|

Vor vielen Generationen, als die Lakota noch an dem See weit im Osten
lebten, hatten sie einen schrecklich strengen Winter. Der Schnee lag
hoch, und die Flüsse waren bis auf den Grund gefroren. Jeden Tag hörte
man das scharfe Krachen der Bäume, wenn der Frost an ihren Herzen
nagte, und in der Nacht reichten die hoch aufgeschichteten Felle und
die lodernden Feuer in den Tipis kaum aus, um die Kälte zu vertreiben.
|
An einer Felswand, da, wo das Götzenthal und das Jonasthal in einander
übergehen, ist ein Bergloch, das zugleich ein Zwergloch ist. Man nennt
es das „Bölersloch"; ein Volk gutartiger Zwerge, die Bölersmännchen,
wohnte darin, und gehorchte einem Könige, des Namens Böler. Bei diesem
so ungewöhnlichen Zwergnamen könnte man sich fast versucht fühlen, an
den Bölverker der Eddadichtung zu denken, der ein Bergloch bohrte, in
das er, verwandelt in einen Wurm, einschlüpfte, und der kein anderer
war, als Odin selbst – wenn es überhaupt denkbar wäre, daß ein früher
Nachhall der Eddamythe sich bis in diese Gegend verloren hätte.
|
Zur Linken des idyllisch-friedlichen Wiesenthales, in welchem das Dorf
Angelrode, eine Stunde aufwärts über dem Städtchen Plaue liegt, und
durch das die Gera sich schlängelt, rauscht ein Bergwald, das
Kirchenholz, der Berg selbst ist der Weissenberg geheißen. Fast immer
ist diese Benennung von mythischem Anklang und stammt ab vom uralten
„wiht", (unseliger Geist,) daher Wichtlein, daher auch die
Witgensteine, Wizzenhöhlen u.s.w. Dort soll, so geht die Sage, vor
Zeiten ein altes Schloß gestanden haben, allein dasselbe scheint
spurlos verschwunden zu sein, und Niemand weiß mit Gewißheit dessen
Stätte zu bezeichnen.
|
Vor mehr als fünfhundert Jahren lebte in Villingen im Schwarzwald ein
Mann von riesenhafter Größe und Stärke namens Romeias, dessen Eltern
durchaus nicht über das gewöhnliche Menschenmaß reichten. Wenn Romeias
durch die Stadt schritt, konnte er in den zweiten Stock der Häuser
sehen. Die drei langen Pfauenfedern, die er auf dem Hut trug, ließen
ihn noch größer erscheinen.
|
Wenn man den Wirrbach, der bald über bemooste Schieferblöcke rauscht,
bald klare Wasserbecken bildet, und nebenbei die köstlichsten Forellen
beherbergt, überschritten hat, steht man am Fuße der mächtigen
Hünenkoppe, deren Felswände von trauriggrünem Taxus und schlanken
Tannen bewachsen sind. Hoch auf dem Gipfel, zu dem ein bequemer Weg
gebahnt worden ist, eröffnet sich eine herrliche Aussicht.
|
Im Schallholz, eine Viertelstunde westlich Merkendorf, ohnweit
Zeulenrode, hasuten ebenfalls Holzmännel und Holzweibel; sie waren den
Leuten sehr gerne behülflich und dienstbar, insonderheit beim
Heumachen, doch waren sie nicht blöde, und nahmen nicht selten
ungefragt Klöse aus den Töpfen und Brode aus den Oefen. Das war endlich
den Merkendorfer Leuten nicht recht, sie sannen/ darauf, diese unlieben
Gäste los zu werden, und wendeten die dazu dienlichen Mittel an.
|
Vom Fichtelgebirge, an dessen höchstem Bergkopfe die thüringische Saale
entspringt, ziehen und schweben die Schleier der Sage nach dem nahen
Frankenwalde herüber, und lassen sich auf thüringischem Boden nieder.
Der „Nachtjäger", der im Butzenreuth, im Zeitelmoos und anderen Forsten
dieser Gebirge rumort, streift mit dem Heere seiner Butzen (Pötze,
Pütze, Pöpel, Popanze) auch auf dem Frankenwald, und wird auf
dreibeinigem Rosse reitend, von Jagdhunden umkläfft, stetig jagend
erblickt. Und wie fast überall da, wo auch nur noch Spuren sagenhafter
Ueberlieferung vom wüthenden Heere und wilden Jäger anzutreffen sind,
die Zwergensage auftritt, so auch in diesen Gründen.
|
Wichtlein im untern Werrathale In dem ganzen Thalgebiete der
Werra, da wo die Hörsel in dieselbe einmündet, kommt die mythische
Trias, der Hulda, der Wichtlein und der wilden Jagd abermals zu
mannichfaltiger sagenhafter Erscheinung. Schon in Mitten der Wegstrecke
zwischen Tiefenort und Berka an der Werra liegen die Hulden-Berge. In
den sogenannten Göhringer Steinen läßt die örtliche Sage eine Hulda als
Wasserfeine in einer Krystallgrotte wohnen, und mit Wichtlein bevölkert
sie das Werrathal/ schon von Gerstungen an, über Berka herab, dann über
Sallmannshausen und Hörschel bis Spichra.
|
der schon damals mit Marmor umzugehen wußte und mit großen Blöcken auf
den Schultern sozusagen hausieren ging. Einst begegnete ihm ein
vornehmer Herr und fragte, ob er nicht auf dem Ifinger ein Kirchlein
bauen wolle, doch müsse er einen großen Block hinaufliefern. Abgemacht!
Kaum waren sie eine Stunde bergan gegangen, entkam dem Riesen der
Marmorklotz und rollte davon. Erzürnt schwur der Riese:
|
Die Stadt Schleusingen hat von uralten Zeiten her zum Wahrzeichen eine
Wasserminne, ein Wesen, welches man im heidnischen klassischen
Alterthume eine Sirene nannte; dieses Zeichen kann man auf dem Schilde
des dortigen Rathhauses im frischen Farbenschmucke der Erneuung täglich
prangen sehen. Ein reicher Graf soll, als er in dieser Gegend jagte,
ein weißes Reh aufgejagt und unablässig verfolgt haben, das in eine
Grotte sich flüchtete, und wie er auch hier nachfolgen wollte, wäre ihm
über drei Quellen eine herrliche Wasserfeine erschienen, die ihm
vertraut habe, jenes Reh sei ihre verzauberte Tochter,/ die er erlösen
könne.
|

|
|