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Die Geschichte der Ganga - Wie Vishvamitra sie Rama und Lakshmana erzählte, als sie an die Ganga kame

[11.07.2007] Im hohen Norden befindet sich der Himalaya, der König der Berge, dessen vorstehende Gottheit als Himavan bekannt ist. Dieser Himavan zeugte mit seiner Gefährtin Mena, der Tochter des überirdischen Meru-Berges, zwei bezaubernde Töchter von unvergleichlicher Schönheit. Die ältere der beiden wurde Ganga genannt und auf Bitte der Halbgötter wurde sie später zu jenem heiligen Fluss. Das andere Mädchen wurde Uma genannt, und ihr Vater vermachte sie dem unbegrenzt mächtigen Shiva zur Frau. Nachdem Shiva das Mädchen, das in dieser Welt auch als Parvati bekannt ist, geheiratet hatte, tummelte er sich mit ihr in Sphären himmlischer Glückseligkeit.

Die Halbgötter aber sorgten sich und traten mit Brahma an ihrer Spitze vor Shiva. Sie fielen flach vor ihm nieder und sagten: “O Herr, die Welten werden deinem Samen nicht standhalten können, sollte er seinen Weg zu Uma finden. Die vereinte Macht von dir und deiner Gefährtin wird zweifellos allen Lebewesen unerträglich sein. Halte deshalb bitte deine Lebenskraft in deinem glorreichen Selbst zurück. Dadurch wirst du die Welten davor bewahren, vom Leuchten deiner Nachkommenschaft verbrannt zu werden.”

Shiva, dessen Gedanken stets auf Vishnu gerichtet sind und der immer mit allen Lebewesen Mitleid hat, erwiderte: “Es soll so sein wie ihr sagt, denn die Worte der Halbgötter können niemals zurückgewiesen werden. Mein Samen hat sich jedoch bereits aus meinem Herzen gelöst. Wohin soll er nun also fallen?”

Brahma erwiderte: “Dein Samen soll auf die Erde fallen, denn sie allein ist fähig, dessen Kraft standzuhalten, da sie das Gewicht aller Geschöpfe trägt.”

Shiva ließ seinen Samen fallen, der daraufhin den ganzen Erdball bedeckte. Brahma wies Agni, die Gottheit des Feuers, an: “Zieh in Begleitung von Vayu geschwind über die Oberfläche der Erde und sauge Shivas mächtigen Samen auf. Die Halbgötter haben mich einst gebeten, sie mit einem mächtigen Befehlshaber für ihre Armee zu versehen. Veranlasst, dass Shivas Samen von Ganga ausgetragen wird, damit sie einen strahlenden Sohn hervorbringen kann, welcher der General der Halbgötter werden wird.”

Agni nahm sofort die ganze Samenflüssigkeit Shivas auf und trat vor Ganga: “Bitte sei so gut und nimm den Samen Shivas entgegen, o Göttin!”

Ganga nahm daraufhin eine ätherische menschliche Gestalt von außergewöhnlicher Schönheit an. Als Shivas Samen diese Gestalt wahrnahm, schmolz er, worauf die Gottheit des Feuers Ganga am ganzen Körper mit der leuchtenden Flüssigkeit benetzte.

Shivas feuriger Samen schoss der Göttin Ganga brennend durch die Adern und sie sagte zu Agni: “O leuchtender Agni, ich kann diesen brennenden Samen nicht ertragen, der durch deine Berührung sogar noch mehr an Stärke gewonnen hat.”

Agni sagte ihr, sie solle den Samen auf die Himalayas absondern, woraufhin Ganga ihn sofort aus ihrem Körper ausstieß. Er trat in einem leuchtenden Strom aus ihr hervor, stürzte auf die Erde und formte riesige Gold- und Silberadern. Selbst in großer Entfernung wurden Kupfer-, Blei- und Zinnminen durch diese göttliche Flüssigkeit erzeugt.

Genau an der Stelle, an der Shivas Samen landete, wuchs ein Dickicht aus strahlend weißem Schilfrohr. Aus der Vereinigung Gangas mit Shivas Samen ging ein Kind hervor, das aus diesem Schilf geboren wurde. Es ist in allen Welten als Skanda bekannt geworden. Er ist in der Tat der mächtige General der Halbgötter, der auch als Karttikeya berühmt ist, denn er wurde von den sechs Göttinnen, die als die Krittikas bekannt sind, großgezogen. Man kann diese Gottheit selbst jetzt am Himmel inmitten der Krittika-Konstellation leuchten sehen.

Nach Karttikeyas Geburt traten die Halbgötter zu Shivas Gefährtin und verehrten sie frohen Herzens. Sie war jedoch zornig, da ihr die Vereinigung mit ihrem Gefährten verweigert worden war und mit blutunterlaufenen Augen sprach sie einen Fluch über die Halbgötter und die Erde aus: “Da mir mein Wunsch einen Sohn zu erhalten, verweigert wurde, sollt auch all ihr Halbgötter immer ohne Nachkommen bleiben. Diese Erde soll eine zerklüftete Oberfläche aus vielen Formen und verschiedenster Beschaffenheit haben und viele Herren haben. Sie soll niemals die Freude erfahren, einen Sohn zu haben, da sie mich meines eigenen Kindes beraubt hat.”

Einige Zeit nach diesem Vorfall herrschte ein König namens Sagara über Ayodhya. Seine beiden Frauen schenkten ihm sechzigtausend und einen Sohn. Durch die Vorkehrung der Halbgötter brachte eine der Frauen einen Fötus in Form eines Flaschenkürbis zur Welt, der sich dann in sechzigtausend Stücke zerteilte. Diese wurden daraufhin in sechzigtausend Töpfe mit geklärter Butter gegeben und wuchsen allmählich zu Säuglingen heran. Die andere Frau brachte auf normale Weise einen Knaben zur Welt.

Die sechzigtausend Söhne zeigten ein gottloses Benehmen und bereiteten allen Lebewesen Schmerz. Der eine Sohn hingegen war gütig und wurde der Liebling aller Menschen.

Eines Tages führte König Sagara ein Pferdeopfer zum Wohl der Welt durch. Als Indra dieses Opfer sah, sorgte er sich, dass Sagara ihn möglicherweise an frommen Verdiensten übertreffen und dadurch seine Stellung auf den himmlischen Planeten, die er selbst durch die Ausführung frommer Opfertaten erlangt hatte, einnehmen würde. So nahm Indra die Gestalt eines grimmigen Rakshasas an, riss das Opferpferd an sich und brachte es an einen entfernten Ort.

König Sagara befahl seinen sechzigtausend Söhnen, das Pferd ausfindig zu machen. Die Prinzen reisten über die ganze Erde, konnten jedoch das Pferd nicht aufspüren. Sie trugen die Erdoberfläche ab und suchten die unterirdischen Regionen ab, doch es war vergebens. Die Prinzen gruben und sahen sich in allen Richtungen um, wobei sie große Verwüstung anrichteten und zahllose Geschöpfe töteten. Die Halbgötter traten daraufhin vor Brahma und baten ihn, sie aufzuhalten. Brahma setzte sie in Kenntnis, dass Mutter Erde stets vom höchsten Herrn Vishnu beschützt werde, der zu diesem Zeitpunkt in den unterirdischen Regionen der Erde verweilte. Sagaras Söhne würden in Kürze von genau diesem Herrn vernichtet werden, der die Gestalt eines Weisen namens Kapila angenommen hatte.

Nach einiger Zeit trafen die Prinzen bei Kapila ein, der in Meditation versunken war. Das von Indra zurückgelassene Opferpferd graste in der Nähe. Sie erzürnten und sagten zu Kapila: “Du übel gesinnter Kerl hast dieses Pferd gestohlen! Wir werden dich jetzt töten und es zurücknehmen!”

Als Kapila, ein Weiser mit unermesslicher Macht, diese Drohung hörte und die sechzigtausend Söhne Sagaras vor sich sah, geriet er ebenfalls in Zorn. Aufgrund ihres Vergehens durch ihren Angriff auf den göttlichen Rishi wurden alle Prinzen auf der Stelle von einem Feuer, das aus ihren eigenen Körpern hervortrat, zu Asche verbrannt.

Nach einiger Zeit machte sich König Sagara Sorgen um seine Söhne. Er befahl seinem einen Sohn, Amsuman, der noch bei geblieben war, ihnen zu folgen. Amsuman traf Kapila ebenfalls in Meditation versunken an und vor ihm die Asche seiner Brüder, die aufgrund ihres Vergehens gegen den Weisen vernichtet worden waren. Amsuman war durch den Tod seiner Brüder bekümmert. Er schaute sich überall um und sah Garuda, Vishnus großen Adlerträger, der gekommen war, um seinem Herrn zu dienen. Garuda riet Amsuman, er solle einen Plan schmieden, um die Ganga auf die Erde zu bringen, so dass ihr Wasser über die Asche seiner Brüder fließen könne. So würden sie vor den höllischen Planeten bewahrt werden. Amsuman brachte daraufhin Kapila Gebete dar und erhielt das Pferd von ihm zurück, woraufhin er wieder zu seinem Vater ging.

Trotz jeglicher Versuche Opfer auszuführen und zu den Göttern zu beten, konnte weder Sagara noch sein Sohn die Ganga dazu bringen über die Erde zu fließen. Es war mehrere Generationen später, als der berühmte König Bhagiratha schließlich Erfolg hatte. Kraft seiner großen Askese erfreute er Brahma, der die Ganga anwies, auf die Erde zu stürzen.

Der Fluss Ganga, der auf den himmlischen Planeten als Mandakini bekannt ist, ging ursprünglich von den Füßen Vishnus aus. Als Vishnu ein kleines Loch in die Schale des Universums stieß, traten die Wasser des Ozeans der Ursachen, in dem all die zahllosen Universen schwimmen, dort hindurch. Als das Wasser auf die himmlischen Planeten stürzte, trat die Göttin Ganga in das Wasser ein und brachte es auf Brahmas Anweisung hin auf die Erde. Dieses Wasser füllte die riesige Aushöhlung, die Sagaras Söhnen gegraben hatten und wurde dann zum großen Ozean. Es floss hinunter in die unterirdischen Regionen, wo es die sechzigtausend Prinzen von den höllischen Planeten befreite, indem es ihre Asche bedeckte. Es ist genau dieser Fluss, der durch die Berührung von Vishnus Fuß geheiligt wurde, den du jetzt vor Dir siehst, tapferer Prinz. Bis zum heutigen Tag erlangt jeder, dessen Asche diesem Fluss übergeben wird, sofort Befreiung.


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