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Mit Syllable gibt es nun seit einiger Zeit ein weiteres freies Betriebssystem. Im Gegensatz zu den meisten verbreiteten freien Systemen ist es vollgrafisch, muss also nicht auf zusätzliche Software zurückgreifen, um eine grafische Oberfläche zur Verfügung zu stellen. Grundsätzlich ist auch für den Einsatz auf dem Desktop ausgelegt. Das Projekt steckt zwar weiterhin in den Kinderschuhen, ist aber inzwischen soweit gereift, dass sich ein Blick auf diese vielversprechende Software lohnt.
Von Jan Niemeyer

Inhalt
    1. Zur Geschichte
    2. Aufbau und Eigenschaften
    3. Installation
    4. Betrieb und Praxis
        4.1. Konfiguration
        4.2. Native Software
        4.3. Portierte Anwendungen
    5. Ausblick und Fazit
    6. Referenzen


1. Zur Geschichte
 

Zu Atheos' Hochzeiten stand teilweise mehr Software zur Verfügung als heute. Hier sind Lincity und Galaga zu sehen.

Syllable ist ein Fork des Betriebssystems Atheos, das weitestgehend im Alleingang von Kurt Skauen entwickelt wurde. Mit Atheos entwickelte er ein Desktop-Betriebssystem für x86-Prozessoren, das eigentlich als ein Amiga-Klon gedacht war. Diesen Plan verwarf er jedoch nach einiger Zeit. Nichtsdestotrotz blieb der Amiga das Vorbild, wie man es noch an manchen Stellen des Systems sehen kann. Häufig vermuteten auch Benutzer des Multimedia-Betriebsystems BeOS einen Vorbildcharakter »ihres« Systems auf das Projekt.

So ganz falsch ist letzteres nicht, so kannte Skauen BeOS und das Dateisystem AFS ist auch an das Be-Dateisystem angelehnt, dennoch hat Skauen das System selbst nie benutzt und plante auch nicht, Atheos nach jenem zu formen. Durch den Niedergang von Be Incorporated verzeichnete das Projekt Ende der 90er jedoch einen starken Zustrom von ehemaligen BeOS-Entwicklern. Es wurde gar der Versuch unternommen, einen BeOS-Nachfolger auf Basis von Atheos zu schaffen. So schaffte es der Entwickler Bill Hayden, innerhalb kürzester Zeit den BeOS-Klon »Cosmoe« mittels der Portierung der grafischen Oberfläche von Atheos auf den Linuxkernel zu entwickeln.
 

Der Browser ABrowse war für damalige Verhältnisse sehr modern

Skauen selbst leistete die Portierung mancher bekannter Software auf Atheos. So wurde die Projektseite von einem auf Atheos portierten Apache bereitgestellt. Ebenso schuf er den Webbrowser ABrowse auf Basis von KHTML. Andere bekannte Ports waren EMACS, Mutt oder Lincity, die sowohl von der fortgeschrittenen POSIX-Kompatibilität des Systems profitierten als auch von der Verfügbarkeit der Bash.

Skauen wendete sich nach Fertigstellung von Version 0.3.7 im Jahre 2001 jedoch anderen Dingen zu, sodass die Entwicklung für einen Zeitraum von einigen Monaten stagnierte. Durch seine fehlende Bereitschaft, an dem Projekt weiterzuarbeiten, verloren auch die anderen Entwickler allmählich das Interesse. Das Projekt drohte unterzugehen. Der Entwickler Kristian van der Vliet hatte vergeblich auf ein Eingreifen Skauens gewartet und unternahm deshalb im Juli 2002 einen Fork, der den Namen Syllable trug. Mitte Juli gleichen Jahres erschien die erste Version - 0.4.0 - und inzwischen ist es Van der Vliet gelungen, große Teile der Gemeinschaft wiederzubeleben.


2. Aufbau und Eigenschaften

Bei dem Kernel handelt es sich um einen monolithischen Kernel, da alle Treiber im Kernel-Space laufen. Dieser Kernel ist aber extrem modular aufgebaut. So gibt es einzelne Module für die PPP- oder Ethernet-Schnittstelle, die Dateisysteme oder für die Bus-Manager (z.B. PCI). Insofern also ein modularer monolithischer Kernel.

Hinzukommen jedoch die Server, wie den App- und den MediaServer. Diese laufen im User-Space, wobei der AppServer vor allem die Grafikhardware anspricht, während der MediaServer sich um Audiogeräte kümmert. Man kann also z.B. sagen, dass 99% der Routinen, die die Grafikhardware ansprechen, im User-Space laufen.

Dieser Aufbau lässt sich also nicht einfach dem Schema eines monolithischen Kernels zuordnen, sondern trägt auch Eigenschaften eines Microkernels. Eine genaue Zuordnung ist also nicht ganz einfach, wobei es kein Fehler ist, diese Konstruktion als einen sehr modularen monolithischen Kernel zu betiteln.

Wegen der hohen Modularität ist eine angepasste Version von GRUB notwendig, die sowohl vom AFS-Dateisystem lesen als auch die Treiber in den Speicher laden kann.

Die Hardwareunterstützung ist im Vergleich zu Atheos, das noch nicht mit CDROM-Laufwerken umgehen konnte, kräftig ausgebaut worden. So wird inzwischen folgendes unterstützt:
  • Syllable verfügt über ein eigenes Dateisystem namens »AFS«, das seit Atheos nicht viel weiterentwickelt wurde. Es handelt sich dabei um ein modernes 64-Bit Journaling-Dateisystem. Natürlich werden auch andere Dateisystem unterstützt. So kann auf »ext2« und »ext3« zugegriffen werden, auf ext3 jedoch nur lesend. Auf »FAT«-Dateisysteme lässt sich ebenfalls lesend und schreibend zugreifen. Inzwischen wurde auch der »NTFS«-Treiber ins Basissystem aufgenommen. Dieser ist bis dato noch nicht für Schreibzugriffe geeignet.
  • Ein »ATAPI«-Treiber ist verfügbar, der im Vergleich zu Atheos CDROM-Zugriffe und die Einbindung von Festplatten im UDMA-Modus ermöglicht. Treiber für einige »SATA«-Chipsätze stehen inzwischen ebenso bereit. Dennoch müssten weitere portiert werden.
  • »USB« wird unterstützt, die libusb steht ebenso bereit, die inzwischen z.B. den Einsatz von Scannern ermöglicht. Durch CUPS lassen sich auch Drucker ansteuern. Ebenso lässt sich auf per USB angeschlossene Festplatten und CDROM-Laufwerke zurückgreifen.
  • »ACPI« wird seit einigen Versionen ebenfalls unterstützt. Dies ermöglicht den Einsatz auf mehreren Prozessoren und Hyperthreading, auch wenn noch keine Optimierungen in dieser Richtungen unternommen wurden (z.B. ein angepasster Scheduler). Inzwischen dazu gekommen oder in naher Zukunft eingepflegt werden zusätzliche Treiber zum Anpassen der CPU-Frequenz, so z.B. Unterstützung für AMDs »PowerNow!«.
  • Eine ganze Reihe von »Netzwerkkarten« wird unterstützt, so sollten zumindest die am weitesten verbreiteten unterstützt werden. Treiber für Gigabit-Karten wurden inzwischen auch portiert. WLAN wird leider bis dato nicht unterstützt. Der Zugriff lässt sich mittels PPPoE oder Ethernet realisieren. Eine vollständige Infrastruktur zum Zugriff auf Netzwerke (Protokolle wie UDP und TCP, DHCP-Server etc.) steht bereit. Neu ist der TUN-Treiber, der es User-Space-Programmen erlaubt, als Endpunkt eines Netzwerkes in Erscheinung zu treten.
  • Für den Appserver genannten Teil des Systems, der für die grafische Oberfläche zuständig ist, gibt es eine mit der Zeit gewachsene Anzahl von portierten »Grafik«-Treibern. Generell eine gute Übersicht über verfügbare Treiber liefert syllable-hardware.info

Die grafische Nutzerschnittstelle wird durch den Appserver bereitgestellt, von dem es inzwischen eine Portierung auf den Linux-Kernel gibt. Damit gibt es nun zwei Versionen, die parallel zueinander weiterentwickelt werden: »Syllable Server« mit dem hochgradig netzwerkpotenten Linux-Kernel als Fundament und »Syllable Desktop«, mit einer - im Vergleich zur Server-Version - besseren Grafikfähigkeit (in der Server-Version kommuniziert der Appserver mit der Grafikhardware mittels DirectFB, einer Bibliothek ohne Hardwarebeschleunigung).

Der Kernel ist nahezu vollständig in C geschrieben und auf 32 Bit ausgelegt, während die API in der Sprache C++ bereitsteht. Bemühungen, den Kernel auch in einer 64-Bit-Version bereitzustellen, gab es bereits, diese wurden jedoch fürs Erste hintangestellt.

Das System kann im Gegensatz zu seinen Vorbildern AmigaOS und BeOS mit mehreren Benutzern umgehen. Einmal abgesehen von einer Trennung zwischen dem Super-User »root« und »normalen« Benutzern gibt es keine Sicherheitsmaßnahmen, wie eine Rechteverwaltung. Diese soll jedoch mit dem geplanten »SylSec« eingeführt werden (s. Roadmap).

3. Installation
 

Einen grafischen Installer gibt es bisher leider noch nicht

Will man wirklich nur einen Blick auf Syllable werfen, sind natürlich die Live-CDs ratsam. Diese finden sich in unterschiedlichen Lokalisierungen auf syllable-livecd.info. Eine andere Möglichkeit ist die Installation eines bereits vorgefertigten VMware-Abbildes.

Installationsmedien sind auf der Projektwebsite syllable.org verfügbar. Ein grafischer Installer ist seit längerer Zeit in Planung, aber noch nicht realisiert. Bisher muss man sich daher mit einem rein textbasierten begnügen. Und natürlich sollte man wie immer Vorbereitungen und Vorsichtsmaßnahmen treffen, also vor allem sicherstellen, dass die Installationspartition keine sensiblen Daten enthält.

Nachdem dies geklärt ist und das Image auf eine CD gebrannt wurde, kann von CD gebootet werden. Es wird - hoffentlich - der Bootloader GRUB erscheinen, der den Start der Installation ermöglicht. Syllable mag inzwischen zwar recht weit fortgeschritten sein, man muss aber noch mit kleineren Aussetzern rechnen. Es kann also sein, dass der Kernel während des Bootens einfriert. In der Regel wird man diese Hürden jedoch mittels Bootoptionen nehmen können:
enable_ata_dma=false  disable_pci=true  disable_acpi=true  disable_usb=true
Man sollte diese Parameter anwenden, wenn Probleme auftauchen. Natürlich sollte man dann aber auch den Fehler im Forum, auf der Mailingliste oder im Bug-Tracker kundtun, je nach eigenem Kenntnisstand. Aufgrund solcher Fehler sollte man dieses ambitionierte Projekt nicht gleich als unnütz oder schlecht abstempeln, sondern den Entwicklern bei der Problemlösung helfen.

Bootet der Kernel wie gewollt, so wird ein Terminal mit der Installationsroutine erscheinen. Diese wird den Nutzer weitestgehend durch die Installation leiten und sollte durch die meisten zu bewältigen sein. Sollten dennoch Fragen oder Probleme aufkommen, hilft die bereits bestehende Dokumentation hoffentlich weiter.

Eine Anmerkung sollte an dieser Stelle jedoch noch gemacht werden. Problematisch ist nämlich nach wie vor die Installation des GRUB-Bootloaders. Bei diesem handelt es sich um eine spezielle Version, die auf das AFS-Dateisystem zugreifen und mit den Syllable-Kernelmodulen umgehen kann. Diese stand jedoch lange Zeit für Syllable selbst nicht zur Verfügung, sondern nur für Linux. Inzwischen steht zwar ein Port bereit, aber in der neuen Version kann es immer noch zu Problemen kommen. Daher sollte man den von der Installations-CD bootbaren GRUB-Bootloader selbst zur Installation verwenden. Dies kann man mittels
  root=(hd0,8)  setup=(hd0,8)
In diesem Beispiel sollte man natürlich die für die eigenen Installation passenden Werte eintragen. Bei hd0,8 handelt es sich um die erste Festplatte und deren 9. Partition. Dies muss die Syllable-Partition sein. Das Beispiel installiert auf dieselbe Partition, auf der auch das System zu finden ist. Kann natürlich auch der MBR (setup=(hd0)) sein.

Es wird empfohlen, die Syllable-Version von GRUB auf die gleiche Partition wie das System selbst zu legen und diesen Bootloader dann von einem bereits installierten zu laden. Sollte GRUB bereits installiert sein, so geschieht dies mittels eines Eintrags in die /boot/grub/menu.lst:
title Syllable  root=(hd0,8)  chainloader +1
Danach sollte einen eine frische Syllable-Installation erwarten.

4. Betrieb und Praxis

Nach dem ersten Start erwartet einen der Anmeldebildschirm. Bisher gibt es nur den Benutzer root mit gleichnamigen Passwort. Nach dem Anmelden sollte unverzüglich das Passwort geändert werden und ein weiterer Benutzer angelegt werden. An diesem Punkt sollte man sich auch erst einmal mit der WELCOME-Datei auseinandersetzen, die einem den Start in die neue Umgebung erleichtert. Ein Link auf diese Datei findet sich nach dem ersten Start auf der Arbeitsfläche.

4.1. Konfiguration

Das Ziel ist es, das System einmal nur mit grafischen Hilfsmitteln zu konfigurieren. Für die meisten Dinge ist dies auch bereits der Fall, so z.B. um die Auflösung des Bildschirms, das Tastaturlayout, die Sprache der Oberfläche oder aber die Einstellungen der Drucker zu ändern. Letzteres umfasst jedoch nur die elementaren Konfigurationsmöglichkeiten.

Für portierte Anwendungen wie z.B. CUPS und Samba gibt es noch keine speziellen Konfigurationsfrontends, daher muss man die jeweiligen Dateien unterhalb von /etc editieren.

Den Kernel selbst kann man vor allem über die oben beschriebenen Bootoptionen anpassen. Über den Bootloader kann man jedoch auch eine Wahl der Module treffen, da diese vom jeweiligen Bootloader mit dem Kernel in den Speicher geladen werden müssen. Eine (Grub-)Konfiguration könnte also so aussehen:
kernel /system/kernel.so rootfs=iso9660 root=@boot disable_config=true uspace_end=0xf7ffffff
module /system/drivers/dev/bus/acpi
module /system/drivers/dev/bus/pci
module /system/drivers/dev/bus/ata ..
Anpassungen kann man nun durch Ändern der jeweiligen Einträge in /boot/grub/menu.lst vornehmen. Gerätespezifische Funktionen kann man jedoch noch nicht ändern.

4.2. Native Software
 

Die neue, auf WebKit aufbauende ABrowse-Version ist wesentlich flexibler. Mit JavaScript, SSL und anderen Technologien ist er auf jeden Fall besser für die Zukunft gerüstet als sein Vorgänger.

Ein Großteil der nativen Software ist bereits mit der Basis-Installation auf der Festplatte gelandet. Einen guten Überblick über die bestehende Software lieferte die Datenbank Kamidake, die aber seit einem Festplatten-Crash nicht mehr zur Verfügung steht. Die neue Datenbank syllable-software.info ist leider noch im Aufbau begriffen.

»ABrowse« ist der native Browser von Syllable und basiert seit Version 0.6.4 auf WebKit und nicht mehr auf einer veralteten Version von KHTML. Dieser Umstieg machte JavaScript und moderne Web-Standards verfügbar. »Whisper« ist ein E-Mail-Client, der aber bisher nur Zugriff auf POP3-Postfächer erlaubt. Daneben gibt es die üblichen kleinen Helferlein, wie einen Bildbetrachter und einen Texteditor. Weitere nennenswerte Programme sind »SIDE« - wie der Name verrät: eine IDE, »SimpleBurn« - eine Anwendung zum Brennen von CDs - oder »Contact« zum Verwalten von Personendaten. Wichtig ist auch das Developers Delight-Paket, das sowohl SIDE als auch wichtige Compiler, Bibliotheken und Entwicklungstools bereitstellt (in Version 7: GCC 4.1.2, Doxygen, Ruby und andere).

Native Software ist über das Anwendungsmenü am oberen linken Bildschirmrand zu erreichen. Alle Programme liegen dabei in Form einzelner Ordner im Verzeichnis /Applications. Da native Programme in Form von Zip-Paketen kommen, lässt sich die Installation eines solchen Paketes folgendermaßen bewerkstelligen:
unzip abrowse-0.5a.bin.zip -d /Applications
Zum Entfernen löscht man einfach den jeweiligen Ordner.

Gebaut wird native Software mit dem Programm »Builder«, ebenso portierte Anwendungen und das Betriebssystem selbst. Dies erreicht man durch einen Aufruf von Builder mit dem Verzeichnis, das den Quellcode enthält, als Argument:
builder beispiel/
Vorher muss Builder jedoch mit dem »Developers Delight« getauften Paket installiert werden.

4.3. Portierte Anwendungen
 

Auch das Spiel Battle for Wesnoth steht als Port bereit

Bei portierten Anwendungen handelt es sich vor allem um Anwendungen für die Konsole, wie den Mailclient Mutt und SDL-Programme. Syllable beinhaltet eine Unterstützung für einen großen Teil des POSIX-Standards und auch ncurses, sodass eine Portierung von Terminalprogrammen relativ einfach ist. Für Syllable steht außerdem eine nahezu vollständige Version der Multimedia-Bibliothek SDL zur Verfügung, sodass auch so manches Spiel, wie z.B. Battle for Wesnoth, portiert wurde. Der SDL-Port ist inzwischen nahezu vollständig und läuft zufriedenstellend. Emulatoren wie Mopen64 (N64), ZSNES (SNES) oder E-UAE (AMIGA) konnten mit wenigen Zeilen Anpassung unter Syllable zum Laufen gebracht werden. Die Performance lässt leider manchmal noch zu wünschen übrig, da Unterstützung für OpenGL zum Beispiel bisher leider nur in Planung ist. Auch Dosbox und Bochs stehen bereit; nur Qemu bereitet den Entwicklern Kopfschmerzen.

Wie man Portierungen in Syllables grafische Oberfläche einbindet zeigt der auf WebKit basierende Browser. Seit kurzen gibt es auch eine Portierung des Flash-Players »Gnash«, die gute Aussichten auf eine native Oberfläche hat.

Installiert werden diese Pakete ebenso wie die nativen mit dem Paketsystem »Builder«. Auch diese Software liegt in der Regel in Zip-Paketen vor. Nur, da es sich vermutlich um Software im POSIX- oder UNIX-Sinne handeln wird, im Verzeichnis /usr.
unzip gcc-4.1.1.bin.2.zip -d /usr
Dieses Paket muss dann noch beim Paketmanager angemeldet werden. Vor dem Löschen des Programmes sollte es dann aber auch wieder abgemeldet werden:
package register /usr/gcc  package unregister /usr/gcc
Und auch hier wird »Builder« zum Bauen der Software eingesetzt. Da Programme von Dritten jedoch erst an das neue System angepasst werden müssen, sind sogenannte Rezepte notwendig. Diese beschreiben z.B. die Argumente, mit denen die Kompilierung ausgeführt wird oder sogar Patches und wie diese angewendet werden müssen. Die Basisinstallation enthält bereits alle bekannten Rezepte, diese finden sich im Verzeichnis /usr/Builder/packages. Genaueres zu diesem Thema liefert jedoch die Dokumentation von Builder.

5. Ausblick und Fazit

Es gibt eine regelrechte Szene von Hobby- und alternativen Betriebssystemen. Manche dieser Systeme starben einen frühen Tod, weil ihr(e) Entwickler das Interesse verloren, manche sind an zu hohen Ambitionen gescheitert und wiederum andere an mangelndem Interesse außerhalb des Projektes. Syllable hat inzwischen so manche dieser Hürden hinter sich gelassen. Kristian van der Vliet hat es geschafft, die Nutzer- und Entwicklerbasis wiederzubeleben und so zu erweitern. Auch wenn angemerkt werden muss, dass die Entwicklung immer noch von einem kleinen Kern von Entwicklern getragen wird, ist dies doch schon ein Fortschritt.

An mangelndem Interesse krankt das Projekt auch nicht, wird es innerhalb der Szene doch inzwischen als das vielversprechendste gehandelt. Es scheint nun ein Punkt erreicht worden zu sein, an dem die fortgeschrittene Entwicklung immer mehr Entwickler anzieht, sodass der Fortschritt allmählich sich selbst zu tragen beginnt.

Das System läuft durchaus passabel auf den meisten - auch modernen - Computern. Seit dem Fork wurde die Hardwarefähigkeit beträchtlich erhöht und die meisten Fehler in den hinzugekommenen Bus- und Schnittstellentreibern ausgemerzt. Weitere Schnittstellen wie SATA und PCMCIA werden bereits in Angriff genommen. Für weitere Fortschritte werden aber vor allem Hardwarespenden benötigt. Auf diesem Wege entstand schon so mancher wichtiger Treiber. Unterstützung ist also sehr willkommen!

Häufig gestellt wird auch die Frage, welchen Sinn denn dieses Projekt habe; ob es denn nicht Verschwendung von Arbeitskraft sei? Es gäbe doch schon eine Reihe freier Betriebssysteme, die bereits sehr weit fortgeschritten sind. Nun sind diese Betriebssysteme aber in der Regel etabliert und tiefgreifende Änderungen werden sowohl durch die Nutzerbasis als auch durch technische Hindernisse unmöglich gemacht. So wird es nie möglich sein, eine feste Einheit aus Kernel, grafischer Oberfläche und API auf Basis des Linux-Kernels zu bilden.

Syllable hat an diesem Punkt noch die Chance, vieles besser zu machen als die anderen. Wer noch kein Betriebssystem gefunden hat, das seinen Ansprüchen genügt, der sollte sich Syllable zumindest einmal anschauen. Und auch wer sich zufrieden glaubt, sollte einen Blick über den Tellerrand wagen.

6. Referenzen
Geschichte
Kopie der Atheos-Homepage: http://atheos.syllable-norden.info/
Interview mit Kurt Skauen (Osnews): http://www.osnews.com/story.php/66/Interview-With-The-AtheOS-Creator-Kurt-Skauen/
Interview mit Kurt Skauen (Slashdot): http://developers.slashdot.org/article.pl?sid=01/09/07/1727254
Projekt und Gemeinschaft
Projektseite: http://www.syllable.org/
Forum: http://www.syllable.org/forum.php
Bugtracker: http://development.syllable.org/BugDar/
Live-CDs: http://www.syllable-livecd.info/
Hardware-Datenbank: http://www.syllable-hardware.info/
Interview mit Maintainer van der Vliet: http://www.osnews.com/story.php/3802/Interview-with-Syllables-Kristian-Van-Der-Vliet/
Review von Linux.com: http://www.linux.com/articles/56315
Entwicklung und Dokumentation
Dokumentation zu API und anderem: http://www.syllable.org/docs/
Beispielhafte Treibenentwicklung: http://www.syllable.org/docs/developers/drivers/introduction/part1.html
Weekly Builds: http://development.syllable.org/weekly/
Roadmap: http://development.syllable.org/plans.php
Syllable Development Newsletter (SDN) Vol. 1: http://syllable-news.info/
Demonstrationsvideo: http://syllable.org.s3.amazonaws.com/events/2007/SylCon/2007-06-Kaj-demoes-Syllable-0.6.4.avi
Demonstrationsvideo (torrent): http://syllable.org.s3.amazonaws.com/events/2007/SylCon/2007-06-Kaj-demoes-Syllable-0.6.4.avi?torrent
Video von Syllable Server: http://syllable.org.s3.amazonaws.com/events/2007/SylCon/2007-06-Kaj-demoes-Syllable-Server.avi
Video von Syllable Server (torrent): http://syllable.org.s3.amazonaws.com/events/2007/SylCon/2007-06-Kaj-demoes-Syllable-Server.avi?torrent

Lizenz

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