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Rama erreicht den Ozean
[10.07.2007] Kapitel 3 Vibhishana hatte beschlossen sich Rama anzuschließen.
Er überquerte den Ozean und erreichte in weniger als einer Stunde Ramas
Lager. Der intelligente Rakshasa verweilte in der Luft und bat darum,
mit dem Anführer der Affen zu sprechen. Sugriva kam schnell herbei. Als
er die fünf riesigen Rakshasas mit ihren Rüstungen und ihrem
himmlischen Schmuck am Himmel sah, wurde er besorgt. Er überlegte
gründlich. Waren die Rakshasas gekommen, um die Affen anzugreifen?
Vielleicht war dies ein listiger Trick, wie es die Rakshasas ja gerne
taten. Sugriva sah sich Vibhishana genau an. Der Rakshasa sah aus wie
ein Berg oder eine Wolke und war so imposant wie Indra. Alle fünf
Rakshasas trugen verschiedenartige Waffen.
Sugriva sprach zu Hanuman: "Diese Rakshasas haben gewiss böswilligen
Absichten. Lasst uns Felsbrocken und Bäume zur Hand nehmen. Wenn wir
sie kurzerhand in der Luft erledigen, können sie ihren Plan nicht
ausführen."
Während Sugriva so sprach, wandte sich Vibhishana aus der Luft an ihn:
"Es gibt einen gottlosen Rakshasa namens Ravana. Ich bin sein Bruder
Vibhishana. Er hat Ramas Gefährtin auf betrügerische und tückische Art
entführt. Obwohl ich ihm wiederholt dazu riet, die Prinzessin
auszuliefern, wollte der Dämon nicht hören. Folglich bin ich hierher
gekommen, um bei Rama Zuflucht zu suchen." Vibhishana bat die
Affen, Rama über seine Ankunft in Kenntnis zu setzen. Sugriva war immer
noch äußerst misstrauisch. Er rannte zu Rama und sagte: "Einer unserer
Feinde ist plötzlich hier aufgetaucht. Er sucht bestimmt eine
Möglichkeit uns aus dem Hinterhalt zu töten. Vielleicht ist er ein
Spion. Möglicherweise sind auch andere unsichtbare Rakshasas in der
Gegend. Man sollte niemals sein Vertrauen in diese Dämonen setzen.
Bitte sag uns, wie wir mit diesem vorgehen sollen." Sugriva
sagte Rama Vibhishanas Namen, wer er war und was er gesagt hatte. Der
Affenkönig war sich sicher, dass Vibhishana böse Absichten hatte und
von Ravana persönlich hierher geschickt worden war. Er schlug vor, den
Rakshasa und seine Landsleute sofort zu töten. Rama hörte
genau zu. Er schaute zu den anderen Anführern der Affen, die bei ihm
saßen. "Ihr habt Sugrivas Vorschlag gehört. Was denkt der Rest von
euch?" Jeder von ihnen äußerte seine Meinung. Alle hatten das
Gefühl, dass Vibhishana mit äußerster Vorsicht und Misstrauen behandelt
werden sollte, dass man ihn ausfragen und testen sollte, bevor man ihm
irgendwelches Vertrauen schenkte. Dann wandte sich Rama an
Hanuman und bat ihn um seine Meinung. Der Affe hatte alle heiligen
Schriften studiert. Mit einer Verbeugung erwiderte er Rama: "Obwohl du
sehr wohl selbst dazu in der Lage bist, die Absichten dieser Rakshasas
in Erfahrung zu bringen, bittest du uns aus Demut und Güte um unsere
Meinung. Nur deshalb äußere ich meinen Eindruck diesbezüglich. Meiner
Meinung nach sollten wir Vibhishana als einen von uns annehmen. Ich
glaube nicht, dass er irgendwelche unredlichen Absichten hegt."
Hanuman sagte, er habe in den Worten und im Gesichtsausdruck
Vibhishanas keine Falschheit festgestellt. Wenn eine Person böse
Absichten habe, werde es stets im Gesichtsausdruck offenbar. Hanuman
war der Meinung, Vibhishana habe weise entschieden, dass Ramas Vorhaben
dem von Ravana überlegen sei. Es sah so aus, als besäße der Rakshasa
Moral und als wolle er Rama zu unterstützen. Nachdem Hanuman
seine Meinung mitgeteilt hatte, die von derjenigen seiner Gefährten
abwich, fragte er Rama nach seiner Ansicht. Rama dankte ihnen allen für
ihre Vorschläge und sagte dann: "Ich kann eine Person, die meine
Zuflucht sucht, nicht zurückweisen. Was auch immer seine Absichten
sind, ich muss eine solche Person annehmen. Dies wird in den Augen
rechtschaffener Menschen niemals verurteilt." Sugriva war
durch Ramas Aussage bestürzt. Er war immer noch überzeugt, dass
Vibhishana ihnen feindlich gesinnt war. Der Affenkönig versuchte erneut
Rama zu überreden. "Was spielt es für eine Rolle, ob seine Absichten
gut oder schlecht sind?", argumentierte Sugriva. "Schließlich ist er
ein Rakshasa und wird stets in seine Natur zurückfallen. Und überdies,
wenn er selbst seinen eigenen Bruder zurückweisen kann, wie können wir
ihm dann jemals wie einem Freund vertrauen?" Sugriva
wünschte, dass man Vibhishana gefangen nahm und vielleicht sogar
tötete. Der Rakshasa war Ravanas Bruder. Sein Bündnis mit Rama würde
niemals seine viel tiefere Zuneigung zu seinem eigenen Volk
übersteigen. Sugriva schaute Rama besorgt an, der aber lächelte und
antwortete gütig: "Deine Bedenken sind durchaus begründet, mein edler
Vanara, doch ich habe sorgfältig darüber nachgedacht. Selbst wenn
dieser Dämon böswillig ist, welchen Schaden kann er schon anrichten?
Ich kann die gesamte Rakshasa-Horde mit dem kleinen Finger vernichten.
Wir sollten keine Angst haben. Und wir sollten stets an den Anweisungen
der vedischen Schriften festhalten." Rama erklärte, gemäß den
Grundsätzen der Schriften müsse selbst ein Feind gastfreundlich
empfangen werden. Wenn jemand komme und Zuflucht suche, müsse man ihm
selbst auf Kosten seines eigenen Lebens Schutz gewähren. Man solle sich
keine Gedanken über seine Absichten machen, seien sie gut oder
schlecht. Wenn man jemanden, der um Zuflucht bittet, abweise und er
zugrunde gehe, erhalte dieser alle frommen Verdienste desjenigen, der
ihn zurückgewiesen habe. Durch eine solche Nachlässigkeit lade man sich
eine große Sünde auf. Zum Schluss sagte Rama: "Wenn jemand zu mir kommt
und nur einmal sagt 'Ich bin dein', dann werde ich ihm von dort an bis
in alle Ewigkeit Mut machen und ihm vor allen Gefahren Schutz gewähren.
Dies ist mein feierlicher Schwur, den ich hier vor euch allen ablege.
Selbst wenn Ravana persönlich zu mir käme, würde ich ihm nicht die
Zuflucht verweigern. Bring Vibhishana hierher, denn ich habe ihm
bereits Zuflucht gewährt." Jeder der Anwesenden war von Ramas
Worten tief berührt. Mit Tränen in den Augen sagte Sugriva: "Es ist
kein Wunder, dass du auf diese Weise sprichst, lieber Rama. Du weißt am
besten, was richtig ist und bist stets der Tugendhaftigkeit ergeben.
Meine Zweifel sind beseitigt. Möge Vibhishana unsere Freundschaft auf
der gleichen Ebene mit uns allen genießen."

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