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IGFM: Köhler soll in Peking deutlich für die Menschenrechte eintreten[22.05.2007] Bundespräsident Horst Köhlers Chinareise ist der erste Staatsbesuch nach der Laogai-Resolution des Deutschen Bundestages Peking / Frankfurt am Main (22. Mai 2007) – Nur elf Tage, nachdem der Deutsche Bundestag eine Laogai-Resolution verabschiedet hat, trifft Bundespräsident Horst Köhler am 24. Mai in Peking mit dem Staatspräsidenten der Volksrepublik China, Hu Jintao zusammen. Als Staatschef und KP-Chef in Personalunion ist Hu Jintao der Hauptverantwortliche für das Laogai-System sowie die chinesische Praxis bei Folter, Todesstrafe und Verfolgung von Religionsgemeinschaften, erklärt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).
Entschiedenheit statt Folklore Horst Köhler ist der erste deutsche Politiker, der nach der angenommenen Laogai-Resolution im Deutschen Bundestag zum offiziellen Staatsbesuch (23. bis 26. Mai) nach China reist. Mit der Resolution wurde China im Bundestag scharf für das Laogai-System verurteilt. Die Resolution wurde am 10. Mai von den Fraktionen der CDU/CSU, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen gegen die Stimmen der Linkspartei angenommen. „Somit steht Köhler in der Pflicht, sich im Sinne der deutschen Politik für die Abschaffung der Laogai-Lager und die Freilassung der Gefangenen einzusetzen und den Staatsbesuch nicht zur Folklore werden zu lassen“, appelliert die IGFM. Im Geiste von Rau und Merkel für die Menschenrechte eintreten Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau hatte bei seiner vielbeachteten Rede an der Universität von Nanjing am 13. September 2003 die chinesische Regierung an ihre menschenrechtlichen Wurzeln erinnert und dabei ungewöhnlich offen betont, dass Rechtsstaat und Menschenrechte unmittelbar miteinander verbunden seien. Rau berief sich in seiner Rede auf den chinesischen Philosophen Konfuzius, der von einer Ordnung lehrte, die nur durch Achtung von anderen Menschen erreichbar sei. In einem persönlichen Gespräch mit Hu Jintao sprach Rau den chinesischen Staatspräsidenten zudem direkt auf Menschenrechtsverletzungen gegen Einzelpersonen und Gruppen in China an, empfahl neue Umgangsformen mit dem Dalai Lama, kritisierte die Katholikenverfolgung im Untergrund und berichtete der Parteispitze von deutschen Kirchentagen als Beispiel für ein entspanntes Verhältnis zwischen Staat und Religion. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bei ihrem Besuch in China im vergangenen Jahr den Handlungsspielraum deutscher Menschenrechtspolitik erweitert. Merkel betonte die Unteilbarkeit der Menschenrechte, sprach die Situation in Tibet an und pochte auf Medienfreiheit. Zudem traf sich die Kanzlerin mit Dissidenten und sprach mit dem katholischen Bischof von Schanghai, Aloysius Jin Luxian, einem ehemaligen politischen Gefangenen, über Religionsfreiheit. Selbst Personen, die Merkel nicht direkt treffen konnte, erhielten durch den Staatsbesuch ein willkommenes Forum. „Sie hat den Menschenrechten damit einen hervorragenden Dienst erwiesen“, erklärt Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der IGFM. IGFM: Bisher keine Verbesserung der Menschenrechtslage im Zuge der Olympischen Spiele in Sicht Die menschenrechtlichen Themen, die Bundespräsident Köhler in China ansprechen sollte, sind 2007 noch dringlicher. Ein Jahr vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking hat die Parteiführung trotz vieler Versprechen und Zusagen keine sichtbaren Schritte in Richtung Menschenrechte unternommen. Vielmehr zeigt die chinesische Regierung, dass sie um jeden Preis ein Propagandaspektakel ohne jeden Widerspruch erzwingen will. Die zum Jahresbeginn ergangene Aufforderung der Parteispitze, die lokalen Behörden sollten gegen "störende Elemente" vorgehen und kritische Personen vor den Spielen aus Peking entfernen, zeigt, dass in Peking die Idee der olympischen Toleranz zu Grabe getragen wird. Fortschritte bei der Achtung der Menschenrechte sind nicht zu erkennen, die Lage hat sich seit der Vergabe der Spiele durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) 2001 vielmehr noch verschlechtert – und das, obwohl das IOC die Vergabe der Spiele an die Bedingung geknüpft hatte, dass sich die Menschenrechtssituation in China deutlich verbessern müsse. Die IGFM fordert Bundespräsident Köhler auf, sich im Zuge der Olympischen Spiele für die Meinungsfreiheit der Chinesen und den freien Zugang zu Medien, z.B. über das Internet, einzusetzen – nie war die Gelegenheit für Veränderungen günstiger! Lukrativer Handel mit geraubten Organen Im März 2007 deckten der kanadische Menschenrechtsanwalt David Matas und der ehemaligen kanadische Staatssekretär für den Asien-Pazifikraum, David Kilgour, den Handel mit menschlichen Organen in China auf. Nach Angaben von Matas und Kilgour stammen die Organe vor allem von Gefangenen der buddhistischen Meditationsschule Falun Gong. Danach wurden die Organe den Gefangenen in staatlichen Institutionen bei lebendigem Leibe entnommen, später weiterverkauft und an einem anderen Ort den zahlungskräftigen Empfängern transplantiert. Die Gefangenen starben entweder im Verlauf der Operation oder werden unmittelbar im Anschluss daran getötet. Weil die Leichen verbrannt werden, gibt es keine Körper, die im Nachhinein als Quelle eines Transplantats identifiziert werden könnten. Ausbeutung von Zwangsarbeitern für unseren Konsum China unterhält mit dem sogenannten Laogai das weltweit größte System von Umerziehungs- und Arbeitslagern. Dieses System versorgt die chinesische Volkswirtschaft mit fast kostenlosen Arbeitssklaven. IGFM-Sprecher Martin Lessenthin kritisiert: „Die chinesische Wirtschaftspolitik kalkuliert den Profit durch die Ausbeutung der Arbeitssklaven fest ein. Die Gefangenen müssen Höchstquoten erfüllen, um ihre tägliche Nahrung zu erhalten. Sie arbeiten unter menschenverachtenden Bedingungen, werden auf vielfältige Art misshandelt und ausgebeutet.“ Offiziellen Angaben der Pekinger Führung zufolge sitzen 200.000 Personen in den Lagern des Laogai ein. Nach Untersuchungen von Harry Wu, dem Gründer der Laogai Research Foundation, liegt die Zahl der Inhaftierten um ein zehnfaches höher. Viele Zwangsarbeiter sind nicht kriminell, sondern werden aus politischen Gründen willkürlich gefangen gehalten. Weder eine Anklage, noch einen Prozess, noch ein Urteil haben sie je erhalten. Dies gilt besonders für die in China unterdrückten Tibeter und Uiguren, für chinesische Christen, Falun Gong-Praktizierende, Demokraten, Gewerkschafter und Menschenrechtler. IGFM-Kurator Harry Wu schätzt, dass bereits vierzig bis fünfzig Millionen Menschen Opfer dieser Praxis wurden. Zahlreiche Waren, die auch ins Ausland verkauft werden, stammen aus Zwangsarbeit, auch Waren von ausländischen Firmen werden dort gefertigt. Zu den Produkten gehören unter anderem Fernseher, Radios, Computer und Textilien. Die VR China lieferte im vergangenen Jahr Waren im Wert von 48,8 Milliarden Euro nach Deutschland und steigerte damit ihren Export in die Bundesrepublik um 19,4 Prozent. China hat damit die USA auf dem deutschen Markt überholt. „Dies ist ein Grund mehr für eine Kennzeichnung solcher Produkte aus der VR China, die erwiesenermaßen nicht aus Zwangsarbeit stammen“, so IGFM-Sprecher Martin Lessenthin. Weitere Informationen über Produkte aus den Laogai-Lagern sowie zum Thema Folter und Zwangsarbeit in China unter www.menschenrechte.de
Medieninformation Internationale Gesellschaft für Menschenrechte 55 Seitenaufrufe Weitere Artikeln zu diesen Thema 19.01.2012 Opfer der jüngsten Selbstverbrennung stirbt - Verletzte Tibeter vermeiden Krankhäuser aus Angst vor Festnahme 19.01.2012 Blackout - Rettet heute das Internet - Heute könnte der Tag sein, an dem wir das freie Internet retten. 23.12.2011 Tibetischer Mönch Tabey am Leben, aber zum Krüppel geworden 14.12.2011 Pekings Ground Zero - Von Chinas Organraub an politischen Gefangenen - Von Ethan Gutmann 09.12.2011 Irak: Pogrome von Islamisten gegen Christen und Yeziden in Kurdistan 25.11.2011 Tibet Neue Sicherheitskräfte in Kirti zur Zähmung der Widerspenstigen- Lhasa unter Militärkontrolle 25.11.2011 Aufschrei der Tibeter in Tawu, darunter auch Bilder der Selbstverbrennung - Videoclip der dramatischen Geschehnisse in Tawu im Exil aufgetaucht 16.11.2011 Internationaler Tag für inhaftierte Blogger 16.11.2011 China kreiert regimetreues „Modellkloster“ in Tibet 21.10.2011 Spannung in Serthar wächst - Polizei schießt auf zwei Tibeter |
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