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Die Armee bricht auf

[09.07.2007] Kapitel 1
Hanuman flog durch das Firmament, überglücklich aufgrund seines Erfolges. Bald würde er Sugriva und Rama sehen und ihnen die gute Nachricht übermitteln, dass er Sita gefunden hatte. Er ließ Lanka in einem Zustand des Aufruhrs hinter sich und bewegte sich mit der Geschwindigkeit des Windes. Kein einziger Rakshasa verfolgte ihn, da alle damit beschäftigt waren ihre heimgesuchte Stadt zu retten.

Aus Angst vor Ravana hatte der Halbgott des Feuers seinen Palast nicht verbrannt. Der Rakshasa-König war in Gedanken verloren. Er hätte den Affen töten sollen, als er die Möglichkeit dazu hatte. Rama und seine Truppen würden zweifellos bald in Lanka eintreffen. Dann würde eine große Schlacht stattfinden. Ravana dachte an Brahmas Segnung. Der Dämon war nicht gegen menschliche Wesen gefeit. Würde dieser menschliche König die Ursache seines Todes sein? War er eine Inkarnation Vishnus? Er müsse es wohl sein, überlegte Ravana. Möge der Kampf stattfinden. Bald würde man Ramas Stärke sehen können. Ravana würde sich vor niemandem ducken. Lieber würde er sterben. Durch die Hand Vishnus zu sterben sei wahrlich keine Schande. Einige sagten sogar, dass solch eine Todesursache Zugang zu den höchsten Sphären der Glückseligkeit verschaffe. Doch unter keinen Umständen würde er Sita aushändigen. Rama würde sie ihm mit Gewalt wegnehmen müssen. Der Dämon träumte vor sich hin.

Hanuman raste indessen durch die Luft wie ein von einem mächtigen Bogen abgeschossener Pfeil. Nach einer Stunde erkannte er den Mahendra-Berg undeutlich in der Ferne. Der Affe brüllte immer wieder und erfüllte den Himmel mit seiner donnergleichen Stimme. Angada und die anderen hörten sein Brüllen und stellten sich zum Himmel blickend ans Meeresufer. Sie waren erleichtert, denn sie verstanden, dass Hanuman durch sein Brüllen seinen Erfolg andeutete. Überwältigt von Glück hüpften und sprangen sie am Strand umher und schrien vor Freude.

Nach wenigen Minuten sahen sie Hanuman durch die Wolken brechen. Die Vanaras stellten sich aus Achtung und Wertschätzung für ihren Landsmann mit gefalteten Händen auf, während dieser auf dem Mahendra-Berg landete und diesen dabei zum Beben brachte. Hanuman lief schnell den Berg hinunter, nahm wieder seine normale Größe an und rannte zu seinen Freunden. Die Affen umringten ihn mit Jubelschreien. Sie boten Hanuman Wurzeln und Früchte an und umarmten ihn lachend mit Tränen in den Augen.

Hanuman nahm Angada bei der Hand und setzte sich in einem Hain in der Nähe des Strandes nieder, um ihm alles zu erzählen, was geschehen war: "Ich habe die göttliche Sita gesehen. Sie sehnt sich nach ihrem Herrn, ist von wilden Rakshasis umgeben und wird unablässig von Ravana belästigt. Wir sollten keine Zeit verlieren und die Prinzessin auf der Stelle retten."

Als die Affen hörten, dass Hanuman erfolgreich gewesen war, stießen sie laute Schreie aus. Einige brüllten wie Löwen und andere wie Bullen. Einige heulten wie Wölfe, während sie tanzten und ihre langen Ringelschwänze umher schwangen. Aus der Mitte der vordersten Affen sprach Angada zu Hanuman: "Deine Heldentat ist ohnegleichen. Du hast unser Leben gerettet und Rama, der bald von seinem Kummer befreit sein wird, einen großartigen Dienst geleistet. Du hast wirklich erstaunliche Entschlossenheit und Tapferkeit an den Tag gelegt, lieber Hanuman!"

Angada und Hanuman waren von mächtigen Vanaras umgeben, genau wie Indra und Surya von den anderen Halbgöttern umgeben sind. Angada befragte Hanuman über alle Geschehnisse seitdem er weggegangen war und dieser erzählte alles ausführlich. Die Affen waren erfreut zu hören, dass er so viele mächtige Rakshasas getötet und in Lanka Verwüstung angerichtet hatte, doch sie waren entsetzt, als sie erfuhren, wie Ravana Sita bedrohte. Angada beschloss, dass sofort gehandelt werden müsse: "Wie können wir Rama berichten, dass Sita sich in einem solchen Zustand befindet? Wir müssen nach Lanka und sie zurückerobern. Hier sind Affen, die so mächtig wie die Halbgötter sind. Wir werden alle zusammen schnell in Lanka einmarschieren. Lasst uns die Stadt zerstören, den gottlosen Ravana töten und Sita retten. Dann können wir zu Sugriva und Rama zurückkehren."

Jambavan widersprach Angada: "Dein Vorschlag ist nicht weise, mächtiger Affe. Es wurde uns nicht befohlen Ravana zu töten oder Sita zurückzubringen. Wir wurden nur gebeten, sie ausfindig zu machen und Rama über ihren Aufenthaltsort Bericht zu erstatten. Dieser Prinz hat gelobt Sita selbst zu retten. Selbst wenn wir es ohne Rama schaffen würden, würden wir er doch sein Gelübde nicht erfüllen können."

Der Affe nahm Jambavans Ratschlag an. Der alte König der Bären war stets weise und überdachte alles sorgfältig. Er hatte recht. Es war besser, Kishkindha Bericht zu erstatten. Dann könnten sie vereinigt mit all den anderen Affen nach Lanka gehen, mit Rama und Lakshmana an ihrer Spitze. Auch dann würde es zahllose Möglichkeiten zum Kämpfen geben.

Die Affen erhoben sich und machten sich sofort nach Kishkindha auf. Mit Hanuman an ihrer Spitze sprangen sie so schnell, wie sie konnten, zurück. Nach ein paar Tagen erreichten sie den Madhuvan-Wald, der nicht weit von Kishkindha lag. Der Wald war riesig und voll von mit Früchten beladenen Bäumen und Honigwaben. Die Affen baten Angadas um Erlaubnis den Honig zu trinken, der eigentlich für Sugriva bestimmt war, und sie verzehrten ihn in großen Mengen. Berauscht und fröhlich tanzten sie in der Gegend umher. Einige von ihnen sangen laut, während andere flach auf dem Boden lagen. Sie rollten sich umher und klopften einander auf die Schultern. Sie rollten das Bienenwachs zu Bällen und bewarfen sich damit gegenseitig zum Spaß. Sie rissen Äste von den Bäumen ab und wirbelten sie in Spaßkämpfen umher. Sie sprangen von Baum zu Baum und verursachten einen großen Tumult im Wald.


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