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Ravanas gemeiner Trick


Sita sah den Kopf an. Er sah genau aus wie Rama, mit den gleichen großen Augen und dem gleichen funkelnden Juwel im Haar. Die Prinzessin brach in Tränen aus und stürzte zu Boden. Sie schrie auf und verfluchte Kaikeyi: "Du grausames Weib, bist du jetzt mit deinem Werk zufrieden? Sieh nur, was du der edlen Raghu-Dynastie angetan hast. Wie kann ich jetzt weiterleben? Alles ist zu Ende. Der Tod des Ehemanns ist für die Frau eine Katastrophe."

Sita klagte unaufhörlich. Wie konnte das passieren? Die königlichen Astrologen hatten vorhergesagt, dass Rama lang leben und über die Erde herrschen würde. "Die Zeit macht vor keinem Lebewesen Halt", schrie Sita. "O Rama! Jetzt bist du gewiss mit deinem Vater wieder vereint. Aber was ist mit mir? Erinnerst du dich nicht an den feierlichen Schwur, den du an unserer Hochzeit gabst? Du hast gelobt, mich stets zu beschützen und mich mit dir in die nächste Welt zu nehmen. Wie konntest du mich jetzt verlassen?"

Die Prinzessin war am Boden zerstört. Sie dachte an Kaushalya und Sumitra. Sie würden beide sofort sterben, wenn sie diese schreckliche Neuigkeit hören würden. Sita hielt sich selbst für die Ursache von Ramas Tod und begann sich zu verfluchen. Sie sagte zu Ravana: "Töte mich sofort, Dämon. Lege meinen toten Körper auf Rama und vereinige den Ehemann mit seiner Frau."

Während Sita auf diese Weise klagte, kam ein Bote zu Ravana. Er rief den Dämon zur Seite und sagte ihm, dass man ihn dringend im Ratszimmer brauche. Prahasta sei angekommen und warte auf den Befehl, die Schlacht zu beginnen.

Ravana wandte sich von Sita ab. Es gab keine Zeit zu verlieren. Ramas gewaltigen Streitkräften musste sofort Einhalt geboten werden. Auf der Stelle verließ der Dämon den Ashoka-Hain und ging schnell in seine Gemächer.

Sobald er außer Sichtweite war, trat eine Rakshasi namens Sarama, die Frau Vibhishanas, zu Sita. Sie führte die aufgewühlte Prinzessin von den anderen Rakshasi-Wächterinnen weg und beruhigte sie: "Ich habe gehört, was Ravana zu dir gesagt hat. Doch du solltest ihm nicht glauben. Er ist ein großer Gauner und ein Lügner. Meine zarte Prinzessin, du kannst wieder zuversichtlich sein. Rama ist nicht tot. In diesem Moment schmiedet der Dämonenkönig Pläne, um die Stadt vor den Streitkräften der Affen zu verteidigen, die von deinem unbesiegbaren Ehemann und seinem Bruder angeführt werden."

Sarama sprach voller Zuneigung zu Sita. Die Rakshasi war ebenso fromm wie ihr Mann und sie hatte die bekümmerte Prinzessin oft getröstet. Sie versicherte Sita, dass Ramas abgeschlagener Kopf eine Täuschung sei, die von Ravana und seinem Handlanger hervorgezaubert worden sei.

Während Sarama und Sita so sprachen, hörten sie plötzlich den Klang von Kriegstrommeln, wie auch den Lärm von Truppen und das Schmettern zahlloser Trompeten. Es war offensichtlich, dass eine Schlacht kurz bevor stand.

Sarama hatte von ihrem Mann alles über Rama gehört. Sie sprach zu Sita: "Dieser mächtige Kampf wird in der völligen Vernichtung der Dämonen enden. Ravana wird zweifellos von Rama getötet werden. Ein anderer Ausgang ist nicht möglich. Liebe Sita, ich bin mir sicher, dass du bald wieder mit deinem Mann vereint sein wirst."

Nach diesen erfreulichen Worten fragte Sarama Sita, ob sie der Prinzessin irgendeinen Dienst leisten könne. Sie bot ihr an, Rama eine Mitteilung zu überbringen. "Wenn du es wünschst, kann ich unsichtbar durch die Luft schweben und Rama versichern, dass du in Sicherheit bist", schlug sie vor. Doch Sita fragte statt dessen über Ravanas Pläne. Sie wollte wissen, ob dieser irgendwelche Absichten hatte, sie freizulassen oder sie vielleicht zu töten, bevor Rama kam. Wenn ja, dann sollte man Rama vielleicht eine Mitteilung überbringen.

Sarama ging unbemerkt in Ravanas Gemächer und hörte den Besprechungen zu. Nach einigen Stunden kehrte sie zu Sita zurück und teilte ihr mit, was geschehen war. "Ravana wurde von seiner eigenen geschätzten Mutter ermahnt, dich Rama zurück zu geben", sagte Sarama. "Zusammen mit einem seiner älteren und ihm zugeneigten Berater hat sie sich intensiv bemüht ihn zur Vernunft zu bringen. Andere weise Minister haben sich ebenfalls für deine Aushändigung ausgesprochen. Sie haben Ravana gewarnt, dass die Schlacht mit Rama und den Affen ein verhängnisvolles Ergebnis für die Rakshasas haben würde. Doch Ravana wird dich genauso wenig gehen lassen, wie ein Geizhals seine Reichtümer aus der Hand gibt. Er ist nicht bereit dich freizulassen, bevor er sein Leben im Kampf niedergelegt hat, meine göttliche Sita."

Sita dankte Sarama für ihre Güte und Freundschaft. Sie war sicher, dass ihr Mann bald kommen würde, um sie zu retten. So setzte sie sich unter den Simshapa-Baum und vertiefte sich in Gedanken an Rama.

* * *

In seinem Sitzungszimmer blickte Ravana in die Runde seiner Minister. Sie saßen schweigend dort und sahen einander an. Ramas Heldentat, den Ozean mit einer unbegrenzten Anzahl von Bären und Affen zu überqueren, war erstaunlich. Und all das nach der unglaublichen Darbietung eines einzigen Affen in Lanka. Die Schlacht gegen Rama sei zweifellos ein tollkühnes Unterfangen. Ravana sah die Ängstlichkeit seiner Ratgeber und sprach mit einer Stimme, die laut durch das stille Gemach hallte: "Ich habe alles über Rama und seine Kühnheit gehört. Ich habe das Gefühl, dass wir ihn in der Schlacht bezwingen können. Ich weiß, dass die Rakshasas unfehlbar und entschlossen sind."

Ein älterer Ratgeber namens Malayavan, Ravanas Großvater mütterlicherseits, erwiderte: "Mein König, es gibt verschiedene Arten, wie man mit einem erbosten Feind fertig wird. Der Kampf ist nur eine davon und wird nur in Situationen empfohlen, wo der Feind deutlich schwächer ist, oder wo jedes andere diplomatische Mittel versagt hat. Du hast nicht versucht irgendwelche anderen Möglichkeiten auszuschöpfen. Lass uns zuerst versuchen ein Bündnis einzugehen. Gib Sita an Rama zurück. Der Ausgang einer Schlacht ist immer ungewiss; es muss einen Verlierer geben. Mein intelligenter Rakshasa, Verhandlungen können ein günstiges Ergebnis für beide Seiten herstellen."

Malayavan sprach in strengem Ton. Ravana habe die Tugendhaftigkeit aufgegeben. Jetzt würde er vom Bösen verschlungen werden. Rama sei hingegen der Tugendhaftigkeit ergeben und kämpfe in gerechter Sache. Die Halbgötter und Rishis, die Ravana bestürmt hatte, unterstützten nun alle Rama. Außerdem besitze Ravana keine Unverwundbarkeit Menschen und Tieren gegenüber. Außerdem sei Rama kein gewöhnlicher Mensch. Er sei zweifellos Vishnu selbst. Deshalb solle man unter allen Umständen Frieden schließen.

Nachdem Malayavan diesen scharfsinnigen Rat geäußert hatte, wurde er still. Er beobachtete den Herrscher von Lanka und wartete auf seine Antwort. Ravana zog die Augenbrauen zusammen. Er schnaufte heftig vor Zorn. Mit geballten Fäusten erwiderte er wütend: "Wie kannst du solch scharfe und unkluge Worte äußern? Du musst unter den Einfluss des Feindes gekommen sein. Auf welcher Grundlage hältst du den erbärmlichen Rama für so mächtig - einen einfachen Menschen, der von seinem Vater zurückgewiesen wurde und als Unterstützung nur eine Affenbande hat? Du wirst schon sehen, wie er in Kürze von mir niedergestreckt werden wird! Auch wenn er irgendwie das Meer überquert und Lanka erreicht hat, er wird nicht lebend zurückkehren. Daran gibt es nicht den geringsten Zweifel."

Malayavan gab keine Antwort. Es schien, als wolle Ravana seinen eigenen Ruin herbeiführen. Nachdem der alte Minister seinen Segen ausgesprochen und ihm den Sieg gewünscht hatte, brach er zu seiner eigenen Wohnstätte auf.

Ravana machte sich daran alle Vorkehrungen zu Lankas Verteidigung zu treffen. Er postierte an jedem der vier Stadttore mächtige Generäle, die alle mit einer Streitmacht von Hunderttausenden wilder Rakshasas ausgestattet waren. Ravana besuchte persönlich ein Tor nach dem anderen. Als der Dämon sah, dass alles abgesichert war, kehrte er zufrieden in seine eigenen Gemächer zurück.

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