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Dieser Text gibt einem kurzen Überblick über die Geschichte von GNU/Linux - Unix und Minix ja und GNU.

1. Am Anfand war der Code
Im Jahre 1991 kaufte sich der finnische Student Linus Benedict Torwalds einen PC, um mit den Möglichkeiten eines 80386-Prozessors zu experimentieren. Es heißt, er habe den Rechner auf Ratenzahlung gekauft. Im Herbst des gleichen Jahres kündigte er die Version 0.01 des Linux-Kernels -- Linux ist abgeleitet von Linus' Unix -- in der Newsgroup comp.os.minix des Usenets an und verschickte den Quell-Code an Interessierte. Der Stein war ins Rollen gebracht. Innerhalb weniger Tage wurde aus dem weitgehend in Assembler geschriebenen Minikernel ein ausgewachsenes Betriebssystem, auf dem schon viele der GNU-Tools -- GNU's not Unix -- zur Verfügung standen und das keinen Vergleich zu scheuen brauchte. Von nun an geht die Entwicklung rasant weiter. Der ersten stabile Version 0.12 folgte im Frühjahr 1992, Version 1.0, Version 1.2, Version 2.0, Version 2.2. Im Moment ist der Linux-Kernel in der Version 2.2.17 aktuell.

Linux ist nicht aus den Nichts gekommen, sondern es ist ein Unix-Derivat und hat mit allen Unix-Derivaten sehr viele Eigenschaften gemeinsam. Die ersten Linux-Versionen wurde auf PC's mit einem 80386-Prozessor unter Minix compiliert.
Linus Torwalds stellte schon die ersten Versionen des Linux-Betriebssystemkerns unter die General Public License (GPL) der Free Software Fundation (FSF).


1.1 Unix    

1.2 Minix    

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1.1 Unix

1969 erblickte das erste Unics die Welt. Der ursprüngliche Name Unics ist abgeleitet von dem Betriebssystemprojekt Multics: Das MULTICS (Multi User Computer System) wurde von 1964 -- 1966 im Rahmen des MAC-Projekts am MIT in Cambridge speziell als Time-Sharing-Betriebssystem für die Ausbildung und Softwareentwicklung implementiert. Das MULTICS gilt heute noch als der Prototyp moderner interaktiver Betriebssysteme und ist zugleich das weltweit sicherste Betriebssystem (B3-Klassifikation gemäß Orange-Book des DoD). Der MULTICS-Stammbaum zeigt auch die Verwandtschaften mit CP/M, MS-DOS, RSX-11M und VMS auf, wobei das CP/M wesentlich durch die begrenzten Möglichkeiten des Intel 8080 und der 8"-Diskette als Betriebssystemresidenz und das RSX-11M durch die erforderlichen Real-Time-Eigenschaften für den PDP-11-Einsatz geprägt wurden.

Es wurde von Dennis Ritchie und Ken Thompson bei den Bell Laboratories. Die Bell Laboratories waren eine Abteilung von AT&T, die aber auch mit anderen Firmen wie Western Electrics zusammenarbeitete. entworfen, um auf einer wenig benutzten DEC PDP-7 Space Travel zu spielen.

Dennis Ritchie, Ken Thompson und ihre Mitarbeiter entschieden sich, das neu zu entwickelnde Betriebssystem mit den nachfolgend aufgeführten Eigenschaften auszustatten:


Das Dateisystem sollte hierarchisch aufgebaut sein, um möglichst flexibel den vorhandenen Speicherplatz auf der Festplatte aufteilen zu können.
Die Ausgaben in Dateien bzw. die Ausgaben auf Peripheriegeräte sollten weitestgehend gleich sein. Ebenso sollten Prozesse (Programme) miteinander so kommunizieren können, als wäre dies eine Ein- oder Ausgabe in eine Datei.
Man sollte neue Prozesse starten können, die in der Lage sein sollten, unabhängig von anderen Prozessen ihre Aufgaben zu erledigen. Die Prozesse sollten "asynchron" laufen können.
Jeder Anwender sollte seinen eigenen Kommandointerpreter wählen können. So kann flexibler auf die Fähigkeiten und Bedürfnisse der einzelnen Benutzer eingegangen werden.
Es sollte ein reichhaltiges Angebot an Dienstprogrammen vorhanden sein. Besonders Compiler für unterschiedliche Sprachen sollten entwickelt werden.
Das Betriebssystem sollte portabel sein, d.h. es sollte also relativ einfach von einem Rechnertyp auf einen anderen übertragen werden können. Es gab zu dieser Zeit große Unterschiede zwischen den einzelnen Architekturen der Rechner.
 

1968                            Version 1
                                    |
                                    |
                                    |
1975                            Version 6
                                    |
                 +------------------+--------------------+
                 |                                       |
1977            BSD                                      |
                 |                                       |
1979             |                Xenix ------------ Version 7
                 |                  |                   |
1982             |                  |                System III
                 |                  |                    |
1984          BSD 4.2               |                System V.2 -------+
                 |                  |                    |             |
1985          BSD 4.3 -------+      |                System V.3        |
                 |           |      |                    |             |
1986             |           +------+       +---+--- System V.4        |
                 |           |      |       |   |        |             |
                 |           |      +-------+   +--+     +-- Minix     |
                 |           |      |           |  |           |       |
1988             |           |     SCO          |  +-----------+       |
                 |           |      |           |              |       |
                 |           |      |           |              |       |
1991             |           |      |       +---+           Linux 0.1  |
                 |           |      |       |   |              |       |
1992             |         OSF/1    +-------+   |              |       |
                 |           |      |           |              |       |
1993          BSD 4.4        |      |           |              |       |
                 |           |      |           |              |       |
1994      +------+         Ultrix   |           |           Linux 1.0  |
          |                  |      |           |              |       |
       FreeBSD               |   System V.5     +--- HP/UX 11  |     AIX 4
                             |                  |              |
1998                         |                  |           Linux 2.0
                             |                  |             |
                             |               Solaris 7      Linux 2.2
                             |                  |              |
2000                       True64            Solaris 8      Linux 2.4

 


1971 wurde es als Version 1 auf eine DEC PDP-11 portiert. Die 1974 erschienene Version 4 war die erste, die in der eigens für sie entwickelten Hochsprache C geschieben war. C löste damit Assembler als Programmiersprache ab, in der die Unix-Quellen verfaßt waren und in der sie noch verfaßt sind.

Anfang bis Mitte der 70er Jahre war AT&T durch Verträge mit der US-Regierung daran gehindert, Unix zu vermarkten. AT&T entschloß sich, den Quellcode an Bildungseinrichtungen und vor allem an Universitäten für ein paar hundert US-Dollar abzugeben. Die Abgabe des Unix-Quellcodes an die Unversitäten brachte eine für damalige Verhältnisse ungeheure Verbreitung des Unix-Betriebssystem; und Dank den Hackern.. Als Hacker wird jemand bezeichnet, der sie nicht scheut, Hand an Quellcode von Programmen und Betriebssystemen zu legen. Da den Universitäten der komplette Unix-Quellcode vorlag, flossen sehr viele Verbesserungen und Neuerungen wieder zurück zu AT&T, die diese in ihr Unix aufnahmen.

Ab 1975 mit der Version 6 hat AT&T kommerzielle Lizenzen verkauft. Jeder Hersteller kochte nun sein eigenes Süppchen. Die Unix-Entwicklung verlief derart chaotisch, daß oftmals eine Gruppe von Unix-Entwicklern nicht wußte, was die andere Gruppe tat (vgl. Abbildung 1-1). Das Rad wurde zwei-, dreimal, immer wieder neu erfunden. 1984 wendet sich das Blatt entgültig: Per Gerichtsurteil wird AT&T gestattet Software zu vermarkten. Ab da verbreitet AT&T Unix als System V unter rein kommerziellen Erwägungen. Wegen seiner unangefochtenen Stellung an den Universitäten hat sich Unix im kommerziellen Bereich, in Firmen und Unternehmen schnell Fuß gefaßt und sich verbreitet. Das fast kommplett in C geschriebene Betriebssystem ist auf alle Großrechner portiert worden.

Im Jahr 1988 sorgte ein wichtiges Ereignis in der UNIX®-Welt für Turbulenzen. Zu diesem Zeitpunkt erstand die dFa. AT&T einen Aktienanteil an der Fa. SUN, die sich bis dahin einen bedeutenden Namen im Bereich der UNIX®-Arbeitsplatzrechner gemacht hatte. Gleichzeitig veränderte AT&T die Lizenzbedingungen für ihr Produkt UNIX®. Die einzelnen Computer-Hersteller durften praktisch keine Veränderungen mehr am UNIX®-System durchführen und mußten so auf viele vorher implementierte Eigenheiten verzichten.

Als Reaktion auf diese veränderte Haltung von AT&T schlossen sich einige große Computer-Hersteller zur Open Software Foundation (OSF) zusammen. Unter anderem wollten die Firmen IBM, DEC, Hewlett Packard, Siemens-Nixdorf ein Betriebssystem vorlegen, das zwar den Grundfunktionen des UNIX® entspricht, aber lizenzrechtlich völlig davon losgekoppelt ist. Das Produkt sollte den Namen OSF/1 tragen.

Im Gegenzug wurde die UNIX® International als Vereinigung von Computer-Herstellern gegründet, die sich zum Ziel gesetzt haben, UNIX® System V Release 4 von AT&T als Standard auf dem Unix-Markt zu etablieren. In der Zwischenzeit hat AT&T ihre Unix-Aktivitäten in eine eigene Firma ausgelagert. Alle Lizenzrechte waren an die UNIX® Software Laboratories übergegangen.
 

Das Betriebssystem OSF/1 sollte ursprünglich auf AIX, der Unix-Version der Fa. IBM basieren. Durch eine ganze Reihe von Erweiterungen versuchte hier IBM, dem Anwender eine Palette von neuen Möglichkeiten zu schaffen. Dadurch wurde die Handhabung jedoch nicht unbedingt einfacher. Entgegen dieser anfänglichen Entscheidung, AIX als Basis für die Entwicklung von OSF/1 zu verwenden, wurde kurze Zeit später eine leicht veränderte Entwicklungsrichtung für das neue Betriebssystem OSF/1 festgelegt. Die Oberfläche sollten zwar weiterhin aus dem AIX abgeleitet werden, der Betriebssystemkern sollte aber durch das Betriebssystem Mach gebildet werden. Mach wiederum ist eine Weiterentwicklung des Berkeley-Unix. Mach wurde an der Carnegie-Mellon Universität in den USA konzipert und realisiert. Neben einer verbesserten Speicherverwaltung hat das Mach-System vor allem den Vorteil, daß es wesentlich kleiner und auch aus sicherheitstechnischer Sicht entwicklungsfähiger ist.

So sieht sich der Anwender auf dem Unix-Markt mit zwei Gruppierungen konfrontiert. Auf der einen Seite der eher lockere Verbund der OSF und auf der anderen Seite die Verfechter von UNIX® System V Release 4. Technisch teilt sich Unix-Betriebssystemfamilie in die BSD- und die System-V-Linie.

Die heute gebräuchlichsten Unix-Derivate sind: AIX (IBM), True64 UNIX (Compaq), HP-UX (Hewlett Packard), Irix (Silicon Graphics), SCO Unix (Santa Cruz Operation), Solaris (SUN), SunOS (SUN) und natürlich Linux. Eine ebenfalls nicht zu unterschätzende Rolle spielen die freien BSD-Implementationen FreeBSD, NetBSD und OpenBSD, die nicht der GPL unterliegen, sondern eine eigene sehr freizüge Lizenz mitbringen. Das Unix-Derivat der Firma Siemens spielt nur in der BRD eine gewisse Rolle.



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1.2 Minix
1987 änderten sich die Zeiten für Programmierer und Anwender. Wurden sie bis dahin durch die Lizenzpolitik der kommerziellen Unix-Hersteller daran gehindert, den Quell-Code näher in Augenschein zu nehmen, so gab ihnen Andrew Tanenbaum, Professor an der Freien Universität von Amsterdam, diesen wieder in die Hand. Tanenbaum veröffentliche 1987 Minix, ein Lehrbetriebssystem für PC's, das auf jeden Quelltext von AT&T verzichtete und vollständig die Funktionalität von UNIX® Version 7 nachbildete. Tanenbaum stellte den Code für wenig Geld zur Verfügung. Minix wurde auf den Atari ST, den Amiga, den Apple Macintosh und den Personalcomputer portiert. Die läste Speicherbegrenzung auf 64 Kilobytes spielt unter Minix keine Rolle. Darüberhinaus unterlag Minix aber Beschränkungen, die Tanenbaum für sein Lehrbetriebssystem vorgesehen hatte: Es ist nicht frei kopierbar und grundlegende Änderungen am Betriebssystem dürfen nicht vorgenommen werden. Damit war eine Portierung der grafischen Oberfläche X Window auf Minix nicht möglich.



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2. GNU's not Unix
Das GNU-Projekt hat ein vollständiges, freies Softwaresystem entwickelt, das sich GNU -- GNU's not Unix -- nennt. Es ist kompatibel zu Unix und seinen entsprechenden Befehlen. "Frei" ist hier im Sinne von Freiheit gemeint, nicht im Sinne von kostenlos -- also, die Freiheit, die Programme grenzenlos zu kopieren, die Freiheit, den Quelltext einzusehen und nach eigenen Wünschen zu verändern und die Freiheit, die veränderten Programme unter der General Public License (GPL) zu verbreiten und an der Entwicklung freier Software mitzuwirken.

Das GNU-Projekt ist 1983 auf Anregung von Richard Stallman mit dem Ziel gegründet worden, um den kooperativen Geist wieder zu ermöglichen, der in den frühen Tagen unter den Entwicklern und Anwendern der Unix-Gemeinde geherrscht hatte, bevor die Herstellung von propritärer Software die Kooperation unmöglich gemacht hatte. Als Richard Stallman 1971 seine Laufbahn beim MIT, ??? Institut of Technologies, begann, arbeitet er in einer Gruppe, die ausscließlich freie Software, wie sie damals üblich war, benutzte. Die Software-Firmen verbreiteten ihre Produkte oftmals frei, d.h. inclusive des Quelltextes. 1980 war alle Software proprietär; der Quelltext wurde von den Herstellern unter Verschluß gehalten, was die Kooperation zwischen Entwickler und Anwendern unmöglich machte. Das GNU-Projekt wurde notwendig und betrat wenig später die Bühne der Geschichte.

Heute gibt es GNU-Software aus allen Anwendungsbereichen. Die Betriebssysteme Linux und Hurd unterliegen ebenfalls der GNU-Lizenz. GNU-Software ist effektiver und stabiler als ihre kommerzielle Konkurrenz. Das mußte sogar der Microsoft Konzern einräumen, der in seinem berühmt gewordenen "Helloween-Dokument" (veröffentlich durch Eric Raymond am 1. November 1998 auf seiner Homepage) Linux die bessere Qualität und größere Stabilität gegenüber Windows NT® bescheinigte.



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3. Ausblick
Linux-Systeme dürfen strenggenommen nicht als "UNIX-Version" bezeichnet werden, weil sie nicht den offiziellen Tests unterworfen worden sind, die von der X/Open durchgeführt werden. Linux bietet dennoch alle von Standard-Unix-Systemen bekannten Programmierschnittstellen. Die meisten Unix-Werkzeuge sind auf Linux protiert worden. Linux ist ein mächtiges, robustes und vollverwendbares System für Leute, die Unix mögen.

Der Siegeszug von Linux in vielen Bereichen, nicht nur gegen Windows NT®, sondern auch gegen die kommerziellen Unix-Derivate scheint unaufhaltsam. SUN gibt Solaris zum Selbstkostenpreis ab, SCO verscherbelt ihr Unix für ein paar US-Dollar. Andere Unix-Hersteller werden folgen. Dennoch ist die Tatsache, das Linux kostenlos im Internet zur Verfügung steht, nicht seine stärkste Waffe. Schier unschlagbar macht Linux die Freiheit der GPL: Es kommt mit seinem vollständigen Quelltext und der fast unerschöpflichen Software-Quelle des GNU-Projektes daher.

Anfänger finden die Flexibilität und die Offenheit von Unix im Allgemeinen, und von Linux im besonderen häufig verwirrend und frustierend, aber wenn sie sich einmal an dieses Konzept gewöhnt haben, fragen sie sich, wie sie jemals ohne Linux auskommen konnten. (Der Autor spricht hier aus Erfahrung.) Linux macht von den vorhanden Rechner-Ressourcen einen sehr effizienten Gebrauch. Linux -- ursrünglich auf IBM-kompatiblen Personal-Computern entwickelt -- unterstützt eine breite Hardware-Palette und unterschiedlichste Systemarchitekturen: PC, MAC, PowerMAC, Alpha-Rechner, SUN-Sparc, m68k (Amiga, Atari ST), S/390 PA-Risc u.a.



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4. Anregungen, Kommentare und Copyleft
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Hermann Treu <ht@rosenthal.hanse.de>

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