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Garuda kommt zur Hilfe

[09.07.2007] Kapitel 6
Indrajit begab sich nach Lanka, umgeben von den wichtigsten Rakshasas, die alle vor Freude brüllten. Der Rakshasa-Prinz ging schnell zum Palast seines Vaters und erzählte ihm die Neuigkeiten: "Deine zwei sterblichen Feinde liegen, durch meine spitzen Pfeile niedergestreckt, tot auf dem Schlachtfeld. Zerstreue deine Furcht, mein König. Der Sieg gehört jetzt uns." Ravana sprang auf seine Beine und umarmte seinen Sohn. Er war freudig erregt und rief sofort nach den Rakshasis, die Sita bewachten. Er wies sie an, die Prinzessin im Pushpaka-Streitwagen mitzunehmen, um ihr Rama und Lakshmana zu zeigen. Er war sicher, dass Sita ihn jetzt als Ehemann annehmen würde.

Die Rakshasis brachen sofort auf und holten Sita. Sie setzten sie auf den Streitwagen, zusammen mit Trijata, die sich der Prinzessin gegenüber freundlich verhielt. Auf Ravanas Befehl erhob sich der Streitwagen hoch über Lanka und begab sich über das Schlachtfeld. Plötzlich sah Sita Rama und Lakshmana in einer Blutlache liegen, überall mit Pfeilen bedeckt. Sie wurde von Schmerz ergriffen. Da sie ihren Tod vermutete, hielt sie sich an Trijata fest und weinte heftig. "Wie konnte das geschehen? Gelehrte Astrologen haben vorhergesagt, dass ich niemals zur Witwe würde. Sie prophezeiten, dass ich die Frau eines frommen Weltenherrschers sein und mächtige Söhne von ihm haben würde. Heute haben sich all diese Vorhersagen als falsch herausgestellt."

Sita war völlig verwirrt. Ihr Körper zitterte in ihrem Kummer und Trijata tröstete sie. Sie dachte an Kaushalya und Sumitra. Wie konnten diese göttlichen Frauen weiterleben, nachdem sie gehört haben, dass ihre Söhne getötet worden sind? Ja, ganz Ayodhya würde in Verzweiflung versinken. Das Schicksal war zweifellos unergründlich und allmächtig. Wenn Rama und Lakshmana in der Schlacht fallen konnten, dann konnte sogar der Tod persönlich getötet werden.

Trijata beobachtete den Schauplatz unter ihnen genau. Mit freundlichen Worten sprach sie zu Sita: "Aus dem Auftreten der Affen schließe ich, dass dein Mann noch lebt. Eine Armee, dessen Anführer getötet wurde, wird wie ein ruderloses Boot auf hoher See umher geworfen. Diese Affen stehen entschlossen in Schlachtordnung. Offensichtlich hoffen sie, dass Rama sich erholt. Ich sehe ebenfalls, dass Rama und Lakshmana immer noch eine Körperausstrahlung besitzen. Sie leben noch, zweifellos. Klage nicht, Prinzessin."

Sita umarmte Trijata und sagte: "Mögen sich deine Worte als wahr erweisen." Sie fühlte ein wenig Trost und betete, dass die Stärke der Prinzen bald wiederhergestellt sein würde. Der Streitwagen kehrte mit der traurigen Prinzessin nach Lanka zum Ashoka-Hain zurück.

* * *

Die Affen, die Rama umgaben, sprachen leise seinen Namen aus und versuchten ihn aufzuwecken. Langsam öffnete Rama seine Augen und schaute umher. Er sah Lakshmana bewusstlos mit blutverschmiertem Gesicht an seiner Seite liegen. Rama weinte und sprach mit bebender Stimme: "Welchen Nutzen habe ich davon, Sita zurückzubekommen, wenn mein tapferer Bruder in der Schlacht getötet worden ist. Ich könnte vielleicht eine andere Frau wie Sita finden, doch niemals könnte ich irgendwo auf der Welt einen Gefährten wie Lakshmana finden. Dieser Prinz folgte mir in den Wald, um jegliches Glück und Leid mit mir zu teilen. Ich werde ihm jetzt zu Yamarajas Reich folgen."

Rama verfluchte sich selbst. Es war sein Fehler, dass Lakshmana getötet worden war. Was war der Nutzen seiner eitlen Prahlerei, Ravana zu töten und Vibhishana als Herrscher von Lanka einzusetzen? Jetzt war alles zu Ende. Rama sagte Sugriva, er solle nach Kishkindha zurückkehren. Er dankte ihm und all den anderen Affen und Bären für ihren Dienst. Jetzt könnten sie nach Hause zurückkehren.

Die Affen standen mit Tränen in den Augen vor Rama. Sugriva loderte vor Zorn. Er schaute auf Lanka. Die Rakshasas würden für diese Gräueltat bezahlen. Er würde persönlich alle bis auf den letzten von ihnen vernichten, einschließlich Ravana und Indrajit. Dann würde er Sita retten und sie zu Rama zurückbringen. Mit geballten Fäusten sagte er zu Angada: "Bring Rama und Lakshmana zurück nach Kishkindha. Kundige Ärzte können sie mit überirdischen Kräutern heilen. Ich werde jedenfalls hier bleiben bis diese Angelegenheit erledigt ist. Kein Rakshasa wird heute überleben."

Als Sugriva sprach, erhob sich plötzlich ein heftiger Wind. Dunkle Wolken und Lichtblitze erschienen am Himmel. Der Boden bebte und die Bäume stürzten um. Man hörte einen Klang wie das regelmäßige Schlagen einer riesigen Trommel. Die Affen blickten sich um und sahen am Himmel den Adler Garuda, Vishnus berühmten Träger. Der mächtige Vogel glitt hinunter und landete in Ramas Nähe. Als er ankam, fielen die Schlangenfesseln der Brüder sofort ab. Die ätherischen Schlangen, die sich um die Prinzen gehüllt hatten, verschwanden geschwind in die Luft.

Garuda, der in einer halbmenschlichen Gestalt mit zwei Armen erschien, verneigte sich mit gefalteten Händen vor Rama. Er kniete sich neben den Brüdern nieder und streichelte sanft ihre Gesichter. Auf einen Schlag waren ihre Wunden verheilt und ihre Körper leuchteten wieder. Lakshmana öffnete seine Augen und setzte sich aufrecht hin. Alle Affen jubelten lauthals und sprangen vor Freude kreischend umher. Garuda hob die beiden Brüder auf. Rama umarmte ihn liebevoll und sagte: "Es ist wahrlich glückverheißend, dass du hier erschienen bist, du stattlicher Vogel. Wir wurden von einem großen, von Indrajit verursachten Unglück gerettet. Bitte sage uns, wer du bist, dass du solch eine überirdische Ausstrahlung hast und mit himmlischen Juwelen und Girlanden geschmückt bist?"

Garuda verriet Rama seinen Namen. "Mit Sicherheit kennst du mich, lieber Rama, denn ich bin immer dein Diener. Betrachte mich als deinen eigenen Atem, der sich außerhalb deines Körpers bewegt. Ich hörte, dass Indrajit die Naga-Söhne Kadrus eingesetzt hatte. Er wandelte diese mächtigen Schlangen durch Hexerei in Pfeile um. Ich kam schnell hierher, mit dem Wunsch meine giftige Beute zu töten, doch sie suchten das Weite als sie mich nur sahen. Gestatte mir zu gehen und sie zu verfolgen."

Rama umarmte Garuda erneut und gab ihm Erlaubnis zu gehen. Der Vogel versicherte Rama, dass die Rakshasas bald überwältigt sein würden. Indrajit würde nicht erneut fähig sein, die Schlangenwaffe anzuwenden. Dann, nachdem er die beiden Prinzen respektvoll umkreist hatte, stieg er in die Luft auf, wobei er wie die Sonne strahlte und die ganze Gegend mit dem von seinen Flügeln erzeugten Wind erfüllte.

Rama und Lakshmana waren bereit zur Schlacht. Die Affen und Bären brüllten vor Freude, entwurzelten riesige Bäume und schwangen drohend damit umher. Sie schwärmten auf die Tore von Lanka zu und forderten die Rakshasas laut schreiend auf herauszukommen, um zu kämpfen. Die Tontrommeln und Muschelhörner der Armee erzeugten ein gewaltiges Getöse, das den Rakshasas, die erstaunt von den Stadtmauern herab starrten, Angst und Schrecken einjagte.

* * *

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