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Vishvamitras Vergangenheit - Wie sie Rama von Satananda, dem Priester König Janakas, erzählt wurde[11.07.2007] Der Weise Vishvamitra war einst ein König, der für viele tausend Jahre
über die Erde regierte. Einmal machte er sich auf eine Reise, sein
Königreich zu besichtigen, wozu er eine große Armee aus
Hunderttausenden von Soldaten auf Elefanten, Streitwagen, Pferden und
zu Fuß versammelte. Vishvamitra marschierte durch viele Städte und
Ländereien, über Berge und Flüsse und kam schließlich zu den
Behausungen der Rishis. Dort erreichte er die Einsiedelei Vasishtas,
ihres Anführers, der zweifellos der beste aller Rishis war. Diese
wunderschöne Stätte besaß einen großen Reichtum an Blumen,
Kletterpflanzen und Bäumen und wurde durch die Anwesenheit der
Halbgötter, Gandharvas, Siddhas und Charanas beehrt. Der Ort wimmelte
von einer Unzahl an überirdischen Sehern und Weisen, die wie Feuer
leuchteten und er vibrierte unentwegt vom Vortragen heiliger vedischer
Hymnen. Einige der Weisen dort lebten nur von Wasser oder Luft allein,
andere von Blättern, die von den Bäumen gefallen waren, während andere
sich von einer spärlichen Diät aus Früchten und Wurzeln ernährten. Alle
von ihnen hatten ihre Sinne und Gedanken unter Kontrolle und
beschäftigten sich mit Askese und Meditation. Der mächtige Vishvamitra
betrachtete diese Gegend, als wäre sie der Aufenthaltsort Brahmas
selbst.
Vishvamitra näherte sich Vasishtha, verneigte sich tief vor ihm und
begrüßte ihn mit Lob und Gebeten. Dann sagte Vasishtha zu Vishvamitra:
“Dein Erscheinen hier ist uns willkommen, lieber König. Bitte setzt
dich bequem hin und bitte mich um alles, was du dir wünschst.”
Die beiden sprachen einige Zeit sehr erfreut miteinander und genossen einfache Waldkost. Vasishtha sah, dass Vishvamitra von einer riesigen Armee begleitet wurde und sagte zum König: “Ich möchte dir und deinen Truppen ausreichende Gastfreundschaft anbieten. Bitte stimme meinem Wunsch ohne nachzufragen zu, mein König. Ich bin nicht zufrieden, wenn ich nur Früchte und Wasser anbieten kann.” Vishvamitra war nicht willens, irgendetwas von Vasishtha anzunehmen, den er als ihm übergeordnet betrachtete. Er lehnte freundlich ab, indem er sagte: “Ich fühle mich allein durch deine Worte und deine Audienz völlig geehrt. Ja allein dein Anblick ist ausreichend. Wie könnte ich nach mehr verlangen? Ich bin mit den Früchten, die du mir angeboten hast, völlig zufrieden. Mit deiner Erlaubnis werde ich jetzt aufbrechen. Gewähre mir bitte deinen liebevollen Blick und lass mich nur mit deinen Segnungen fortgehen.” Der Weise jedoch bestand darauf, Vishvamitra weiterhin seine Gastfreundschaft anzubieten. Vishvamitra versuchte immer wieder, ihn davon abzubringen, doch der fromme Vasishtha ließ sich nicht zurückweisen. Er bat den König wieder und wieder darum länger zu bleiben. Schließlich ließ sich Vishvamitra erweichen und stimmte zu, da er sah, dass dies den Weisen äußerst erfreuen würde. Vasishtha freute sich, stand auf und rief nach seiner himmlischen Kuh, Sabala. “Komm, komm, meine geliebte Sabala”, sagte er. “Ich möchte diesen König, Visvamitra, und seine ganze Armee mit einem üppigen Mahl unterhalten. Bitte erzeuge jede nur erdenkliche Zubereitung.” Vasishthas wunderbare Kuh begann alle Arten von Speisen und Getränken in gewaltigen Mengen zu erzeugen - dampfender, zu hohen Bergen aufgehäufter Reis, gekochtes Gemüse jeglicher Art, Suppen, Brote, Kuchen, Torten, Feingebäck, Bonbons, Butter, Sahne und Yoghurt - alles in Silbergeschirr und in bis zum Rand gefüllten Tellern. Köstliche Saftströme flossen und mit ambrosischen Milchgetränken gefüllte Töpfe erschienen. Vishvamitra und seine gesamte Armee wurde durch dieses prächtige Aufgebot an Speisen völlig zufriedengestellt. Jeder Happen davon schmeckte wie Nektar. Der König war erstaunt zu sehen, dass all dies von einer Kuh erzeugt worden war. Er trat vor Vasishtha und sagte: “Deine Kuh ist höchst erstaunlich, großmütiger Weiser. Ich möchte dich gerne bitten, mir diese Kuh im Austausch für hunderttausend andere Kühe zu geben. Als König sollte mir stets das Beste von allem dargebracht werden und ich sehe, dass diese Kuh die Beste ihrer Spezies ist. Bitte übergebe sie mir deshalb, lieber Weiser.” Doch Vasishtha erwiderte: “Ich werde mich niemals von Sabala trennen, selbst im Austausch für hundert Millionen Kühe. Nicht einmal für Berge von Gold und Silber. Sabala und ich, wir sind so unzertrennlich wie der Ruhm von einem Askese ausübenden Menschen.” Vasishtha hatte kein Interesse an weltlichem Reichtum. Sein Leben war der Ausübung von Opfern und der Entsagung gewidmet. All sein Glück entsprang seinem Innern. Selbst wenn Vishvamitra ihm die ganze Welt angeboten hätte, wäre der Weise nicht daran interessiert gewesen. Doch Sabala lag ihm am Herzen. Sie hatte dem Rishi lange gedient. Mit ihrer Hilfe war Vasishtha in der Lage, viele Opfer zum Wohl der Welt auszuführen. Dies war seine heilige Pflicht und er hatte keine Absicht dem zu entsagen. Er fuhr fort: “Mein eigenes Leben hängt von dieser Kuh ab. Lange Zeit hat sie mich mit ihrer Milch erhalten. Jeden Tag versorgt sie mich mit allen Notwendigkeiten für meine Opferzeremonien. Sie ist mir so lieb geworden wie mein eigenes Selbst und ich werde mich unter keinen Umständen von ihr trennen.” Vishvamitra war es nicht gewohnt, dass man ihm irgendetwas abschlug. Er war durch die Beharrlichkeit des Weisen, seine Kuh zu behalten, erzürnt. Er duldete nicht, dass man ihm etwas versagte und sprach zornig zu Vasishtha: “Wie kommt es, dass du dich weigerst, dem König diese Kuh zu geben? Ich bin von Natur aus ein Krieger und betrachte deshalb Stärke als das Mittel, um meine Ziele zu erreichen. Wenn du mir dieses wunderbare Geschöpf nicht gibst, werde ich es dir mit Gewalt wegnehmen.” Der König wurde von Stolz und Zorn überwältigt. Er packte Sabala mit seinen außergewöhnlich kräftigen Armen und zerrte sie umgeben von seinen Soldaten weg. Bekümmert betrachtete Vasishtha den Vorfall und sagte zu Vishvamitra: “Als König ist es deiner angemessen, solche Gewalt zu benutzen, um dein Ziel zu erreichen. Als Brahmane ist es ebenfalls meine Pflicht, Vergebung zu üben, denn Güte ist stets die Pflicht der Brahmanen. Deshalb vergebe ich dir, König.” Vasishtha war zutiefst getroffen, als er sah wie seine Kuh weggezerrt wurde, doch er beherrschte seine Gefühle. Durch seine eigene Macht wäre er fähig gewesen den Raub zu verhindern, doch er stand still da, ohne etwas zu tun. Sabala weinte gequält, als der König sie packte und sprach zu Vasishtha: “Weist du mich jetzt zurück, mein Herr? Welches Unrecht habe ich begangen, dass ich jetzt in diesem elenden Zustand von elenden Männern verschleppt werde, während mein Meister, der allmächtige Vasishtha, zuschaut?” Sabala riss sich vom König los. Sie rannte mit Tränen in den Augen zu Vasishtha und zitterte an all ihren vorzüglich geformten Gliedern. Sie schaute zu Vasishtha auf und flehte: “Werde ich jetzt von dir im Stich gelassen, allmächtiger Sohn Brahmas?” Vasishtha erwiderte Sabala mit vor Kummer gequältem Herz: “Ich weise dich nicht zurück, noch hast du mir jemals Unrecht getan, liebe Sabala. Berauscht von seiner Macht und seiner riesigen Armee nimmt dich dieser große König, der Herrscher der Welt, fort. Was kann ich also, der ich lediglich ein armer Brahmane bin, dagegen tun?” Sabala ahnte die tiefere Bedeutung davon und antwortete: “Die Weisen haben verkündet, dass die Stärke eines Brahmanen stets diejenige eines Kriegers übertrifft. Die Stärke der Weisen ist spirituell, wohingegen diejenige von Kriegern nur in deren Armen liegt. Befiehl mir deshalb einfach zu bleiben und dieser eingebildete König wird keinen Erfolg haben, mich von hier wegzubringen.” Vasishtha sagte unmittelbar zu Sabala: “Bleib!” Sofort brachte die wunscherfüllende Kuh aus ihrem Leib eine riesige Armee wilder Kämpfer hervor, die mit jeder Art Waffe ausgerüstet war und sich mit schrecklichen Schreien auf die Armee des Königs stürzte. Als Vishvamitra sah, wie seine eigene Armee durch die von Sabala hervorgebrachten Kämpfer in die Flucht geschlagen wurde, behauptete er das Feld und schoss im Gegenzug verschiedene Arten von Waffen ab. Wogen von grimmig dreinschauenden Kriegern strömten aus Sabala hervor, einige erschienen aus ihrem Brüllen, einige aus ihren Eutern, wieder andere aus ihrem Anus. Sie stürzten auf die Armee des Königs und innerhalb kurzer Zeit erlebte Vishvamitra, wie seine Streitkräfte vernichtend geschlagen und durch die mystisch erzeugten Krieger zerstreut wurden. Vishvamitra war von seinen hundert Söhnen begleitet worden. Sie wurden zornig auf Vasishtha und umstellten ihn. Sie schossen mächtige Waffen auf den Weisen ab, die wie brennende Kometen auf ihn zu rasten. Vasishtha, der nicht im geringsten zornig war, sprach ein vedisches Mantra aus, um die Waffen in Schach zu halten. Allein durch die Macht der Mantras wurden die Prinzen unmittelbar zu Asche vermindert. Nur einer von ihnen blieb stehen. Vishvamitra sah völlig erstaunt, was gerade geschah. Er stand alleine dort, von Angst und Schande erfüllt. Er sah aus wie der tobende Ozean nach einem Sturm und verlor seine Ausstrahlung wie die verfinsterte Sonne. Er hatte seine Söhne und seine Armee verloren und fühlte sich elend. Seine Stärke und Macht waren zerschmettert. Er befahl seinem übriggebliebenen Sohn, die Verwaltung der Erde zu übernehmen und beschloss, sich zur Ausführung von Askese in den Wald zurückzuziehen, um seine Stärke zu vergrößern. Nach langer Zeit der asketischen Praxis zur Zufriedenstellung Shivas erschien der äußerst mächtige und gütige Halbgott schließlich vor ihm und sagte: “Weshalb führst du solche Entsagung aus, lieber König? Was möchtest Du erreichen? Ich bin dazu in der Lage dir Segnungen zu erteilen. Bitte mich deshalb um was immer du dir wünschen magst.” Zu diesem Zeitpunkt hatte Vishvamitra lediglich das Wissen über die unbedeutenden überirdischen Waffen und wusste nicht, wie man die Geschosse, über welche die wichtigsten Halbgötter herrschen, benutzt. Er fiel flach vor Shiva auf den Boden und brachte viele Gebete dar. Er sagte: “Wenn Du mit mir erfreut bist, mein Herr, dann bitte erteile mir das Wissen über jede überirdische Waffe, die unter der Herrschaft der Halbgötter steht, einschließlich deiner und Brahmas Waffen. Teile mir die vollständige Wissenschaft des Bogenschießens und der Kriegsführung mit all den tiefsten Geheimnissen mit.” Shiva sagte: “So soll es sein”, verschwand augenblicklich und verlieh Vishvamitra durch seine mystische Kraft das Wissen über Kriegsführung und all die mystischen Waffen. Nachdem Vishvamitra, der bereits äußerst stolz war, diese Waffen erhalten hatte, wurde er noch stolzer. Er blähte sich auf vor Macht wie der Ozean bei Vollmond und hielt Vasishtha, den bedeutendsten unter den Sehern, bereits für tot. Er ging sofort zur Einsiedelei und begann all seine Waffen in Richtung Vasishtha abzufeuern. Der wunderschöne Hain wurde vom Feuer der Geschosse verzehrt und die Weisen eilten durch den Angriff geplagt und bestürzt in allen Richtungen umher. Vasishtha sah, wie die Weisen, Tiere und Vögel aufgrund von Vishvamitras Waffen zu Tausenden flüchteten. Er rief aus: “Fürchtet euch nicht! Ich werde Vishvamitras Zurschaustellung der Macht jetzt ein Ende bereiten, so wie die Sonne den Morgennebel zerteilt.” Vasishtha war erzürnt. Er trat vor Vishvamitra und rief: “Hier bin ich, verruchter Kerl. Zeig mir nun die Grenzen deiner Stärke!” Vishvamitra schoss die Waffe, über die der Feuergott gebietet, auf Vasishtha ab, die glühend wie die Sonne auf ihn zuflog. Vasishtha lachte, noch während die Waffe in seine Richtung flog, und rief Vishvamitra zu: “Welchen Nutzen hat deine kriegerische Macht, unwürdige Schande deiner Rasse? Sieh dir heute die Macht der Brahmanen an!” Vasishtha stand nur mit seinem Stab dort. Er hielt ihn nach oben und absorbierte die Feuerwaffe. Dann entfachte Vishvamitra alle göttlichen Waffen nacheinander, einschließlich derer, über die Vayu, Varuna, Indra, Yamaraja, Brahma, der unsterbliche Shiva, Dharma der Halbgott der Wahrhaftigkeit und sogar Vishnu, der höchste Beherrscher gebieten. Alle von ihnen wurden in Vasishthas Stab gezogen und völlig neutralisiert. Als Vasishtha durch seinen eigenen Ruhm strahlend da stand, sah er aus wie das rauchlose Feuer der universalen Vernichtung. Durchdrungen von der Kraft der überirdischen Waffen, schoss er aus all seinen Poren Feuerzungen hervor. Scharen von Halbgöttern und himmlischen Rishis versammelten sich am Himmelszelt und sprachen ängstlich zu Vasishtha: “Heute hast du den mächtigen Vsihvamitra gedemütigt. Deine Macht ist unfehlbar, edelste unter den Seelen. Lösch das lodernde Feuer in deinem Körper und verschone die Welt.” Als Vasishtha die himmlischen Stimmen hörte, erlangte er wieder seine ursprüngliche Ruhe und stand gelassen und mit beherrschtem Gemüt. Frei von Zorn sagte er zu Vishvamitra: “Du kannst in Frieden gehen. Handle nie wieder auf solch törichte Weise.” Der niedergeschlagene Vishvamitra stieß einen tiefen Seufzer aus. Er betrachtet seine Stärke als nutzlos und sagte: “Meine Waffen sind wahrlich schwach, wenn sie gegen einen Brahmanen benutzt werden. Wo ist mein Stolz jetzt? Die Macht der Waffen eines Kriegers sind nichts im Vergleich mit brahmanischer Macht. Deshalb werde ich in den Wald zurückkehren und schwere Buße tun, bis ich die Ebene eines Brahmanen erreiche.” Vishvamitra ging erneut in den Wald, nachdem er sich diese äußerst erhabene Seele zum Feind gemacht hatte. Unterdessen stellte Vasishtha seine Einsiedelei durch seine mystischen Kräfte wieder her und begann mit der Ausführung seiner religiösen Pflichten, die er allein zum Nutzen der Menschheit ausführte. Vishvamitra führte äußerst schwierige Entsagung aus. Er lebte nur von Früchten und Wurzeln, vertiefte sich in Meditation, um seine Gedanken vollkommen auf den Höchsten zu richten und keinen Gedanken an sinnliche Freuden zu verlieren. In den kalten Wintern blieb er bis zum Hals in Wasser getaucht. In der lodernden Hitze des Sommer setzte er sich in die Mitte von vier Opferfeuern. Einmal stand er für eine lange Zeitspanne auf einem Bein und streckte die Arme nach oben. Tausend Jahre vergingen, während Vishvamitra Askese ausübte. Während er sich im Wald befand, wurde Vasishtha königlicher Priester von Ayodhya. Ein König namens Trishanku, ein entfernter Vorfahr Dasaraths, erschien in der Herrscherlinie, die von Ayodhya aus regierte. König Trishanku wünschte sich, die himmlischen Planeten in seinem jetzigen Körper zu erreichen und bat Vasishtha, aus diesem Grund ein Opfer auszuführen. Vasishtha erwiderte: “Mein König, niemand kann die himmlischen Planeten erreichen, außer zum Zeitpunkt des Todes, nach einem Leben der Frömmigkeit und Religiosität. Dies ist das universale von Gott errichtete Gesetz. Deshalb werde ich kein Opfer ausführen, in der Absicht, dich in deinem gegenwärtigen Körper auf die himmlischen Planeten zu befördern. Du solltest diesen sündhaften Wunsch aufgeben.” Trishanku war jedoch auf seine Absicht versessen und kümmerte sich nicht um Vasishthas guten Rat. Er beschloss, Vishvamitra ausfindig zu machen, da er wusste, dass er als Folge seiner langen Askese große Macht besaß. Er dachte, dass Vishvamitra, ein König aus seiner eigenen Linie, für seinen Wunsch eher zugänglich sein könnte. Trishanku erinnerte sich auch an die Feindseligkeit zwischen Vishvamitra und Vasishtha und dachte, dies sei ein weiterer Ansporn für Vishvamitra, das von Vasishtha zurückgewiesene Opfer auszuführen. Nachdem der König den Wald erreicht und Vishvamitra ausfindig gemacht hatte, bat er ihn, das Opfer auszuführen. Als Vishvamitra hörte, dass Vasishtha es abgelehnt hatte, erinnerte er sich an seine Feindseligkeit gegen den großen Mystiker und stimmte er zu. Vishvamitra begann ein Opfer und folgte sorgsam den in den vedischen Schriften niedergelegten Vorgängen. Er saß vor einem lodernden Feuer, sprach Gebete zu allen von Vishnu angeführten Halbgöttern und goss geklärte Butter als Opferung in die Flammen. Im richtigen Augenblick sagte er: “Seht nur meine asketischen Kräfte! Durch meinen Befehl wird dieser König sogar in diesem Körper aus Fleisch und Knochen zu den himmlischen Planeten aufsteigen. O Trishanku, steige jetzt, kraft der Verdienste meiner Entsagung, auf die himmlischen Planeten auf, wo du die Ebene der Halbgötter erreichen wirst!” Sobald Vishvamitra diese Worte gesprochen hatte, stieg Trishanku zum Himmel auf, doch als er sich den himmlischen Planeten näherte, hielt ihn Indra zurück. Mit einer wie Donner dröhnenden Stimme sagte er: “König, wie kommt es, dass du versuchst jetzt schon die himmlischen Planeten zu betreten? Du hast dir hier durch ein religiöses Leben oder Frömmigkeit keinen Platz verdient. Sogar dein eigener Lehrer Vasishtha hat deinen unerlaubten Wunsch nach den himmlischen Planeten zurückgewiesen. Du törichter Mensch, geh wieder zurück auf die Erde!” Trishanku fiel mit großer Geschwindigkeit in Richtung Erde und rief Vishvamitra zu: “Rette mich!” Vishvamitra sah, dass Trishanku zurück nach unten stürzte und rief: “Halt!” Sofort wurde die Abwärtsbewegung des Königs aufgehalten und er verweilte in der Luft. Der große Weise Vishvamitra, der unter vielen Rishis saß, wurde von Zorn überwältigt, als er sah, dass Indra Trishanku zurückgewiesen hatte. Er sagte: “Da dieser eifersüchtige Halbgott nicht will, dass der König die himmlischen Regionen erreicht, werde ich jetzt durch meine mystische Kraft einen weiteren Himmel erschaffen. Dort kann Trishanku dann in Frieden leben.” Wie ein zweiter Brahma brachte Vishvamitra aus seinen Gedanken eine aus siebenundzwanzig Mondhäusern bestehende Galaxie am Himmel hervor. Dann machte er sich daran, eine weitere Hierarchie von Halbgöttern zu schaffen, die diese himmlischen Planeten bewohnten. Als Indra und die Halbgötter diese Störung im Universum beobachteten, sorgten sie sich und näherten sich Vishvamitra mit folgenden Worten: “Dieser König verdient keinen Platz auf den himmlischen Planeten, gesegneter Weiser. Er wurde von seinem eigenen Guru zurückgewiesen und ist jetzt all seinen frommen Verdiensten beraubt.” Vishvamitra erwiderte: “Da ich diesem König mein Wort gab, wie kann ich da nicht dazu stehen? Ich habe ihm die himmlischen Planeten versprochen. Lasst deshalb bitte diesen König das himmlischen Glück genießen und lasst die Mondhäuser, die ich erschaffen habe, bestehen.” Indra erwiderte aus Respekt vor dem großen Vishvamitra: “So soll es sein. Deine Planeten werden im südlichen Viertel jenseits der himmlischen Sphäre fortdauern. Trishanku wird in ihrer Mitte bleiben, glücklich wie ein Halbgott und hell leuchtend. All jene Sterne werden ihn umkreisen, genauso wie alle Planeten um den Polarstern kreisen. Mögest du gesegnet sein.” Vishvamitra freute sich, doch nachdem er das Opfer beendet hatte, dachte er: “Durch meinen Zorn auf Vasishtha habe ich jetzt den ruchlosen Trishanku hier im südlichen Viertel auf himmlische Planeten versetzt. Er wird sicherlich einen bösartigen Einfluss auf diese Region ausüben. Ich werde deshalb nun an einen anderen Ort umziehen.” Vishvamitra bemerkte, dass seine asketischen Kräfte beträchtlich geschwächt waren, da er sich bei Trishankus Erhebung auf die himmlischen Planeten verausgabt hatte. Er hatte immer noch den starken Wunsch die Stufe eines Brahmanen zu erlangen und fuhr mit seinen strengen Bußen fort; er baute sich allmählich wieder ein Guthaben an Entsagung auf und vergrößerte seine Macht. Indra machte sich Sorgen, da er glaubte, Vishvamitra könne bald genug Macht erlangt haben, um ihn von seiner Stellung auf den himmlischen Planeten zu verdrängen. Der König der Halbgötter wünschte sich, die Bußen des Weisen zu erschweren und schickte die Apsara Menaka an den Ort, an dem Vishvamitra meditierte. Menaka stieg in einen See in der Nähe des Weisen und badete. Vishvamitra hörte ihre Fußkettchen klingeln, öffnete seine halb geschlossenen Augen und sah das himmlische Mädchen mit ihren durchsichtigen nassen Kleidern, die an ihrem göttlich geformten Körper klebten. Von Leidenschaft ergriffen sagte der Weise: “Du bist sehr willkommen, himmlische Dame. Bleib doch einfach in meiner Einsiedelei. Himmlische Apsaras sind nicht an irdische Moral gebunden, also werde ich keine Sünde auf mich laden, wenn ich mit dir zusammen sinnliche Freuden genieße.” Menaka ließ sich am Wohnort des Weisen nieder und sie belustigten sich zusammen in der wunderschönen grasigen Lichtung dieser Gegend. Hundert Jahre vergingen, als wären sie nur ein Tag. Schließlich bemerkte Vishvamitra, dass er erneut von seinem Ziel abgekommen war. Er schämte sich und machte sich Vorwürfe: “Ach, ich wurde von Unwissenheit, die aus Begierde geboren wurde, überwältigt. Mein Gemüt ist völlig von der Schönheit dieses Mädchens verwirrt worden. Dies war zweifellos das Werk der Halbgötter.” Menaka stand zitternd vor ihm. Sie fürchtete sich vor einem schrecklichen Fluch, doch Vishvamitra ließ sie mit freundlichen und sanften Worten gehen. Er beschloss lebenslang im Zölibat zu bleiben, ging ans Ufer des Kaushiki-Flusses, seiner eigenen Schwester, und fuhr mit seiner Askese fort. Der Weise führte die strengste Entsagung aus und lebte nur von Luft. Tausend Jahre vergingen, als er allmählich Feuer aus seinem Körper ausstieß, das durch seine Askese entstanden war. Indra wurde erneut beunruhigt. Er ging zu einer anderen Apsara namens Rambha und bat sie, den Weisen von seiner Entsagung abzulenken. Pflichtbewusst trat sie an den Ort heran, an dem er saß und begann verführerisch vor seinen Augen zu tanzen. Vishvamitra ließ es jedoch nicht zu, dass seine Gedanken in Begierde schwelgten. Er wurde zornig auf sie und sprach einen Fluch aus: “Nymphe, da du arglistig versucht hast, meine Bußen aufzuhalten, wirst du für tausend Jahre als Stein an diesem Fleck verweilen. Dann kannst du auf die himmlischen Planeten zurückkehren.” Der Weise erkannte, dass er das Ausmaß seiner Frömmigkeit erneut verringert hatte, dieses Mal indem er zornig wurde. Er beschloss, nie wieder zornig zu werden oder überhaupt je wieder zu sprechen und setzte seine Entsagungen in dieser wunderschönen Himalaya-Gegend fort. Er stellte sogar seine Atmung ein und hörte auf zu essen und zu trinken. Schließlich, nachdem weitere tausend Jahre vergangen waren, gingen die Halbgötter von Besorgnis ergriffen zu Brahma und flehten ihn an: “Bitte gewähre diesem Vishvamitra seinen Wunsch. Durch seine mächtige Entsagung wird die gesamte Energie des Universums gestört. Die Erde bebt, ihre Berge spalten sich und ihre Meere tosen in großen Stürmen. Gewaltige Winde wehen und die vier Himmelsrichtungen sind in Dunkelheit gehüllt. Wenn Vishvamitra nicht mit der Ausführung seiner Bußen aufhört, wird zweifellos die universale Vernichtung folgen!” Daraufhin trat Brahma vor Vishvamitra und sagte in freundlichem Ton: “Mein aufs höchste gesegneter Weiser, du hast deinen Wunsch erreicht. Du bist jetzt auf der gleichen Ebene eines Brahmanen wie Vasishtha. Alles vedische Wissen wird sich in deinem reinen Herzen offenbaren. Gib deine Entsagungen auf.” Der Weise Vasishtha kam auf Brahmas bitte hin ebenfalls an diesen Ort und erwies Vishvamitra Freundschaft: “Du hast alle mit deiner gewaltigen Askese hinter dir gelassen und bist ein würdiger Brahmane geworden. In meinem Herz gibt es keinen Zorn auf dich. Sei gesegnet, großer Rishi!” Vishvamitra warf sich vor Vasishtha auf den Boden und bat um Vergebung. Er schloss eine feste Freundschaft mit dem Sohn Brahmas und verließ dann diesen Ort, da er sein Ziel erreicht hatte. Zugehörige Artikel: • Hanumans Geburt und Vergangenheit - Wie sie Rama von Agastya Rishi erzählt wurden 161 Seitenaufrufe Weitere Artikeln zu diesen Thema 11.07.2007 Epilog 11.07.2007 Die Geschichte der Ganga - Wie Vishvamitra sie Rama und Lakshmana erzählte, als sie an die Ganga kame 11.07.2007 Vishvamitras Vergangenheit - Wie sie Rama von Satananda, dem Priester König Janakas, erzählt wurde 11.07.2007 Hanumans Geburt und Vergangenheit - Wie sie Rama von Agastya Rishi erzählt wurden |
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