IGEAWAGU - Nachrichten & Hinweise
Rubrik: Sagen

Home Überlieferungen Erkenntnisse Entwirrungen Betrachtungsweisen Sagen-Mythen-Maerchen Sagen

Vom Riesen auf dem Rimberg

[24.07.2005] Der sagenumwobene Rimberg
Es verwundert nicht, dass ein von der Natur so vorzüglich ausgezeichneter Berg wie der Rimberg auch eine Rolle in der Sage spielt. Im Volksmunde leben heute noch zwei Sagen, nämlich die vom Riesen auf dem Rimberg und die vom Siegfried dem Drachentöter.

Die Riesensage
Karte von 1902 aus dem unteren Buchhinweis

  • Auf dem Rimberg, so berichtet die alte Mär, hauste einst ein gewaltiger Riese. Seine Nachbarn und zugleich Brüder waren der Riese auf dem Weißenstein bei Wehrda und der auf dem Rotenstein, auf dem später das stolze Marburger Schloss erbaut wurde. Der Rimberger und der Weißensteiner Riese besaßen einen gemeinschaftlichen Backofen, der mitten im Felde lag. Wenn sie backen wollten, warfen sie einander mächtige Felsblöcke zu. Das war das Zeichen, dass Holz zum Heizen des Ofens von des Nachbars Burg gebracht werden sollte. Einst warfen die beiden zur gleichen Zeit. Da trafen die Steine in der Luft zusammen und fielen mitten im Felde oberhalb Michelbach zur Erde nieder. Da liegen sie noch heute. Jedem Stein ist eine Riesenhand eingedrückt. Ein anderes Zeichen gaben  sich die beiden Riesenbrüder damit, daß sie sich am Leibe kratzten. das klang so laut, daß sie es auf ihren Burgen deutlich hören konnten.

Soweit zur überlieferten Sage:
Als ich heute (Sonntag dem 20 Juli 2005) mit dem Rad in Richtung der  "Wichtelhäuser" unterwegs war, traf ich zweimal auf ältere Menschen, und ließ mir deren Version der Sage erzählen.
So stellte ich fest das nun als Ergänzung dazu geschrieben werden kann:
Caldern Blick vom Ausichtsturm des Rimberges

  • In Caldern dem Ort zu Füßen des Rimberges gab es einen Müller, der hat diesen Stein mit dem Abdruck der Hand bzw. der Finger der Riesen, bei Bauarbeiten in dem Wehr in der Nähe von Caldern verbaut und bekam dafür wohl auch eine Strafe, wegen Schändung eines Naturdenkmales.

Der Müller zu Caldern wird sich dabei nichts Böses gedacht haben, da er ja das Wasser der Lahn anstauen mußte, um mehr Wasser in seinem Mühlgraben zu haben, mit welchem sein Mühle angetrieben wurde.

Ein weiterer Hinweis gab mir auch heute ein älteres Ehepaar, welches ich auf den Weg zu den Wichtelhäusern traf.

  • Von den vielen Steinen, die sich die Riesen zu warfen, und die immer mehr zu Bruch gingen, ist wohl dann auch das kleine Örtchen Sarnau entstanden. Beziehungsweise wurden die aufgefundenen Steine für den Häuserbau in Sarnau (Lahntal) verwendet.
Eine ähnliche Überlieferung gibt es auch aus Thüringen, dort haben sich die 2 Riesen vom Harz und Thüringer Wald auch Steine zugeworfen, und daraus entstanden dann die berühmten "Drei Gleichen"

Hinzu kommt auch, das  Prof. Dr. Claus Dobiat bei seinen Ausgrabungen auf dem Rimberg b. Damshausen/Caldern, Kr. Marburg-Biedenkopf im Jahr 2003, erwähnt:
Im Rahmen des Schwerpunktes wurde auch die Ringwallsiedlung auf dem Rimberg auf dieselben Siedlungsanzeiger hin untersucht, wie die Eisenköpfe.  siehe Hinweis 
 

Sie können dieses Heftchen gegen eine Schutzgebühr  über uns bestellen, oder sich direkt an den Heimat und Geschichtsverein Lahntal in Caldern wenden.
Viel Informationen mehr findet man in den wiederaufgelegten Heftchen: "Der Rimberg bei Marburg"
Blick zum Rimberg von Caldern


Merkwürdigerweise spielt am Rimberg auch eine Volkserzählung, die unverkennbar in Beziehung zur Siegfriedsage steht.
Rasmann teilt in seiner deutschen Heldensage folgendes sehr alte Siegfriedsmärchen mit, das ihm ein Schmied in Wehrshausen bei Marburg erzählt hat:






Der starke Ferdinand


Es war einmal ein Schmied, der hatte einen Sohn Ferdinand. Sieben Jahre alt, war er so stark wie der stärkste Mann. Und da ihn sein Vater mit in die Schmiede nahm, schlug er so kräftig auf den Amboß, daß dieser in der Erde sank und der Hammer zersprang. Der Vater schickte den ungefügen Burschen auf die Wanderschaft.

Da kommt er in einen großen Wald und findet einen Mann, der Steine aus der Erde bricht und weit wegschleudert. Sie wandern zusammen und finden einen anderen, der Eichbäume ausreist und eben eine Tracht zusammenlegt, um sie nach Hause zu tragen.

Die drei ähnlichen Brüder gehen miteinander, bis sie zu einem Schlosse kommen. Sie treten hinein, aber kein Holla ruft einen Bewohner hervor. Überall Überfluß und prächtiges Hausgerät, aber keine Nahrung!

Da schießen sie Wild, und Bruder Steinbrecher erhält den Auftrag, es am Herde des Schlosses zu braten. Kaum ist es gar, da kommt ein graues Männchen. Zitternd vor Frost, bittet es sich wärmen zu dürfen. Auch ein Stück Fleisch möchte es für seinen Hunger haben. Bruder Steinbrecher giebt es ihm. Aber das Männchen läßt es zu Boden fallen und bittet den Geber, es ihm aufzuheben. Und als sich der gutmütige Steinbrecher danach bückt, springt ihn das graue Männchen auf den Rücken, richtet ihn mit Schlägen so übel zu, daß ihm Hören und Sehen vergeht, stürzt den Braten in die Glut, daß das Feuer ausgeht und alle um die Mahlzeit betrogen werden.

Nun erhält der Baumausreißer denselben Auftrag mit einer neuen Mahlzeit. Da ihm sein Vorgänger nicht gesagt hat, wie es ihm ergangen ist, spielt ihm das graue Männchen denselben Streich.
Als aber die Reihe an Ferdinand kommt, macht dieser wenig Umstände mit dem grauen Männchen: als es ihn bittet, ihm den geschenkten und dann fallen gelassenen Bissen aufzuheben, zerbleut er ihm, empört über diese Unverschämtheit, den Rücken, schleppt es zu einem Eichbaum, haut diesen an, biegt ihn auf die Seite, das der Spalt auseinanderklafft, und klemmt den Bart des Männchens ein, daß es ihm nicht entwichen soll.
Dann brät er den Braten gar, den sich alle schmecken lassen. Als sie sich aber dann nach dem Männchen umsehen, ist es verschwunden, den Bart hat es in der Spalte zurückgelassen. Blutspuren aber, die von dem ausgerupften Bart herrühren, führen sie zu einem Loch, das wie ein Brunnen tief in die Erde führt.

Der Baumausreißer und der Steinbrecher möchten nun wohl auch das Rätsel des Brunnens lösen, lassen sich auch ein Stück in denselben hinab, kehren aber wieder um. Nur Ferdinand geht in die Tiefe, wo er ein helles Licht bemerkt. Da sitzen in einem Gemache drei Jungfrauen mit erdfahlen Gesichtern und schmutzig schwarzen Kleidern. Zu einer Kammer daneben liegt auf einem Tische ein großes Schwert, und dabei steht ein Glas mit einem Trank, an dem geschrieben steht: "Wer aus diesem Glas dreimal trinkt, der wird dieses Schwert heben, damit den Drachen erschlagen und die Jungfrauen erlösen."


Ferdinand trinkt. Da stürzt unter ungeheurem Getöse ein siebenköpfiger Drache auf ihn zu. Die Kammer wird erleuchtet, als stände sie in Flammen. Ferdinand schlägt ihm einen Kopf nach dem anderen ab, schneidet ihm die Zunge aus und kehrt zu den Jungfrauen zurück.


Diese, eine Königstochter und ihre Gespielinnen, sind nun erlöst und  haben ihre wahre Gestalt wieder bekommen. Von jeder läßt er sich einen Ring und ein Taschentuch geben, zum Zeichen, daß er sie erlöst habe. Nachdem er dann noch den Drachen die Zunge ausgeschnitten und zu sich genommen hat, giebt er den Bundesbrüdern ein Zeichen, zuerst die Jungfrauen, dann ihn selbst heraufzuziehen.
Als die Reihe an ihm kommt, ist er mißtrauisch und knüpft, um ihre Treue zu erproben, zuerst einen Stein an den Strick. Dieser wird ein Stück emporgezogen, fällt dann aber rasselnd zu Boden. Wie soll er nun wieder ans Tageslicht kommen?

Da erscheint auf einmal das graue Männchen. "Ich will dich hinaufschaffen", sagt es, "wenn du mir versprichst, mir mit deinem Schwerte, wenn es geschehen, den Kopf abzuschlagen." Ferdinand sagt zu, und ist im Nu oben.  Als er dem grauen Männchen aber den Kopf abgeschlagen hat, steht es plötzlich als ein schöner Prinz vor ihm, der sofort wieder seinen Augen entschwindet. Seine Kameraden sind jedoch inzwischen mit den Jungfrauen entwichen.
Da wandert er in die Welt und kommt einmal in eine Stadt, wo gerade, wie er von seinem Wirte hört, eine Königstochter die mit ihren zwei Gespielinnen durch zwei Männer von einem Drachen erlöst worden sei, mit einem ihrer Befreier vermählt werden soll. Ferdinand geht aufs Schloß und giebt sich zu erkennen. Da Ring, Taschentuch und Drachenzunge sein Wort bezeugen, so Last ihr Vater, der König, die Betrüger von vier Ochsen zerreißen und gibt Ferdinand die Tochter. Sie lebten lange glücklich miteinander.


Noch jetzt sind die Reste der alten Erzählung vom starken und furchtlosen Ferdinand in Kernbach vorhanden und hier und in Caldern wird eine Felsspalte an der Nordostseite des Rimberges als der Schauplatz bezeichnet, wo der fürchterliche Drache gehaust hat und von Siegfried erlegt worden ist.
Auf den nahen Siegfriedklippen pflegte das schreckliche Ungeheuer sich zu sonnen.

Die Zeit der Riesen und Drachen ist vorüber: die rohe Gewalt hat der menschlichen Bildung und Gesittung weichen müssen; der menschliche Geist dringt wie in die Tiefe auch immer mehr in die Höhe, um sich die Erde unterthänig zumachen. Ein wenn auch ganz geringer Beweis dafür ist auch der stattliche Aussichtsturm auf der Spitze des Rimbergs. Wohl toben wie früher zur Herbstes und Winterzeit die wilden Stürme mit furchtbarer Gewalt um den Berg, und kein Mensch kann ihnen wehren: der grimme Winter überschüttet den Berg mit mächtigen Schneemassen, die ein Besteigen während seiner Herrschaft verhindern. Wenn aber die langen Südwinde wehen, wenn Schnee und Eis schmelzen, wenn die Knospen schwellen, wenn Schneeglöckchen läutet, die Veilchen blühen, die Drossel schlägt und die Erde in frisches Grün sich zu kleiden beginnt, dann vergeht kein Tag, daß  nicht fröhliche Wanderer mit ermunternden "Frisch auf!" den König der oberhessischen Berge hinanziehen, um von seiner hohen Warte Ausschau zu halten in Gottes schöne Welt, um Körper und Geist zu kräftigen und das Gemüt zu erheben, und an den Sonntagen zählt die Menge seiner Besucher nicht selten nach Hunderten. Dem fremden Wanderer mögen nachstehend die berge zu ihm gewiesen sein.
Frisch auf!





Alexander vor dem Höhleneingang am Rimberg, in dem Lindwurm gehaußt haben soll.


Wir haben uns die Höhle, die in dieser Gegend kaum noch bekannte ist, 3 mal näher angesehen, sie hat wirklich etwas anderes an sich, der Gang der hinab in den Berg  gereichen soll, ist nicht sehr lang und bricht nach 3 Biegungen und ca. 30m Länge in einem kleineren Hohlraum (Kammer) ab. Der Hohlraum reicht aus, das ein erwachsener Mensch sich darin drehen kann und ist wie unser Höhlenerforschender Dafa Freund Ralf K. aus Solingen so schön bemerkte, voller Mücken. Dennoch man könnte mit etwas Fantasie erkennen, das einst vor langer Zeit mal, ein Lindwurm  daran gearbeitet hätte.

Mehr Bilder hierzu

        

Wer jedoch einemal einen richtigen Drachen auf dem Foto sehen will, der soll mal den hier anschauen, der aus dem Flugzeug über Tibet aufgenommen wurde.




1902 Seitenaufrufe

Weitere Artikeln zu diesen Thema
04.05.2007 Die drei Walküren - Das Wieland Lied
25.04.2007 Die Braupfanne auf dem Mühlberg bei Krossen
18.12.2006 Fresnana die weise Seherin der Friesen lebte in Hilligenland (Helogoland)
25.09.2006 Die Weiße Büffelfrau - Der Schöpfungsmythos der Lakota
06.08.2006 Die Bölersmännchen
06.08.2006 Die Zwerge der Kammerlöcher
06.08.2006 Der Riese Romeias von Villingen
05.08.2006 Riesenspielzeug
05.08.2006 Kümmelbrod
05.08.2006 Die Zwerge bei Naila

Copyright IGEAWAGU ©