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Vor alter Zeit lebte im Vinschgau ein Riese,[05.08.2006] der schon damals mit Marmor umzugehen wußte und mit großen Blöcken auf
den Schultern sozusagen hausieren ging. Einst begegnete ihm ein
vornehmer Herr und fragte, ob er nicht auf dem Ifinger ein Kirchlein
bauen wolle, doch müsse er einen großen Block hinaufliefern. Abgemacht!
Kaum waren sie eine Stunde bergan gegangen, entkam dem Riesen der
Marmorklotz und rollte davon. Erzürnt schwur der Riese:
„Wenn ich den Block nicht hinaufbringe, soll mein Hammer zeigen, was
ich kann; das Kirchlein werd ich bauen!" Auch das zweite Mal kam er mit
dem Marmelstein nicht ans Ziel. Darum stieg er mit dem Hammer allein
zur Baustelle hinan, hieb mit ihm in die Ifingerwände, daß die
Felsstücke flogen und war bald mit der Kapelle fertig. Dann stieg er
auf die Spitze des Berges, schwang den gewaltigen Hammer und
schleuderte ihn auf die andere Talseite. Er fand sein Werkzeug auf dem
Vigiljoch und errichtete dort auch ein Kirchlein, wie es heute noch zu
sehen ist.
Nebenbei bemerkt, scheinen die Riesen das Hammerwerfen in dieser Gegend als Sport betrieben zu haben, just wie den Kirchenbau. Am Tscheggelberg [Der östlich der Etsch zwischen Bolzano/Bozen und Merano/Meran gelegene Bergrücken] nämlich errichtete ein solcher Longinus die Kirche St. Katharina in der Scharte (190), sein Kollege hielt sich beim Jocher auf, beschäftigt, dem hl. Vigilius ein Heiligtum zu bauen. Beide hatten aber nur einen Hammer, den sie abends einander überreichten, hatte der eine mit dem Hammer einen Tag gearbeitet, warf er ihn über das Etschtal weg dem anderen zu, der auch einen Tag damit arbeitete und ihn abends wieder zurückschleuderte. Genau dieselbe Geschichte (191) erzählt die Mär vom Kirchenbau in St. Katharina und Lavenn. Nur pfiff da ein Riese dem anderen, sobald er den Hammer brauchte. Diese zwei Riesen verschwanden spurlos aus der Gegend, während die anderen beiden beim Jocher gestorben sind, wo ihre Gebeine noch zu sehen sein sollen. Die heutige Oswaldkapelle am Rücken des Ifingers ist nicht die in den Sagen gemeinte. Diese kommt urkundlich erstmalig 1641 vor und wurde 1878 aufgelassen; dafür wurde eine halbe Stunde weiter unten das jetzige Kirchlein errichtet. Das Jahr 1641 ist auch derohalben denkwürdig, weil damals der weitum berüchtigte Schwarzkünstler Lauterfresser verbrannt wurde. Er war unter anderem überführt worden, daß er öfter beim „Junkbrunnen", der unweit der alten Oswaldkapelle entsprang, böse Wetter gemacht habe. Quelle: Der Burggräfler in Glaube und Sage, Hans Matscher, Bolzano/Bozen 1933
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