, wobei das Wasser in großen Mengen spritzte. Nala nahm lange Kletterpflanzen als Maßband her, maß damit die Strecke ab und baute allmählich seine Brücke über das Meer. Der Ozean ließ es zu, dass selbst große Felsbrocken auf seinem Wasser schwammen. Die Affen banden Baumstämme, Felsen und Schilfrohre zusammen, um die Brücke nach Lanka fertig zu stellen. Am ersten Tag legten sie über hundert Meilen zurück. Am zweiten Tag wurden sie sogar noch enthusiastischer und bauten hundertfünfzig Meilen und am dritten Tag beinahe zweihundert Meilen. Auf diese Weise wurde die Brücke in nur fünf Tagen fertiggestellt und reichte direkt über den Ozean bis an die Ufer Lankas. Am südlichen Ufer Lankas standen Vibhishana und seine Minister mit den Streitkolben in der Hand und waren bereit jeglichen Rakshasa zurückzuschlagen, der versuchte die Brücke anzugreifen.

Die Halbgötter und Gandharvas zusammen mit den überirdischen Rishis waren erstaunt, als sie auf die Brücke hinunter sahen. Sie war achtzig Meilen breit und achthundert Meilen lang. Die Affen und Bären strömten vor Freude schreiend und brüllend auf die Brücke. Wie eine große Flutwelle fegten sie auf Lanka zu. In vorderster Linie waren Rama und Lakshmana auf dem Rücken von Hanuman und Angada. Bald erreichten sie Lanka und wiesen die Armee an, das Lager am Ufer aufzuschlagen.

Rama setzte sich mit Lakshmana und Sugriva nieder. Er sagte dem Affenkönig, er solle seine Truppen jederzeit zur Schlacht bereit halten. Er sprach von schlimmen Vorzeichen, die er gesehen hatte: "Staubige Winde wehen, die Erde bebt und Bäume stürzen um. Dunkle Wolken donnern und geben Bluttropfen von sich. Auf allen Seiten befinden sich wilde Raubtiere, die sich zur Sonne richten und grelle Schreie von sich geben."

Rama beschrieb viele Omen und sagte, dass sie die Vernichtung beider Armeen vorhersagten. "Bedeutende Helden unter den Vanaras, Bären und Rakshasas werden bald getötet werden", sagte Rama in ernstem Ton.

Sugriva ließ die Armee in Schlachtformation aufstellen. Sie verteilten sich und umstellten die Rakshasa-Stadt von der Ost- bis zur Westseite. Als sie sich Lanka näherten, hörten sie einen betäubenden Lärm von Kriegstrommeln, der vom Inneren der Stadt ausging. Die Affen freuten sich, diesen haarsträubenden Klang zu hören und mit ihrem lauten Gebrüll übertönten sie die Trommeln. Als die Dämonen das furchterregende Brüllen hörten, hielten sie ihre Waffen noch fester in den Händen.

Rama blickte auf Lanka und fühlte einen Trennungsschmerz von Sita. Hier war sie nun endlich. Der schändliche Ravana war ebenfalls in dieser Stadt und quälte die gepeinigte Prinzessin. Rama war begierig, dem Dämon gegenüberzutreten. Er sprach zu Lakshmana: "Hier ist die prächtige Stadt Lanka, die vor langer Zeit von Vishvakarma erbaut worden ist. Sie sieht aus wie der mit weißen Wolken gefüllte Himmel."

Rama ließ die Armee in der Formation eines Menschen aufmarschieren, dessen Arme um die Stadt reichten. Die mächtigsten Affen wurden an den verschiedenen Schlüsselpositionen aufgestellt. Rama stand zusammen mit seinem Bruder an der Spitze der Formation. Die Affen hoben riesige Bäume und Felsbrocken auf und sagten zueinander: "Lasst uns die Stadt zerschmettern!"

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