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Teil 3 - Wosroschdenije - das bedeutet Wiedergeburt - heute heißt es nur noch die "Insel der Tänen"

[11.08.2005] Wie desinteressiert kommunistischen Machthaber sein konnten. Ein Eiland im Aralsee ist mit Milzbrandsporen verseucht - tödliche und äußerst widerstandsfähige Bakterien, mit denen sowjetische Wissenschaftler den Biokrieg gegen den Westen planten. Die Gefahr rückt unaufhaltsam näher: ein Tschernobyl in Zeitlupe.

Grausame Szenarien spielten und spielen sich noch immer ab, wie man hier auf den Videos sehen kann

Merkwürdig, dass die Affen immer schon vorher etwas bemerkten - als hätten sie einen sechsten Sinn für die Gefahr, für den nahenden Tod.

Sie zerrten an den Ketten, mit denen sie an Pfähle festgebunden waren, je 50 Tiere in zwei parallelen Linien, aneinander gereiht wie Delinquenten an ihren Galgen. Sie kreischten. Sie versuchten den Kopf zwischen den Beinen zu vergraben. Sie schlugen die Hände vors Gesicht, um Mund und Nase zu schützen. Und als der giftige Staub dann auf sie nieder regnete, als er in ihre Poren und ihre Atemwege eindrang und ihr Todeskampf begann, da tränten ihre Augen.

Ja, wirklich, die Affen weinten.

Kanatjan Alibekow, damals bei den Experimenten auf der Insel schon einer der führenden Biowissenschaftler der Sowjetunion, neigte nicht gerade zur Sentimentalität. Als Epidemiologe war er manches gewöhnt, seine Doktorarbeit handelte von Pestkampfstoffen. Und schließlich kam er Anfang der achtziger Jahre auf die Insel, um zu überprüfen, wie weit sie bei der Herstellung von Killerbakterien waren, dem Herzstück des geheimen Biokrieg-Programms der Sowjetunion.

Denn darum ging es bei den Tests: Wie umfassend Affen, diese menschenähnlichsten aller Tiere, sich ansteckten, wie intensiv ihre lebenswichtigen inneren Organe von den Erregern befallen würden, wie schnell sie verreckten.

Manchmal rasend schnell, öfter lähmend langsam - das kam auf den Wind an, der die heimtückische Fracht verbreitete, und auf die Intensität des Bakterien-Cocktails. Die Experten schossen eine kleine Metallhülse ab, von dem Platz vor den Baracken der Militärs, mit denen sie sich die Schlafstätten und die Kantine teilen mussten. Das Aerosol verbreitete sich dann in einer senfgelben Wolke etwa 25 Meter über dem Boden. Aus der Ferne konnten die Wissenschaftler mit ihren starken Ferngläsern beobachten, wie die Affen reagierten.

Nach Stunden banden die Experten, in Schutzanzüge gekleidet, die infizierten Tiere los. Die Wissenschaftler analysierten nach dem späteren Exitus die inneren Organe - um das nächste Mal die Biokrieg-Stoffe effektiver hinzukriegen. Pest, Pocken, Milzbrand, Tularämie, Rotz, Brucellose: Sie testeten alles.




"Ich habe furchtbare Blutungen bei den Affen gesehen, ich habe sie stöhnen gehört und beim Sterben erlebt, so etwas ist man als Arzt gewöhnt", sagt Kanatjan Alibekow. Er ist 1987 zum Vizechef des geheimen sowjetischen Biokrieg-Programms aufgestiegen, 1992 in die USA geflohen. "Aber in meinen Erinnerungen als Schlimmstes übrig geblieben sind die Tränen der Affen."

Quelle Erich Follath




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