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Ravana zeigt seine Kühnheit[09.07.2007] Kapitel 12 Die in Angst und Schrecken versetzten Rakshasas rannten zu Ravana und teilten ihm mit, dass Indrajit gefallen war. “Dein mächtiger Sohn ist auf einen noch größeren Helden gestoßen und hat das Zeitliche gesegnet”, berichteten sie. “Nachdem der höchst ruhmreiche Indrajit Lakshmana mit zahllosen Pfeilen überschüttet hatte, ist er in die nächste Welt aufgebrochen.” Ravana schaute für einige Augenblicke in einem Zustand äußerster
Bestürzung seine Minister an. Dann stürzte er ohnmächtig zu Boden und
blieb einige Zeit bewusstlos. Als er sich wieder erholt hatte, warf er
sich zurück auf seinen Thron, setzte sich mit niedergeschlagenem
Gesichtsausdruck hin und klagte lauthals: “Mein lieber Sohn, wohin bist
du gegangen? Du hast Indra besiegt und all die Halbgötter davongejagt;
wie konntest du da von Lakshmana überwältigt werden? In deinem Zorn
warst du fähig, sogar den Tod persönlich einzuschüchtern. Deine Pfeile
konnten selbst die Spitzen des Mandara-Berges zertrümmern. Die Zeit ist
wirklich allmächtig, denn heute hat dich diese unbezwingbare Macht
niedergeworfen, als du mit erhobenen Waffen auf dem Schlachtfeld
standest.”
Ravana war untröstlich. Er rühmte seinen toten Sohn auf vielfältige Weise. Indrajit hatte nun gewiss die Sphären erreicht, die für Helden bestimmt waren. Jetzt als er tot war, würden die Halbgötter, Rishis und Weltenhüter sich freuen, da der Dorn in ihrem Auge entfernt worden war. Ravana dachte an Mandodari und schrie vor Qual: “Deine Mutter, die gesegnete Königin, wird heute sicherlich ihr Leben aufgeben. Bald werde ich die Schreie der Rakshasa-Frauen hören, wenn sie sich auf dem Boden wälzen. Welch verdrehtes Schicksal hat dein Ende vor dem meinen herbeigeführt? O mein lieber Indrajit, wie konntest du mich hier allein lassen, wenn Rama und Lakshmana noch am Leben sind?” Von unerträglichem Kummer gepackt fiel der Dämonenkönig von seinem Thron und wälzte sich auf dem goldenen Boden seines Palastes. Ein gewaltiger Zorn nahm von ihm Besitz und er atmete schwer. Er sprang auf seine Beine, runzelte seine Stirn und brüllte wütend. Flammen schossen aus seinen weit geöffneten Mündern. Er sah aus wie die personifizierte Zeit, die kurz davor ist, alle Welten zerstören. Der Dämon dachte nur an Rache. Seine von Natur aus roten Augen glühten leuchtend rot vor Zorn. Tränen fielen aus ihnen wie Tropfen geschmolzenen Metalls. Er knirschte mit seinen Zähnen und erzeugte ein Geräusch wie zwei Berge, die aneinander reiben. Er nahm sein messerscharfes Schwert in die Hände, das wie der strahlende blaue Himmel leuchtete, hielt es über seinen Kopf und wetterte in seinem Zorn: “Nachdem ich den aus sich selbst geborenen Schöpfer aller Welten mit strenger Entsagung erfreut hatte, erhielt ich von ihm eine unfehlbare Segnung. Nicht einmal die Halbgötter oder Dämonen zusammen können mich in der Schlacht töten, geschweige denn ein paar Menschen. Bringt mir meinen Bogen! Holt meine unzerstörbare Rüstung! Heute werde ich ausmarschieren und Rama sowie seine gesamte Armee hinschlachten.” Ravana sah aus, als wollte er das Universum selbst vernichten und starrte wütend um sich. Seine Minister schreckten vor Furcht zurück, wobei sie wehleidige Laute von sich gaben. Der Dämonenkönig sagte zu ihnen: “Mein lieber Sohn spielte Rama einen Streich, indem er ein Trugbild Sitas tötete. Dieser Streich wird jetzt Wirklichkeit werden. Ich werde die Rama so nahestehende Sita niederstrecken.” Mit dieser schlimmen Absicht im Kopf eilte Ravana plötzlich aus seinem Palast zum Ashoka-Hain. Als die anderen Rakshasas den wütenden Dämon mit erhobenem Schwert aus seinem Palast kommen sahen, waren sie ermutigt. Jetzt würde der Krieg mit Sicherheit bald beendet sein. Ravana hatte die vier Weltenhüter überwältigt. Er würde zweifellos mit einer Armee aus Affen und Bären keine Probleme haben. Der Dämon stürmte in Richtung seiner Gärten, doch während er schnell die Pfade entlang schritt, rannten seinen Minister zu ihm. Sie stellten sich vor ihn und versuchten ihn von seiner Absicht Sita zu töten abzubringen. Allein aufgrund von Sitas Entführung wurde bereits ein schreckliches Blutbad unter den Rakshasas angerichtet. Was würde geschehen, wenn Ravana sie tatsächlich töten würde? Ravana konnte nicht umgestimmt werden. Er schritt weiter in die Gärten hinein. Sita sah ihn aus der Entfernung und begann zu zittern. Als sie seine zornige Stimmung und das erhobene Schwert sah, verstand sie, dass er beabsichtigte sie zu töten. Die Prinzessin wunderte sich, wo ihr Ehemann blieb. War er getötet worden? Weshalb war Ravana so unerschrocken? Dies war alles der Fehler der grausamen Manthara. Bald würde dieses verruchte Dienstmädchen in Freude ausbrechen, wenn ihre Absicht in Erfüllung gegangen war. Wenn Rama nicht bereits tot war, dann würde er sicherlich nicht lange überleben, wenn er vom Tod seiner geliebten Frau hörte. Als Ravana sich Sita näherte, trat ein Minister namens Suparshwa vor ihn und sagte: “Wie kannst du eine solch schäbige und zwecklose Tat ins Auge fassen, zehnköpfiger Monarch? Das Töten einer Frau kann niemals etwas Gutes zeitigen, denn es wird von jedermann verurteilt. Diese Dame sollte beschützt werden. Du solltest deinen Zorn bei Rama und Lakshmana, deinen wirklichen Feinden, auslassen. Wenn du sie tötest, wird diese Prinzessin zu deinem Genuss da sein.” Ravana dachte über diesen Ratschlag nach. Vielleicht hatte Suparshwa recht. Es wäre töricht, die Prinzessin jetzt unnötigerweise zu verlieren, nach soviel Bemühen sie zurückzubehalten. Und Rama könne immer noch bezwungen werden. Es war nicht nötig, Sita jetzt zu töten. Es war besser, Rama zu töten, dann würde sie sich ihm sicher ergeben. Überwältigt von Zorn und Begierde sowie von brennendem Kummer, wandte sich der Dämon von Sita ab und begab sich in sein Ratszimmer. Umgeben von seinen Ministern betrat er gequält die große Halle. Er sank auf seinen mit Edelsteinen verzierten Thron und schnaubte wie ein wütender Löwe. Mit gefalteten Händen richtete er sich an die Versammlung: “Jetzt bin ich vollkommen von euch allen abhängig. Die Zeit ist gekommen, um unseren eingebildeten Feind zu vernichten. Morgen werde ich ausmarschieren, um Rama zu töten. Zuerst solltet ihr mit hoch erhobenen Waffen ausschreiten und den Menschenprinz und seine Armee schwächen. Kurz danach werde ich nachfolgen.” Die Rakshasas brüllten vor Freude. Sie erhoben sich geschlossen und eilten aus der Halle hinaus. Sie stiegen auf Pferde, Streitwagen, Elefanten und andere Träger und stürmten aus der Stadt hinaus. Sofort schleuderten sie einen gewaltigen Regen von Äxten, Streitkolben, Speeren, Pfeilen und Eisenkeulen auf die Affen, die mit Bäumen und Felsbrocken erwiderten. Erneut fielen die beiden Armeen mit einem fürchterlichen Lärm übereinander her. Rama beschloss, dass es an der Zeit war, seine eigene unüberwindliche Kühnheit an den Tag zu legen. Er drang unmittelbar tief in die Reihen der Rakshasas ein. Er bewegte sich wie ein Wirbelwind auf dem Meer und ließ eine Spur niedergemetzelter Dämonen in seinem Kielwasser. Die Rakshasas konnten ihn kaum sehen. Niemand konnte seine Bewegungen wahrnehmen, als er Pfeile aus seinem unerschöpflichen Köcher herausnahm und sie in alle Richtungen schickte. Als Rama die Waffe der Gandharvas abschoss, erschien er in einer Vielzahl von Gestalten. Die verwirrten Rakshsasas hatten den Eindruck, er sei überall gleichzeitig. Sie sahen die gebogenen goldenen Enden seines Bogens wie ein brennendes Holzscheit umher wirbeln, das sie völlig umzingelte. Seine Pfeile flogen aus allen Richtungen gleichzeitig. Sie zerschnitten die Rakshasas in Stücke. In weniger als zwei Stunden hatte Rama zweihunderttausend Rakshasas erschossen, zusammen mit achtzehntausend Elefanten und vierzehntausend Pferden. Die Rakshasas waren vernichtend geschlagen und flüchteten in Panik. Ihre Streitwagen waren zertrümmert und ihre Rüstungen und Waffen lagen auf dem Boden verstreut herum. Mit den zerstückelten Leichen von Rakshasas und Tieren, die überall umher lagen, sah das Schlachtfeld gespenstisch aus. Die überlebenden Rakshasas eilten zurück nach Lanka, während sie sich ängstlich nach Rama umdrehten. Die Affen jubelten und umringten Rama. Er hatte seine überirdischen Waffen zurückgezogen, stand entspannt da und strahlte in hellem Glanz. Sugriva, Hanuman und Vibhishana schauten Rama ehrfürchtig an, der zu ihnen sagte: “Nur der glorreiche Shiva oder ich selbst können solche Geschicklichkeit mit den überirdischen Waffen an den Tag legen.” Während die Affen Rama mit gefalteten Händen umkreisten, rühmten ihn die Halbgötter und Rishis vom Himmel und ließen einen Blumenregen niedergehen. * * * Ravana saß seufzend in seinem Palast. Überall um ihn herum konnte er das erbärmliche Klagen der Rakshasa-Frauen hören, die ihre Männer und Söhne verloren hatten. Er war mit seiner Weisheit am Ende. Wie war all dies geschehen? Was für eine Art Menschen waren Rama und Lakshmana? Es war unvorstellbar. Nur ein paar wenige Helden waren in der Rakshasa-Armee übrig. Selbst die Halbgötter hätten ihn nicht in eine solch missliche Lage bringen können. Wie war dies dann für eine Armee aus Affen und Bären unter der Anführung eines Menschen möglich? Ravana biss sich auf die Lippen und ballte seine Fäuste. Seine Augen waren puterrot und er schnaubte laut. Wie ein Spieler, der im Begriff ist alles zu verlieren und gezwungen ist, das Allerletzte zu setzen, ließ der Dämon seine letzten Befehlshaber kommen und wies sie an, zur Schlacht auszumarschieren. Dieses Mal würde er sie begleiten. Zögernd befolgten die Rakshasas Ravanas Befehl. Sie wurden beim Gedanken an Rama von schrecklicher Furcht gepackt. Als Ravana sah, dass seine Befehlshaber vor Angst zitterten, lachte er und sprach: “Mit einem endlosen Pfeilregen, der den Sonnenstrahlen gleicht, werde ich Rama und Lakshmana in Yamarajas Reich schicken. Heute werde ich meine Lands- und Gefolgsleute rächen. Ich werde die Bataillone der Affen mit einer Welle von Waffen vernichten, die wie der gewaltige Ozean wogt. Ihr werdet auf Pfeile aufgespießte Köpfe auf dem Schlachtfeld sehen wie Lotosblumen auf goldenen Stielen. Jeder meiner Pfeile wird einhundert Affen durchbohren. Die Geier und Schakale werden heute vom Fleisch meiner Feinde übersättigt werden. Holt meinen Streitwagen und meine Waffen! Ich werde jetzt gleich an der Spitze meiner Armee ausmarschieren.” Als Ravana seinen Kriegsschrei ausstieß, fühlten sich die Dämonen ermutigt, dass ihr König zum Kampf hinaustrat. Dieser stolze Rakshasa war noch nie in der Schlacht besiegt worden. Dies bedeutete zweifellos das Ende von Rama, Lakshmana und all den Affen. Ravanas Wagenlenker brachte schnell seinen goldenen Streitwagen herbei. Er war mit allen überirdischen Waffen ausgestattet und mit himmlischen Edelsteinen geschmückt. An den Außenseiten leuchteten Tausende von goldenen Zinnen. Viele Reihen mit Juwelen überzogener Säulen trugen seinen großen Baldachin und eine Standarte aus Katzengold erhob sich aus seiner Mitte wie eine gewaltige Palme. Als er sich vorwärts bewegte, donnerte er wie eine Wolkenansammlung und erzeugte durch die Tausenden von Glöckchen, die außen herum hingen, einen wunderbaren Klang. Die Rakshasas waren von Staunen ergriffen Ravana auf dem Streitwagen zu sehen, der wie die Sonne strahlte. Der Wagenlenker trieb die acht himmlischen Streitrösser an, woraufhin der Streitwagen die Hauptstraße Lankas entlang raste. Direkt hinter ihm kamen die letzten seiner Generäle, Mahaparshwa, Virupaksha und Surantaka. Dahinter folgte der Rest der Rakshasa-Streitkräfte: dreihunderttausend Elefanten, einhunderttausend Streitwagen, sechshunderttausend Reiter und die gleiche Anzahl an Fußtruppen. Ravana führte seine Streitmacht durch das Nordtor Lankas, woraufhin sie mit lautem Geschrei auf Ramas Armee losstürmten. Als Ravana zum Angriff überging, verdunkelte sich die Sonne und die vier Himmelsrichtungen hüllten sich in Finsternis. Vögel kreischten abscheulich und die Erde bebte. Aus den Wolken regnete es Blut und ein Meteor schlug mit einem Donnern auf der Erde ein. Ravana spürte, wie sein linkes Auge zuckte und sein Gesicht bleich wurde. Ein großer Geier ließ sich auf seiner Standarte nieder und Krähen kreisten über ihm. Ravana kümmerte sich nicht um diese fürchterlichen Vorzeichen und jagte wie ein Verrückter auf die Reihen der Affenarmee zu. Er stürzte sich in sie hinein und verursachte sofort große Verwüstung. Mit golden geschmückten Pfeilen trennte er die Köpfe von Tausenden von Affen ab. Anderen durchbohrte er die Herzen und wieder anderen hackte er die Glieder ab. Einige wurden von seinem Streitwagen zermalmt und einige von seiner Keule zertrümmert. Nirgends, wo sich sein Streitwagen hin bewegte, konnten die Affen ihm standhalten und gegenübertreten. Ein unaufhaltsamer Pfeilhagel flog von Ravanas Streitwagen in alle Richtungen. Man konnte sich ihm ebenso schwer nähern, wie der sengenden Sonne. In Kürze war das Schlachtfeld mit Leichen toter Affen übersät. Als Ravana in die Vanara-Armee eindrang, flüchteten sie vor der Marter seiner Waffen. Der Dämon stutzte die Affenreihen wie der Wind Wolken zerstreut. Als Ravana sich durch die Affen durchgearbeitet hatte, suchte er nach Rama. Sugriva wurde rasend, als er die Vernichtung seiner Armee sah. Er warf sich selbst in die Schlacht und begann, die Rakshasas an allen Fronten zu vernichten. Der Vanara-König brüllte mit hoher Stimme und stürmte auf die Rakshasas zu, während er gewaltige Bäume umherwirbelte. Er tötete sie wie der Wind der Vernichtung, der am Ende eines Zeitalters Bäume ausreißt. Sugriva schleuderte in kurzer Folge eine ungeheure Anzahl riesiger Felsbrocken auf die Rakshasas, so wie ein Hagelschauer, der auf einen Vogelschwarm niedergeht. Die Rakshasas fielen zu Hunderten mit zerschmetterten Köpfen. Sie sahen aus wie viele einstürzende Berge, die vom Blitz getroffen worden waren. Virupaksha sprang nun von seinem Streitwagen hinunter und forderte Sugriva heraus. Er schoss hundert scharfe Pfeile auf den Affen ab. Dann stieg der Rakshasa auf einen großen Elefanten und brüllte. Sugriva wandte sich dem Dämon zu und griff nach einem riesigen Baum. Er hüpfte in die Luft und schlug dem Elefant den Baum auf den Kopf. Das riesige Tier wankte nach hinten und sank auf die Knie. Virupaksha sprang hinunter und ergriff sein Schwert. Er stürmte auf Sugriva zu, der eine schwere Felsenspitze auf den Dämon schleuderte. Virupaksha wich dem Felsen aus, sprang nach vorne und verpasste Sugriva einen fürchterlichen Schlag mit seinem Schwert. Der Affe fiel nach hinten und stürzte schwer schnaufend zu Boden. Als Sugriva nach einigen Momenten wieder zu Sinnen kam, sprang er auf und holte zu einem Faustschlag auf den Rakshasa aus. Aber Virupaksha wich dem Schlag aus und traf den Affen erneut auf der Brust. Der vor Zorn lodernde Sugriva schwang seine Hand mit der Geschwindigkeit des Windes. Mit der Kraft von Indras Donnerkeil traf er den Rakshasa an der Schläfe. Virupaksha fiel auf den Boden und Blut strömte ihm aus Mund, Nase, Augen und Ohren. Er wälzte sich vor Schmerz brüllend hin und her, woraufhin er sein Bewusstsein verlor und sein Leben aufgab. In wilder Raserei kämpften die anführenden Affen, mit Rama und Lakshmana an ihrer Spitze. Sugriva, Angada, Hanuman und andere wichtige Vanaras mähten die Rakshasa-Streitkräfte nieder wie ein reifes Weizenfeld. Der Dämonenkönig Ravana rang verzweifelt, als er sah wie seine Armee überwältigt wurde. Er wandte sich an Mahaparshwa und sagte: “Heldenmütiger Rakshasa, meine Hoffnungen ruhen jetzt in dir. Begleiche deine Schuld deinem Meister gegenüber und vernichte diese feindliche Affenarmee. Verlier keine Zeit.” Der Rakshasa faltete seine Hände und verneigte sich leicht vor Ravana. Mit seinem mächtigen erhobenen Bogen stürzte er sich in die Vanara-Armee wie eine Motte ins Feuer. Mit außergewöhnlicher Stärke bahnte er sich mit seinen brennenden Pfeilen einen Pfad durch die Affen. Mit tödlicher Genauigkeit trennte er die Arme, Beine und Köpfe der Affen ab und gab schreckliche Kriegsschreie von sich. Die Affen waren von Mahaparshwas Angriff hart getroffen, taumelten und rannten Hilfe suchend zu Sugriva. Der Affenkönig eilte auf den Rakshasa zu und schleuderte eine gewaltige Felsspitze direkt auf seinen Streitwagen. Mahaparshwa sah den Felsen auf sich zufliegen und schoss ungestört schnelle Pfeile ab, die ihn in Stücke zerbrachen. Als der Felsen von einem Pfeilstrom in tausend Stücke zerschmettert wurde, flog er wie ein Geierschwarm auf den Boden. Sugriva riss sofort einen Baum aus und warf ihn mit all seiner Kraft auf den Dämon. Erneut feuerte Mahaparshwa Pfeile ab, die den Baum in Stücke zerteilten. Dann nahm Sugriva eine Eisenkeule, die in der Nähe auf dem Boden lag. Er machte einen Satz nach vorne und tötete das Pferdegespann des Streitwagens der Dämonen. Der Rakshasa sprang mit dem schrecklichen Streitkolben in der Hand von seinem Wagen. Er schleuderte einen Morgenstern auf Sugriva, der diesen mit seiner Keule abwehrte. Mit einer großen Explosion stießen die beiden Waffen zusammen und fielen zu Boden. Die beiden Helden fielen übereinander her und rangen für einige Zeit. Sie schlugen sich gegenseitig mit Fäusten, Knien und Köpfen, wobei sie brüllten und auf dem Boden umher rollten. Sugriva hob den Rakshasa in die Höhe und warf ihn in einige Entfernung. Mahaparshwa stand jedoch sofort wieder auf, nahm Schwert und Schutzschild und stürzte auf Sugriva zu. Der Affe sah sich schnell um und fand ein anderes Schwert. Mit erhobenen Waffen gingen die beiden mächtigen Gegner vor Freude schreiend aufeinander los. Ein wilder Schwertkampf entspann sich und erzeugte einen Funkenregen, als die Waffen zusammenprallten. Plötzlich schlug Mahaparshwa sein Schwert mit voller Kraft auf Sugrivas Schulter, das sich in die Rüstung des Affen grub. Als der Rakshasa versuchte, es herauszuziehen, schwang Sugriva seine eigene Waffen kurzerhand in einem kurzen Bogen und trennte dem Dämon den Kopf von den Schultern. Die Halbgötter und Siddhas sahen zu, wie der Rakshasa leblos zu Boden fiel. Sein Kopf rollte mit verbissenen Zähnen und funkelnden goldenen Ohrringen davon. Wie ein heller Sonnenstrahl der eine dunkle Wolke ziert, stand Sugriva mit seinem blutigen Schwert auf dem Schlachtfeld. Die überglücklichen Affen jubelten ihrem Anführer zu und scharten sich um ihn. Die Rakshasas flüchteten zu Ravana und heulten ängstlich. Unterdessen war der andere mächtige Rakshasa-Befehlshaber Surantaka in einem Zweikampf mit Angada getötet worden. Jetzt blieb nur noch Ravana unter den großen Rakshasa-Helden übrig. Er wurde von Wut verzehrt. Er sah sich in seiner vernichteten Armee um und sah Rama und Lakshmana in einiger Entfernung kämpfen. Der Dämon befahl seinem Wagenlenker, zu den Prinzen zu fahren. Als sein Streitwagen sich über die Erde bewegte, erzeugte er ein Geräusch wie das Grollen von tausend Gewitterwolken. Der Boden bebte und die Affen flüchteten, als sie das Angst einflößende Geräusch hörten. Der Dämon nahm einen glänzenden Pfeil heraus und legte ihn auf seinen Bogen. Dann rief er eine Waffe an, über die Rahu gebietet, ein böswilliger und mächtiger Feind der Halbgötter. Ravana schoss die schreckliche Waffe ab, welche die Affen zu Hunderten und Tausenden vernichtete. Lodernde Pfeile schossen in alle Richtungen und löschte Ramas Armee aus, wie die Sonne den Morgennebel vertreibt. Niemand wagte es sich dem Dämon zu nähern, als er auf Rama zustürzte. Als Lakshmana den Dämon wie einen anstürmenden Kometen näherkommen sah, schoss er zahllose Pfeile auf ihn ab. Man konnte diese Pfeile kaum sehen, als sie durch die Luft heulten, doch der Dämon legte eine erstaunliche Geschicklichkeit an den Tag und zerspaltete sie alle. Ravana ging direkt an Lakshmana vorbei und näherte sich Rama. Er schoss einen Regen von Pfeilen auf Rama ab, die wie giftige Schlagen mit Feuer spuckenden Köpfen waren. Rama stand auf dem Schlachtfeld wie ein unbeweglicher Berg. Er entgegnete Ravanas Pfeilen mit Sichelpfeilen und zerspaltete sie. Ravana schickte weitere Pfeilsalven auf Rama und der Prinz erwiderte mit der gleichen Anzahl seiner eigenen Pfeile. Der Himmel war mit Pfeilen erfüllt, die Scharen goldener Vögel glichen. Rama und der Dämon umkreisten sich gegenseitig von links nach rechts, während ihr Blick fest aufeinander gerichtet blieb. Sie sahen aus wie der personifizierte Tod und Yamaraja persönlich, die sich zu einem hitzigen Gefecht treffen. Sie bedeckten den Himmel völlig mit ihren Pfeilen und hüllten das gesamte Schlachtfeld in Schatten. Sie spannten ihre Bögen zu Kreisen und bewegten sich beide sehr schnell mit aufeinander gerichteten Waffen. Ramas leuchtender goldener Panzer lenkte Ravanas Pfeile ab, während die undurchdringliche Rüstung des Dämons Ramas Pfeile unwirksam machten. Als Ravana sah, dass seine Pfeile nutzlos auf den Boden fielen, schickte er ein Dutzend schärferer Pfeile ab, die Ramas Stirn durchbohrten. Mit diesen goldenen Pfeilen, die aus seinem blutenden Kopf hervorstehenden Pfeilen, war es, als trüge Rama eine leuchtende, mit einer roten Girlande geschmückte Krone. Doch unempfindlich gegen den Schmerz rief Rama die Rudrastra an, über die Shiva herrscht, und schickte einen schrecklichen Hagel brennender Pfeile auf den Dämon ab. Sie trafen Ravana an jedem Körperteil, wobei sie die verletzlichen Stellen ausfindig machten. Aber die überirdische Rüstung des Dämons wehrte die Pfeile erneut ab. Statt dessen drangen sie in den Boden ein und zischten wie giftige Schlangen. Dann rief Ravana die schreckliche Rakshasa-Waffe an, die er mit seiner eigenen ungeheuerlichen Macht ausgestattet hatte. Als er sie abschoss, rasten alle Arten seltsamer Geschosse auf Rama zu. Einige besaßen die Köpfe fürchterlicher Löwen mit weit geöffneten Mäulern und andere die von Wölfen, Schakalen, Affen, Ebern, Hunden, Alligatoren und giftigen Schlangen. Ravanas mystische Waffe erzeugte einen erschreckenden und misstönenden Klang. Sie griff Rama von allen Seiten an. Rama jedoch bewegte sich unerschüttert mit großer Flinkheit und wich den Pfeilschäften aus. Er kniete sich nieder und nahm einen leuchtenden goldenen Pfeil heraus. Er legte ihn auf seinen Bogen und rief die Agneyastra an. Mit dieser Waffe erzeugte er Pfeile jeglicher Art. Einige glichen der strahlenden Sonne, andere dem Mond und wieder andere sahen wie brennende Meteoren aus. Einige flogen wie Blitze und einige loderten wie Mondsicheln. Andere stiegen zum Himmel auf wie leuchtende Planeten und gingen auf die Erde nieder wie strahlende Sternbilder, die vom Firmament gefallen waren. Diese göttlichen Pfeile zerschlugen alle von Ravanas Geschossen, welche die Affen überall auf dem Schlachtfeld töteten. Ravana fuhr wütend auf, als er sah, dass seine wunderbaren Waffen neutralisiert wurden. Er nahm ein weiteres schreckliches Geschoss hervor, das von Maya, dem Baumeister der überirdischen Dämonen, die als Asuras bekannt sind, hergestellt worden war. Ravana lud die Waffe mit der Kraft Rudras auf und schoss sie in die Luft. Unmittelbar fielen auf allen Seiten zahllose Spieße und Keulen herunter, zusammen mit gewaltigen Eisenstäben. Mystische Schlingen und Blitze fielen auf die Affenarmee nieder, begleitet von einem schneidigen Wind, welcher nur mit dem Wind am Ende eines Zeitalters vergleichbar ist. Die dämonische Waffe vernichtete allmählich die gesamte Affenarmee. Eine riesige Anzahl brennender Geschosse nahm Kurs auf Rama, der ihnen entgegnete, indem er die Gandharva-Waffe auslöste. Sofort fegten zahllose Pfeile wie ein Laken über das gesamte Schlachtfeld, welche Ravanas Geschosse trafen und außer Gefecht setzten. Alle von ihnen wurden in Stücke zerteilt und fielen auf die Erde. Ohne nur eine Sekunde zu zögern, setzte Ravana die Suryastra ein. Sie erzeugte einen Strom großer leuchtender Diskusse, die von seinem Bogen flogen. Als sie in Sicht kamen, erhellten sie alle Himmelsrichtungen, als wären hundert Sonnen auf dem Schlachtfeld aufgegangen. Rama hielt die Stellung und durchbohrte jeden der Diskusse mit seinen eigenen Pfeilschäften, nachdem er sie mit einer Kraft aufgeladen hatte, die den Waffen des Rakshasas gleichkam. Sie zerteilten die brennenden Geschosse und neutralisierten sie, sobald sie Ravanas Bogen verließen. Im Gegenzug schickte Ravana zehn Widerhakenpfeile los, die den Prinzen überall am Körper durchbohrten. Wütend erwiderte Rama sofort mit Hundert seiner eigenen Pfeile, die mit einem dumpfen Schlag tief in Ravanas Glieder eindrangen. Dann trat Lakshmana nach vorne und forderte den Dämon heraus. Er erhob seinen Bogen und beförderte eine Anzahl von Pfeilen auf Ravana, welche die Standarte des Dämons, die das Emblem eines Menschenkopfes hatte, in Stücke teilten. Mit einem einzigen Sichelpfeil trennte Lakshmana den Kopf von Ravanas Wagenlenker ab. Dann zerlegte er mit fünf weiteren gut gezielten Pfeilen den glänzenden Bogen des Rakshasas. Zur gleichen Zeit sprang Vibhishana nach vorne und schlug mit seinem Streitkolben die Streitrösser des Dämons, die groß wie Berge waren, nieder. Ravana sprang schnell von seinem Streitwagen und starrte seinen jüngeren Bruder mit lodernden Augen an. Er schleuderte eine brennende Lanze auf Vibhishana, die wie ein Blitz aussah, doch noch während sie auf Vibhishana zuflog, zerteilte Lakshmana sie mit drei Pfeilen. Die goldene Lanze, die mit Juwelen verziert war, stürzte wie ein Schauer von Sternschnuppen zu Boden. Ravana griff nach einer weiteren Lanze, die noch schrecklicher war als die erste. Sie leuchtete wie eine grelle Glut und stieß helle Feuerzungen aus. Ravana erhob seine Lanze und richtete seinen Blick auf Vibhishana. Lakshmana sah die bedrohliche Lage seines Freundes und bedeckte den Dämonenkönig mit zahllosen Pfeilen. Die Wucht von Lakshmanas Pfeilen überraschte Ravana und er wandte sich um, um dem Prinzen gegenüberzutreten. Zornig schrie er: “Du hast Vibhishana gerettet, doch jetzt bist du selbst in ernster Gefahr. Stolzer Prinz, mach dich auf etwas gefasst! Diese Lanze ist von Maya Danava zur Vernichtung der Halbgötter gefertigt worden und wird dein Herz durchbohren und deinen Körper erst wieder verlassen, wenn sie dir dein Leben genommen hat.” Ravana zielte seine unfehlbare Lanze auf Lakshmana. Sie war mit acht goldenen Glocken geschmückt und gab laute Töne von sich, als der Dämon ausholte. Mit seinem keulengleichen Arm warf Ravana die Lanze mit voller Kraft ab. Sie raste donnernd durch die Luft und hinterließ einen leuchtenden Funkenregen. Als Lakshmana die Lanze näherkommen sah, sprach er eine Beschwörung aus: “Möge die Lanze sich als wirkungslos erweisen, dein Versuch, mir mein Leben zu nehmen fehlschlagen und mit Lakshmana alles in Ordnung bleiben.” Als der Prinz diese Worte aussprach, traf ihn die Lanze mitten auf der Brust. Schwerverletzt und bewusstlos brach Lakshmana am Boden zusammen. Rama wurde von Kummer ergriffen als er sah, in welchen Zustand sein Bruder versetzt worden war. Seine Augen füllten sich mit Tränen und sein Mund trocknete völlig aus. Wütend richtete seinen Blick auf den Dämon, wie das alles verzehrende Feuer der universalen Vernichtung. Rama eilte zu seinem Bruder. Die Lanze hatte seine Rüstung durchbohrt und steckte in seinem Körper. Rama zog die Lanze vorsichtig heraus und brach sie entzwei. Er hob Lakshmana sanft empor und umarmte ihn. Als er den schwer verletzten Prinzen hielt, schoss Ravana schlangenförmige Pfeile auf ihn ab. Ohne sich um die Pfeile zu Kümmern rief Rama Hanuman und Sugriva zu: “Beschützt diesen Prinzen achtsam. Für mich ist die Zeit gekommen, meine wirkliche Stärke zu offenbaren. Ich werde dieses zehnköpfige Monster niederstrecken. Dies ist mein unfehlbares Versprechen: Die Welt wird in Kürze entweder Ravana oder mich selbst los sein. Mögen die drei Welten heute Zeuge meiner Macht in der Schlacht sein. Ich werde eine Heldentat vollbringen, von der alle Lebewesen sprechen werden, solange die Welt besteht.” Rama stand auf und schoss einen endlosen Strom heftiger Pfeile auf Ravana ab. Der Dämon war schwer verletzt, erwiderte aber dennoch mit einem Regen von brennenden Eisenpfeilen und Eisenstäben. Rama wirkte jedem einzelnen von Ravanas Geschossen entgegen, als sie durch die Luft flogen. Er kämpfte ungestüm und schickte schwirrende Pfeile von seiner Sehne, die Ravana an jedem Körperteil trafen. Der Dämon fiel nach hinten, während sich Rama ihm näherte. Er war völlig von Ramas golden gefederten Pfeilen überdeckt. Ravana konnte kaum etwas im Gegenzug unternehmen, als Rama seinem Zorn freien Lauf ließ. Völlig überwältigt machte der Rakshasa kehrt und flüchtete. 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