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Vom Fichtelgebirge, an dessen höchstem Bergkopfe die thüringische Saale
entspringt, ziehen und schweben die Schleier der Sage nach dem nahen
Frankenwalde herüber, und lassen sich auf thüringischem Boden nieder.
Der „Nachtjäger", der im Butzenreuth, im Zeitelmoos und anderen Forsten
dieser Gebirge rumort, streift mit dem Heere seiner Butzen (Pötze,
Pütze, Pöpel, Popanze) auch auf dem Frankenwald, und wird auf
dreibeinigem Rosse reitend, von Jagdhunden umkläfft, stetig jagend
erblickt. Und wie fast überall da, wo auch nur noch Spuren sagenhafter
Ueberlieferung vom wüthenden Heere und wilden Jäger anzutreffen sind,
die Zwergensage auftritt, so auch in diesen Gründen.
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Wichtlein im untern Werrathale In dem ganzen Thalgebiete der
Werra, da wo die Hörsel in dieselbe einmündet, kommt die mythische
Trias, der Hulda, der Wichtlein und der wilden Jagd abermals zu
mannichfaltiger sagenhafter Erscheinung. Schon in Mitten der Wegstrecke
zwischen Tiefenort und Berka an der Werra liegen die Hulden-Berge. In
den sogenannten Göhringer Steinen läßt die örtliche Sage eine Hulda als
Wasserfeine in einer Krystallgrotte wohnen, und mit Wichtlein bevölkert
sie das Werrathal/ schon von Gerstungen an, über Berka herab, dann über
Sallmannshausen und Hörschel bis Spichra.
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der schon damals mit Marmor umzugehen wußte und mit großen Blöcken auf
den Schultern sozusagen hausieren ging. Einst begegnete ihm ein
vornehmer Herr und fragte, ob er nicht auf dem Ifinger ein Kirchlein
bauen wolle, doch müsse er einen großen Block hinaufliefern. Abgemacht!
Kaum waren sie eine Stunde bergan gegangen, entkam dem Riesen der
Marmorklotz und rollte davon. Erzürnt schwur der Riese:
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Die Stadt Schleusingen hat von uralten Zeiten her zum Wahrzeichen eine
Wasserminne, ein Wesen, welches man im heidnischen klassischen
Alterthume eine Sirene nannte; dieses Zeichen kann man auf dem Schilde
des dortigen Rathhauses im frischen Farbenschmucke der Erneuung täglich
prangen sehen. Ein reicher Graf soll, als er in dieser Gegend jagte,
ein weißes Reh aufgejagt und unablässig verfolgt haben, das in eine
Grotte sich flüchtete, und wie er auch hier nachfolgen wollte, wäre ihm
über drei Quellen eine herrliche Wasserfeine erschienen, die ihm
vertraut habe, jenes Reh sei ihre verzauberte Tochter,/ die er erlösen
könne.
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Das Begegnen eines
männlichen Wassergeistes mit bestimmtem Namen ist in den Sagen
Thüringens von sehr seltenem Vorkommen, daher ist um so mehr darauf zu
achten. Es ist aber überhaupt die Gegend und das uralte/ vormals
hennebergische Städtchen Themar sehr sagenreich, und voller mythischer
Anklänge. Der Hackelmärz wohnt in der Werra und Schleuse; die Kinder
fürchten ihn sehr, wenn sie baden und machen sich einander gegenseitig
mit ihm zu fürchten, indem sie rufen:
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In
den weitgedehnten Forsten des Bleßberges, des höchsten in diesem
Gebiete, arbeitet zur Nachtzeit eine unsichtbare Säge, Zwerge sollen es
sein, die sie handhaben, um manchen armen aber wackeren Holz-Mann zu
schnellerem Verdienst gelangen zu lassen. Besonders aber war das
Zwergengeschlecht thätig in einer Höhle, welche zwischen den Dörfern
Meschenbach und Rabenäußig gelegen ist, und das Zinselloch heißt.
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In der Eisfelder Gegend wohnten viele und starke
Riesen, ein gewaltiges Geschlecht, und man kann in den Dörfern
Bachfeld, Grub, Crock, Stelzen und anderen noch öfter von denselben
erzählen hören. Auch in dieser Gegend/ wiederholt sich genau wie auf
dem Harze, bei Blankenburg auf dem Thüringer Walde und im Elsaß die
Sage von einem Riesentöchterlein, das sich einst zu seiner Lust erging
und einen Ackersmann fand, den es sammt Vieh und Pflug in das
Schürzchen raffte und freudig zum Vater auf die Burg trug, indem es
sich über das niedliche zappelnde Spielzeug kindisch freute.
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In
der Mitte des Dorfes Mühlberg befindet sich eine wunderbare Quelle,
welche der Spring genannt wird. Diese Quelle friert auch im Winter
nicht zu und ist bis zu 26 Fuß tief. Bei gutem Wetter verwandeln die
Sonnenstrahlen das tiefe kristallklare Wasser in eine bezaubernd schöne
Welt mit lauter Gold und Silber, blitzenden Edelsteinen und grün
schimmernden Smaragden.
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In
grauer, fast schon vergessener Vorzeit war das Thüringer Becken vom
Meer bedeckt, dessen Fluten sich vom heutigen Inselsberg im Süden bis
zum Steigerwald im Osten, sowie den Höhenzügen der Hainleite im Westen
und der Schmücke im Norden erstreckten. An den Ufern dieses Meeres
lebten damals die Riesen, welche sich auf den höchsten Berggipfeln
niedergelassen hatten und auch Heunen genannt wurden.
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Die Hörselberge, im
Westen des Gothaer Landes nach Eisenach zu gelegen, gelten seit
altersher als die Heimstatt der Zwerge. Diese hausen als dienstbare
Geister der schönen Frau Venus in den Tiefen des Berges und tun sich in
den umliegenden Dörfern mal als böse, manchesmal auch als helfende
Gesellen um. Ihr Ein- und Ausgang ist das sogenannte Hörselbergsloch
oberhalb von Kälberfeld.
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