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Rama erreicht den Ozean[09.07.2009] Kapitel 3 Vibhishana hatte beschlossen sich Rama anzuschließen. Er überquerte den Ozean und erreichte in weniger als einer Stunde Ramas Lager. Der intelligente Rakshasa verweilte in der Luft und bat darum, mit dem Anführer der Affen zu sprechen. Sugriva kam schnell herbei. Als er die fünf riesigen Rakshasas mit ihren Rüstungen und ihrem himmlischen Schmuck am Himmel sah, wurde er besorgt. Er überlegte gründlich. Waren die Rakshasas gekommen, um die Affen anzugreifen? Vielleicht war dies ein listiger Trick, wie es die Rakshasas ja gerne taten. Sugriva sah sich Vibhishana genau an. Der Rakshasa sah aus wie ein Berg oder eine Wolke und war so imposant wie Indra. Alle fünf Rakshasas trugen verschiedenartige Waffen. Sugriva sprach zu Hanuman: "Diese Rakshasas haben gewiss böswilligen
Absichten. Lasst uns Felsbrocken und Bäume zur Hand nehmen. Wenn wir
sie kurzerhand in der Luft erledigen, können sie ihren Plan nicht
ausführen." Während Sugriva so sprach, wandte sich Vibhishana aus der Luft an ihn: "Es gibt einen gottlosen Rakshasa namens Ravana. Ich bin sein Bruder Vibhishana. Er hat Ramas Gefährtin auf betrügerische und tückische Art entführt. Obwohl ich ihm wiederholt dazu riet, die Prinzessin auszuliefern, wollte der Dämon nicht hören. Folglich bin ich hierher gekommen, um bei Rama Zuflucht zu suchen." Vibhishana bat die Affen, Rama über seine Ankunft in Kenntnis zu setzen. Sugriva war immer noch äußerst misstrauisch. Er rannte zu Rama und sagte: "Einer unserer Feinde ist plötzlich hier aufgetaucht. Er sucht bestimmt eine Möglichkeit uns aus dem Hinterhalt zu töten. Vielleicht ist er ein Spion. Möglicherweise sind auch andere unsichtbare Rakshasas in der Gegend. Man sollte niemals sein Vertrauen in diese Dämonen setzen. Bitte sag uns, wie wir mit diesem vorgehen sollen." Sugriva sagte Rama Vibhishanas Namen, wer er war und was er gesagt hatte. Der Affenkönig war sich sicher, dass Vibhishana böse Absichten hatte und von Ravana persönlich hierher geschickt worden war. Er schlug vor, den Rakshasa und seine Landsleute sofort zu töten. Rama hörte genau zu. Er schaute zu den anderen Anführern der Affen, die bei ihm saßen. "Ihr habt Sugrivas Vorschlag gehört. Was denkt der Rest von euch?" Jeder von ihnen äußerte seine Meinung. Alle hatten das Gefühl, dass Vibhishana mit äußerster Vorsicht und Misstrauen behandelt werden sollte, dass man ihn ausfragen und testen sollte, bevor man ihm irgendwelches Vertrauen schenkte. Dann wandte sich Rama an Hanuman und bat ihn um seine Meinung. Der Affe hatte alle heiligen Schriften studiert. Mit einer Verbeugung erwiderte er Rama: "Obwohl du sehr wohl selbst dazu in der Lage bist, die Absichten dieser Rakshasas in Erfahrung zu bringen, bittest du uns aus Demut und Güte um unsere Meinung. Nur deshalb äußere ich meinen Eindruck diesbezüglich. Meiner Meinung nach sollten wir Vibhishana als einen von uns annehmen. Ich glaube nicht, dass er irgendwelche unredlichen Absichten hegt." Hanuman sagte, er habe in den Worten und im Gesichtsausdruck Vibhishanas keine Falschheit festgestellt. Wenn eine Person böse Absichten habe, werde es stets im Gesichtsausdruck offenbar. Hanuman war der Meinung, Vibhishana habe weise entschieden, dass Ramas Vorhaben dem von Ravana überlegen sei. Es sah so aus, als besäße der Rakshasa Moral und als wolle er Rama zu unterstützen. Nachdem Hanuman seine Meinung mitgeteilt hatte, die von derjenigen seiner Gefährten abwich, fragte er Rama nach seiner Ansicht. Rama dankte ihnen allen für ihre Vorschläge und sagte dann: "Ich kann eine Person, die meine Zuflucht sucht, nicht zurückweisen. Was auch immer seine Absichten sind, ich muss eine solche Person annehmen. Dies wird in den Augen rechtschaffener Menschen niemals verurteilt." Sugriva war durch Ramas Aussage bestürzt. Er war immer noch überzeugt, dass Vibhishana ihnen feindlich gesinnt war. Der Affenkönig versuchte erneut Rama zu überreden. "Was spielt es für eine Rolle, ob seine Absichten gut oder schlecht sind?", argumentierte Sugriva. "Schließlich ist er ein Rakshasa und wird stets in seine Natur zurückfallen. Und überdies, wenn er selbst seinen eigenen Bruder zurückweisen kann, wie können wir ihm dann jemals wie einem Freund vertrauen?" Sugriva wünschte, dass man Vibhishana gefangen nahm und vielleicht sogar tötete. Der Rakshasa war Ravanas Bruder. Sein Bündnis mit Rama würde niemals seine viel tiefere Zuneigung zu seinem eigenen Volk übersteigen. Sugriva schaute Rama besorgt an, der aber lächelte und antwortete gütig: "Deine Bedenken sind durchaus begründet, mein edler Vanara, doch ich habe sorgfältig darüber nachgedacht. Selbst wenn dieser Dämon böswillig ist, welchen Schaden kann er schon anrichten? Ich kann die gesamte Rakshasa-Horde mit dem kleinen Finger vernichten. Wir sollten keine Angst haben. Und wir sollten stets an den Anweisungen der vedischen Schriften festhalten." Rama erklärte, gemäß den Grundsätzen der Schriften müsse selbst ein Feind gastfreundlich empfangen werden. Wenn jemand komme und Zuflucht suche, müsse man ihm selbst auf Kosten seines eigenen Lebens Schutz gewähren. Man solle sich keine Gedanken über seine Absichten machen, seien sie gut oder schlecht. Wenn man jemanden, der um Zuflucht bittet, abweise und er zugrunde gehe, erhalte dieser alle frommen Verdienste desjenigen, der ihn zurückgewiesen habe. Durch eine solche Nachlässigkeit lade man sich eine große Sünde auf. Zum Schluss sagte Rama: "Wenn jemand zu mir kommt und nur einmal sagt 'Ich bin dein', dann werde ich ihm von dort an bis in alle Ewigkeit Mut machen und ihm vor allen Gefahren Schutz gewähren. Dies ist mein feierlicher Schwur, den ich hier vor euch allen ablege. Selbst wenn Ravana persönlich zu mir käme, würde ich ihm nicht die Zuflucht verweigern. Bring Vibhishana hierher, denn ich habe ihm bereits Zuflucht gewährt." Jeder der Anwesenden war von Ramas Worten tief berührt. Mit Tränen in den Augen sagte Sugriva: "Es ist kein Wunder, dass du auf diese Weise sprichst, lieber Rama. Du weißt am besten, was richtig ist und bist stets der Tugendhaftigkeit ergeben. Meine Zweifel sind beseitigt. Möge Vibhishana unsere Freundschaft auf der gleichen Ebene mit uns allen genießen."
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