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Rama erreicht den Ozean


Sugriva teilte Vibhishana Ramas Botschaft mit. Der Rakshasa war beruhigt und landete zusammen mit seinen ergebenen Gefolgsmännern auf dem Boden. Er trat vor Rama, legte sich flach auf den Boden und berührte Ramas Füße mit seinen mit Juwelen verzierten Händen. Dann kniete er sich vor Rama nieder und wandte sich respektvoll an ihn: "Ich bin Vibhishana, der jüngere Halbbruder Ravanas. Da er mich beleidigt hat, bin ich hierher gekommen und habe meine Familie, meine Freunde und mein Heim aufgegeben. Lieber Rama, du bist die einzige Zuflucht aller Lebewesen. Jetzt hängt mein Leben gänzlich von dir ab."

Rama sah Vibhishana voller Zuneigung an. Er richtete wohltuende Worte an den Rakshasa und hieß ihn willkommen. Dann befragte Rama ihn über Ravanas Stärken und Schwächen: "Bitte erzähl mir wahrheitsgemäß alles, was du über Ravana und Lanka weißt."

Vibhishana erzählte Rama über die Segnung, die Ravana erhalten hatte. Er beschrieb die Macht Ravanas mächtigster Krieger - Kumbhakarna, Indrajit, Prahasta, Mahodara und anderen. Alle von ihnen waren in der Lage, selbst den mächtigsten Kämpfer unter den Halbgöttern gegenüberzutreten. Ravana hatte in ihrer Begleitung gegen die vier Wächter des Universums gekämpft, die er alle vernichtend schlug.

Rama erwiderte Vibhishana: "Ich habe in der Tat von all den Heldentaten Ravanas gehört, die du wahrheitsgemäß beschrieben hast. Hör mir jetzt zu! Sobald ich den zehnköpfigen Ravana zusammen mit seinen Landsleuten in der Schlacht getötet habe, werde ich dich zum König von Lanka krönen. Darüber braucht es nicht den geringsten Zweifel zu geben. Ich schwöre bei meinen drei Brüdern, dass ich nicht nach Ayodhya zurückkehren werden, ohne Ravana mit seinen Söhnen, Blutsverwandten und seinem Volk getötet zu haben."

Vibhishana verbeugte sich erneut vor Rama und versprach, ihm jegliche Unterstützung in der bevorstehenden Schlacht zu leisten. Rama wies Lakshmana an sofort aufzubrechen und ein wenig Meerwasser zu holen. Mit diesem Wasser weihte Rama Vibhishana unmittelbar zum Herrscher von Lanka. Alle Affen, die diese Darbietung der Gnade miterlebten, sprangen vor Freude umher, brüllten und schrien, während Vibhishana mit verbeugtem Kopf dort saß.

Dann ging Hanuman zu Vibhishana und fragte ihn, wie die Armee wohl den Ozean überqueren könne. Nachdem Vibhishana einige Zeit überlegt hatte, schlug er vor, dass Rama persönlich den Halbgott des Ozeans bitten solle eine Möglichkeit zur Überquerung zu enthüllen. Der Ozean sei von einem großen König in Ramas Linie ausgegraben worden und folglich würde diese Gottheit ihm als Gegenleistung einen Dienst leisten wollen. Rama freute sich über Vibhishanas Rat und breitete am Meeresufer einen Sitz aus Kusha-Gras aus. Er setzte sich darauf und begann zu dem Halbgott zu beten, dass dieser sich offenbaren möge.

Als Rama am Strand saß, flog ein Spion Ravanas über die Vanara-Armee hinweg. Er maß ihre Größe und Macht und kehrte mit größter Geschwindigkeit zu Ravana zurück. Er fiel vor dem König nieder und unterbreitete ihm seine Beobachtungen: "Eine riesige und unermessliche Flut von Affen und Bären kommt auf Lanka zu, wie ein zweites Meer. Sie erstrecken sich über einhundert Meilen in alle Richtungen. An ihrer Spitze befinden sich die beiden mächtigen Prinzen Rama und Lakshmana. Sie haben ihr Lager am Meeresufer aufgeschlagen und überlegen, wie sie das Meer überqueren sollen."

Ravana wurde beunruhigt. Er befahl einem Dämon namens Suka, Sugriva eine Nachricht zu überbringen. "Sag dem Affen, dass er bei einem Angriff auf Lanka nichts zu gewinnen hat", sagte er. "Ich habe ihm niemals etwas Böses getan. Was stört es ihn, dass ich Sita entführt habe?"

Ravana befahl Suka, Sugriva von seinem Vorhaben abzuhalten. Affen und Bären könnten Rakshasas niemals bezwingen. Selbst die Halbgötter könnten Lanka nicht überwältigen, was könnten da ein paar normale sterbliche Wesen anrichten? Besser, sie würden friedlich in ihr eigenes Land zurückkehren.

Der mächtige Suka verwandelte sich in einen großen Vogel und flog schnell über das Meer. Er flog über die Affenarmee hinweg und fand Sugriva schnell. Aus der Luft überbrachte der Rakshasa Ravanas Nachricht, doch noch während er sprach, sprangen die Affen plötzlich in die Luft und zerrten ihn nach unten. Sie begannen ihn heftig zu schlagen. Suka rief Rama um Gnade an. "Nur ein Gesandter, der seine eigene Meinung wiedergibt, verdient den Tod, nicht aber einer, die Botschaft seines Herrn übermittelt. O Rama, ich habe Ravanas Nachricht getreu wiedergegeben und sollte deshalb nicht getötet werden."

Rama wies die Affen an Suka gehen zu lassen. Der Dämon flog erneut in die Luft auf und fragte nach Sugrivas Antwort auf Ravanas Botschaft. Der Affenkönig sprach zu dem Dämon: "Man sollte Ravana mitteilen, dass ich weder sein Freund noch sein Gönner bin. Vielmehr hat er eine Feindschaft gegen Rama errichtet und ist folglich auch mein Todfeind. Für Sitas Entführung von Rama verdient der Dämon den Tod durch meine Hand und dies wird auch in Kürze geschehen."


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